29.11.2012, 19:58  von Hans-Jörg Bruckberger

Ohne Solidarität droht ein Lagerkoller

Bild: WB/Mayr

Leitartikel. Eine Erholung unserer Handelspartner ist essenziell

Das tut gut: Beinahe täglich revidieren internationale Organisationen und Wirtschaftsforscher ihre Konjunkturprognosen nach unten und verschieben den erhofften Aufschwung zeitlich nach hinten. Und jetzt dieser Hoffnungsschimmer: Der Einkaufsmanagerindex der Bank Austria ist überraschend stark nach oben geschossen. Zwar notiert er noch knapp unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, aber immerhin: Der konjunkturelle Tiefpunkt scheint überwunden, ein leichter Aufschwung ist wahrscheinlich (siehe Seite 21). Dies, zumal der Einkaufsmanagerindex ein traditioneller Vorlauf- oder auch Frühindikator ist, dem die Gesamtwirtschaft theoretisch folgen sollte.

Die Logik dahinter ist simpel: Wenn die Einkaufsmanager aus verschiedensten Branchen des verarbeitenden Gewerbes positiv gestimmt sind und mehr ordern, ist anzunehmen, dass dahinter steigende Auftragseingänge und damit letztendlich eine ebensolche Kundennachfrage steckt. So weit sind wir aber noch nicht, zumal die für unsere Industrie so wichtigen Exporte nach wie vor schwächeln. Woher dann dieses Lebenszeichen? Offenbar werden vorerst einmal Lager aufgebaut. Aber auch das ist positiv zu werten: Das tut man ja nicht, wenn man Geschäfts­rückgang erwartet.

Apropos Lager: Dass diese eben nicht prall gefüllt sind, ist das vielleicht größte Plus im Vergleich zur Situation vor der Finanzkrise. Damals, 2007/08, waren die Lager im Zuge des Booms randvoll. Als dann die Krise ausbrach und die Unsicherheit stieg, machten die Unternehmen monatelang einfach gar nichts. Genau das verschärfte die Situation und führte zum wirtschaftlichen Stillstand. Jetzt aber sorgt zunächst schon ein gewisser Lageraufbau für Stimmung und nährt die Hoffnung, dass zumindest eine kleine Spirale nach oben entsteht. Die Wirtschaft lebt von Stimmungen, da ist jeder positive Impuls willkommen.

Das gilt auch für die Eurokrise: Wer Angst vor dem Untergang des Abendlands hat, wird nicht unbedingt shoppen gehen, geschweige denn große Investitionen tätigen (obwohl das gerade dann sogar Sinn macht). Die europäische Solidarität ist wichtig. Denn die Rezession in einigen Nachbarländern, allen voran Italien, Österreichs zweitwichtigstem Handelspartner, belastet die heimischen Erzeuger. Insofern sind Solidarität und Egoismus gar kein Widerspruch.

 

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