17.08.2012, 09:23  von Alexander Hahn

Es ist Zeit für globale Verantwortung

Bild: WB/Mayr

Leitartikel. Vollmundige Versprechen sind zu wenig gegen leere Mägen.

Kennen Sie das Gefühl, seit mehreren Tagen nichts mehr gegessen zu haben? Wenn ja, dann wahrscheinlich aus eigenem Antrieb, etwa aus gesundheitlichen Gründen oder zur Erhöhung des Wohlbefindens. Glücklicherweise ist Hunger aus Armut in Westeuropa seit der Nachkriegszeit kein Massenphänomen mehr - sehr wohl jedoch in anderen Erdteilen.

Das Thema Welternährung ist in den letzten Wochen wegen enormer Preiszuwächse zahlreicher Getreidesorten -binnen weniger Wochen haben sich Weizen und Mais um rund die Hälfte verteuert - wieder in aller Munde. Ausgelöst wurde diese Entwicklung von sich abzeichnenden Missernten, etwa in der Kornkammer der USA, die heuer unter der größten Dürrephase seit über einem halben Jahrhundert leidet. Selbst in den Industriestaaten, wo durchschnittlich nur rund ein Zehntel des Haushaltseinkommens für Nahrungsmittel ausgegeben wird, schlagen Verteuerungen bei Grundnahrungsmittel hohe Wellen, bleiben aber letztlich verkraftbar.

Dramatisch ist die Lage hingegen in Entwicklungsländern, wo die Mehrheit der Bevölkerung ohnedies von der Hand in den Mund lebt. Dort lautet die Rechnung: Ein Preisanstieg der Nahrung um 50 Prozent bedeutet ein Drittel weniger zu essen. Was mitunter sogar zu wenig ist, um das Überleben der eigenen Familie zu sichern. Gegen Wetterkapriolen wie besagte Dürre in den USA fehlt - unter Ausklammerung möglicher Zusammenhänge mit einer vom Menschen verursachten Klimaerwärmung - ohnedies jegliche Handhabe. Sehr wohl lassen sich jedoch die anderen Ursachen für teure Lebensmittel wie steigender Fleischkonsum, Spekulation auf Lebensmittelpreise oder die Verwendung von Anbaufläche für Biosprit in den Griff bekommen.

Die Globalisierung hat der Welt nicht nur Wohlstand gebracht. Sie hat die Auswirkungen wirtschaftlichen Handelns auf ein globales Niveau gehoben. Dass sich nun die G20 der Preisexplosion von Lebensmitteln annehmen wollen, ist grundsätzlich zu befürworten - trotz gedämpfter Erwartungen. Mehr als Lippenbekenntnisse dürften vorerst nicht herausschauen. Dabei wäre es ein Leichtes, die globalen Spielregeln so zu ändern, dass zumindest manche Preistreiber wie Spekulation oder hohe Beimengungen von Biokraftstoffen beseitigt werden.

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-08-17)

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Kommentare

1 Kommentare

Gast: tzu meint

Der Teufelskreis der Armut beginnt sicher schon an jenem Punkt, an dem die Mitglieder in einer Volkswirtschaft nicht derart hohe Überschüsse an Gütern zur Deckung der Grundbedürfnisse erwirtschaften, mit denen es möglich ist in ein hohes Maß an Bildung aber auch Freizeitbeschäftigungen sicherzustellen. Das hört sich angesichts des Hungers in vielen Teilen der Welt überheblich an, sehen wir uns aber an warum? Denn nur durch Bildung und Muße ist der Mensch in der Lage Kreativ genug zu sein um auf neue Problemstellungen effizient zu reagieren. Denn wenn man in der Pyramide weiter nach unten geht braucht ein Arbeiter um sebständig agieren zu können zumindest soviel ökonomische Unabhängigkeit um nicht in all seinem Handeln dem Arbeitgeber gehorchen zu müssen. Und dann kommen wir auch schon zur untersten Stufe. Ein Arbeiter der nicht ausreichend Nahrung hat, kann auch keine Leistung erbringen um mehr Nahrung zu erwirtschaften. Daher ist es immens wichtig für das Funktionieren eines Wirtschaftskreislaufes, alle Mitglieder von eben dem, ausreichend mit Gütern versorgen zu können. Es geht dabei um ein Äquivalent an Kaufkraft das Entscheidungs-Freiheit und ökonmische Sicherheit sicherstellt ohne dass gewisse notwendige Tätigkeiten aufgrund von zu hohem Wohlstand aus Arbeitskräftemangel nicht mehr durchgeführt werden können.

verfasst am 17.08.2012, 18:55

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