01.12.2012, 14:26  von Isabell Widek

Arbeitskosten gehen uns alle an

Isabell Widek /

Leitartikel. Ihr Verdienst hat großen Einfluss auf die Währungsunion.

Für den Einzelnen zählt meist nur das, was er am Anfang jedes Monats am Konto hat. Netto. Aber es gehört natürlich zum Allgemeinwissen, dass in Wahrheit allein das Bruttogehalt zählt – und zu dem auch noch jede Menge Lohnnebenkosten kommen.

Die Makroökonomie nennt diese Summe „Arbeitskosten“. Diese wiederum haben aber nicht nur Einfluss auf Konsum, Wettbewerbsfähigkeit und Exportrate eines Landes, sondern auch auf die Performance der Europäische Währungsunion.

Eine Studie von IMK kommt zudem zur Einsicht, dass ein Abbau der Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen der einzelnen Mitgliedsländern nur gelingen könne, wenn Länder mit großen Überschüssen wie Deutschland ihren Import steigern.

Das durchaus skurrile Conclusio: Steigen die Arbeitskosten nicht in dem Ausmaß, wie sie es sollten, ist das sogar ziemlich schlecht für die Entwicklung des gesamten Euroraums.

Jetzt sollte man glauben, dass man einen solchen Anstieg ganz einfach forcieren könnte: Ein paar Jahre mit Lohnerhöhungen, die über die bisherige Praxis der bloßen Inflationsabgeltung hinaus gehen und schon würden die Kennzahlen in lichte Höhen landen. Volkswirtschaftlich sinnvoll, in der Realität jedoch völlig unmöglich durchzuführen.

Zudem argumentieren Wirtschaftsforscher wie der Wifo-Arbeitsmarktexperte Thomas Leoni, dass die Arbeitskosten nur eine Größe seien, in Wahrheit sei die Produktivität das Maß aller Dinge. Eine Angleichung der Löhne an die Produktion würde nämlich auch aus lohnpolitischer Sicht Sinn machen, ebenso wie ein Heranziehen der Lohnstückkosten.

Was lernen wir also daraus? Jeder Einzelne kann zur Rettung des Euro beitragen, indem er oder sie als a) Arbeitnehmer auf sofortige und sichtbare Lohnerhöhungen pocht und damit auch möglichst viel in Sozial-, Unfall- und Pensionsversicherung einzahlt, als b) Konsument ab jetzt unglaublich viel Geld ausgibt, als c) Unternehmer viel mehr als bisher in den Export investiert und als d) Staatsbürger die Politik zu einer Umkehr in ihrer lohnpolitischen Ausrichtung drängt.

Alles Tagträumerei, denken Sie? Mag sein. Aber große Ideen benötigen eben manchmal unrealistische Ausgangssituationen, um dann zumindest als kleines Projekt wiedergeboren zu werden. Geben wir uns und den derzeit in der Pflicht stehenden Politikern also eine Chance.

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Kommentare

2 Kommentare

Verbleibende Zeichen: 1500

Gast: caz meint

Lohnsteigerungen gehen in kleinen Dienstleistungsgetriebenen Märkten (wie es eben auch Österreich ist) zu einem guten Teil sowieso an den Import verloren. Damit drücken Lohnsteigerungen das BIP dort zwangsläufig nach unten.

verfasst am 12:48 04.12.2012

Gast: tzu meint

Angesichts des globalen Wettbewerbs ist mir schleierhaft wie Lohnsteigerungen (der ohnehin hohen Löhne) hierzulande, die Exporte steigern sollen?

verfasst am 19:56 03.12.2012

23.05.2013, 09:50

Niemetz ist ein Bombengeschäft

Beobachtet. Aber nur, wenn man sich in der Materie wirklich auskennt.

22.05.2013, 18:44

Das beste Rezept gegen die Krise ...

Leitartikel. Gerade in Zeiten der Krise bleiben ­Familienbetriebe ein Garant.

22.05.2013, 10:19

GmbH-Reform und Insolvenzgefahr

Beobachtet. Die Bonität eines Unternehmens hängt in der Praxis nicht nur vom Stammkapital ab, sondern vor allem von einem guten Businesskonzept und gutem Management.

21.05.2013, 17:56

Leistung muss belohnt werden

Leitartikel. Wer Großes leistet, muss auch entsprechend bezahlt werden. Nicht nur aus Gründen der Gerechtigkeit, sondern aus Eigeninteresse.

21.05.2013, 17:55

Europa als Mittel gegen die Krise

Zur Sache. So lange die EU ein minimales Gemeinschaftsbudget hat, so lange werden nationale Regierungen Politiker aufs Abstellgleis nach Europa schicken.

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