20.12.2012, 17:41  von Micaela Taroni

Montis schwierige Metamorphose zum Politiker

Bild: WB/Peroutka

Leitartikel. Die Gruppe der Monti-Fans in Rom und Brüssel wird immer größer.

Dreizehn Monate lang hat Mario Monti hart gearbeitet, um Italien vor der Staatspleite zu retten und seine Glaubwürdigkeit im Ausland zu stärken. Das Prestige seines Technikerkabinetts hat stark zum Wiederaufbau von Italiens angekratztem Ansehen beigetragen. Doch der Wind hat sich gedreht. Der rigorose Wirtschaftsprofessor kann sich nicht mehr im Elfenbeinturm seiner Parteiunabhängigkeit verschanzen. Will er seine Arbeit fortsetzen, muss er den Mut zu einer radikalen Wandlung finden und die Metamorphose vom Techniker zum Politiker vollbringen. Kein einfaches Unterfangen für den stolzen Lombarden, der keinen Hehl aus seiner Antipathie für die streitsüchtigen italienischen Parteien macht.


Der Ex-EU-Kommissionspräsident hat sich hartnäckig gegen den Gedanken gesträubt, sich persönlich in einen Wahlkampf mit unsicheren Aussichten stürzen zu müssen. Am liebsten würde der distanzierte Monti das Ergebnis der Parlamentswahlen im Februar abwarten und erst danach entscheiden, ob er das Angebot einer zweiten Regierung übernehmen will. Doch vor der Perspektive, dass sein schriller Vorgänger Silvio Berlusconi mit populistischer Propaganda seine Arbeit der letzten Monate zunichtemacht, hat sich Monti für den großen Schritt entschlossen. Dabei kann er mit der Unterstützung von Industriekapitänen und Schwergewichten der Finanz und Politik rechnen. Von Ferrari-Boss Luca Cordero di Montezemolo bis Ex-Großbanker Corrado Passera, von Angela Merkel bis Francois Hollande: Die Gruppe der Monti-Fans in Rom und in Brüssel wird immer größer.


Am Sonntag wird er seine Kandidaturpläne bekannt geben und sich an die Spitze eines Zentrumsblocks stellen, die auf den Wahlsieg hofft. Hatte der Techniker vor einem Jahr noch Blut und Tränen von den Italienern verlangt, so wird der Politiker Monti jetzt im Wahlkampf unterstreichen, dass die ärgste Phase der Krise überwunden und jetzt Konsolidierungsarbeit notwendig ist. Ob die von seiner drakonischen Spar-und Steuerpolitik schwer belasteten Italiener ihm Gehör und weiteres Vertrauen schenken werden, ist fraglich.
Fest steht jedenfalls, dass Italien ein spannender Wahlkampf wie seit Jahrzehnten nicht mehr bevorsteht.

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