07.12.2012, 09:15  von Simone Brunner

Heiße und dicke Luft in Doha

Simone Brunner / Bild: Elke Mayr

Beobachtet. Der Handel mit "Hot-Air"-Zertifikaten könnte für Osteuropa ein gutes Geschäft werden. Damit wird aber nicht Umweltschutz belohnt.

Zyniker werden behaupten, dass bei der Klimakonferenz in Doha nicht viel mehr herausgekommen ist als heiße Luft. Da mag es von Anfang an kein besonders gutes Omen gewesen sein, dass ausgerechnet "Hot-Air"-Zertifikate auf der Agenda standen: Emissionsgutschriften, die vor allem Länder wie Russland, die Ukraine und Polen seit dem Start des Kyoto-Protokolls angehäuft haben. Sie pochen darauf, ihre Gutschriften auch auf eine neue Kyoto-Periode, die 2013 beginnen soll, überschreiben zu können. Bevor es demnächst eine Einigung gibt, geht wohl eher die Welt unter (und das sei ganz ohne Zynismus in Hinblick auf das laut Maya-Kalender nahende Weltende gesagt).

Gutes Geschäft

Man kann es den Osteuropäern nicht ganz verdenken: Wenn der Preis für CO2-Zertifikate irgendwann wieder anspringt, wäre das sicher ein einträgliches Geschäft; selbst bei einem derzeit mickrigen Preis von einem € pro Tonne wären das 13 Milliarden € in Cash. Die Signalwirkung hingegen wäre fatal. Denn dass die Osteuropäer heute wesentlich weniger Abgase in die Atmosphäre blasen als 1990, zeigt nur, wie sehr die Volkswirtschaften infolge der Wende geblutet haben; die Ukraine emittierte 2010 laut Uno um knapp 60 Prozent weniger Treibgase als 20 Jahre zuvor-und wer die Ukraine kennt, weiß, dass das nicht auf groß angelegte Umweltschutzmaßnahmen umgemünzt werden kann. Vielmehr legen die "Hot-Air"-Zertifikate den Geburtsfehler des Emissionshandels offen: Ein Bonus-Malus-System, das Länder unabhängig davon, ob wirklich in Umweltschutz investiert wurde, belohnt werden, ist unausgegoren.

Ladenhüter

Ideengeber waren damals übrigens die USA, die auf billige Klimakredite gerade aus Russland & Co. spitzten - dass Klimaschutz also ein Geschäft sein kann, haben die Osteuropäer ausgerechnet von den USA gelernt. Weil Washington dann bekanntlich doch nicht das Kyoto-Protokoll ratifiziert hat, bleiben die Osteuropäer auf ihren Zertifikaten sitzen. Zugegeben: Das müsste sich in der nächsten Kyoto-Periode nicht unbedingt ändern. Dass man als einen der ersten Schritte aber den Sperrmüll aus dem alten ins neue System übertragen will, lässt künftig nicht gerade auf große Durchbrüche bei der globalen Klimapolitik hoffen.

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-12-07)

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