28.11.2012, 19:46  von Isabell Widek

Arbeitszeit muss endlich neu definiert werden

Bild: Peroutka

Leitartikel. Zwei widersprüchliche Ansätze bringen uns auf Dauer nicht weiter

"Arbeitszeitflexibilisierung" ist ein schönes Wort. Es klingt nach individueller Zeiteinteilung, Freiheit und Freizeit. Also genau nach dem, was es in einer idealen Welt auch sein sollte.

Die Realität hingegen ist - wie immer in solchen Fällen - sehr viel grauer und auch weit weniger eindrucksvoll. Mit „Arbeitszeitflexibilisierung" beschreiben nämlich Produktionsbetriebe im Normalfall ihren Wunsch nach dem idealen Mitarbeiter: Immer da, wenn man ihn braucht. Und immer dann auf wundersame Weise verschwunden, wenn er nicht vonnöten ist.

Dass diese Vorstellung der der meisten Arbeitnehmer nach acht Stunden Schlaf täglich, einem freien Wochenende sowie einem funktionierenden Familienleben widerspricht, ist leider genauso wahr. Der seit Jahren wiederkehrenden Forderung nach dem ultimativ flexiblen Mitarbeiter begegnet die Gewerkschaft daher daher ebenso lange mit der Forderung nach Arbeitszeitverkürzung. Eine Variante, die neue Arbeitsplätze schaffen soll, das aber leider nicht tut - das haben Fallbeispiele aus anderen Ländern traurigerweise bereits gezeigt. Die typisch österreichische Lösung: Aussitzen. Heißt übersetzt: Keiner bewegt sich in irgendeine Richtung.

Mit Verlaub, auf Dauer ist das keine Option. Denn das kommt dabei heraus: Betriebsinterne Sonderlösungen, die knapp an der Illegalität schrammen und Mitarbeiter, die Überstunden anhäufen, die sie rein rechnerisch frühestens mit Antritt ihrer Pension genießen können.

Wenn der Wirtschaftsbund nun am Donnerstag im Wirtschaftsparlament mit dem Antrag „Flexibilisierung des Arbeitsmarktes" vorprescht, ist das ein gutes Zeichen. Immerhin wird auf diese Weise zumindest wieder einmal über das Thema ernsthaft geredet. Auch dass darin Elemente wie „Schaffung von Anreizen für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer", „ehestmögliche Nutzung von Spielräumen zur Lohnkostensenkung" und „Ungerechtigkeiten im Pensionssystem rasch beheben" als große Überschriften prominent vorkommen, kann nur gelobt werden.

Denn wie bisher einfach nur zwei widersprüchliche Ansätze auf den Tisch zu legen und dort liegen zu lassen, bringt uns nicht weiter. Die Einstellung vieler Menschen zu Job, Berufung und Arbeitszeiten haben sich in den vergangenen Jahren geändert: Dem muss endlich Rechnung getragen werden. Und zwar so, dass beide Seiten - Arbeitgeber wie Arbeitnehmer - mit dem Ergebnis zufrieden sind.

 

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

07:45

Weckruf für die Regierung

23.05.2016, 19:02

Liebes Österreich, bitte zerfleische Dich nicht!

23.05.2016, 17:25

Und jetzt an die Arbeit

Kommentare

0 Kommentare

23.05.2016, 17:18

BP-Wahl: In Deutschland bleibt die Angst vor dem "großen Knall"

Der knappe Sieg Van der Bellens bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich ist in Deutschland kein Grund zum Jubel

23.05.2016, 07:18

Claire Underwood lässt sich nicht abspeisen

Keine Frage, Claire Underwood weiß, was sie will.

23.05.2016, 06:35

Die Balkanisierung der EU

Obwohl ein Brexit droht, streben manche Länder noch in die EU. Sie verbinden das Staatenbündnis noch mit Wohlstand und Rechtstaatlichkeit.

23.05.2016, 06:34

Arschknapp

Wir werden wohl nicht vor dem morgigen Abend erfahren, wer unser neuer Bundespräsident ist. Sicher ist jedenfalls eines: Die Mehrheit der Österreicher ist mit der aktuellen Politik so unzufrieden, dass sie substanzielle Änderungen wünscht. Und die Regierung unter dem neuen Bundeskanzler Christian Kern hat nur noch sehr wenig Zeit, diese Veränderungen selbst zu liefern.

20.05.2016, 06:46

Die Opfer der Regulierungswut

Der Jahresbericht, den die Finanzmarktaufsicht (FMA) gestern präsentiert hat, zeigt wieder einmal auf, dass Österreichs Unternehmen nicht ohne Grund über die ausufernde Regulierungswut stöhnen.

Die Redaktion empfiehlt

Umfrage

  • Wer soll Ihrer Meinung nach neuer SPÖ-Vorsitzender und Bundeskanzler werden?
  • Gerhard Zeiler
  • Christian Kern
  • Brigitte Ederer
  • Michael Häupl
  • Andreas Schieder
  • Niemand der Genannten

Bilder des Tages