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16.01.2013, 09:10 von Oliver Jaindl
Nach dem auch von Strafrechtlern als "hart" empfundenen Urteil gegen Ex-Innenminister Ernst Strasser steht kommende Woche noch ein bekannter Name vor Gericht. Karl Petrikovics - früher Chef der Immofinanz, der damaligen Immoeast und früheren Constantia Privatbank - muss sich wegen Untreue verantworten. Gemeinsam haben die beiden, dass es sich jeweils um Prominente handelt. Strasser war es in der Politik und Petrikovics in der Wirtschaft, da er in Zeiten als Dreifach-Vorstand zu den bestverdienenden Bankern Österreichs zählte. Doch beim Prominentenstatus endet schon die Gemeinsamkeit. Bei Strasser wie im Fall Birnbacher ging es um Korruption. Der Justiz geht es darum, diesen "speziellen Geruch" (Copyright Ernst Strasser) in der Republik auszumerzen. Bei Petrikovics geht es um den Vorwurf der Untreue. Das bedeutet, dass jemand seine Position missbraucht, um sich selbst zu bereichern. Es geht sozusagen auch um einen "speziellen Geruch", aber nicht von Lobbyisten, sondern von Managern, die zwischen Dein und Mein nicht unterscheiden können.
Allerdings ist schon jetzt Petrikovics Verteidigungslinie klar - frei nach dem Motto: Auch wenn die Umsetzung im Nachhinein etwas unbeholfen aussieht, aber der Anspruch, dass er für seine Tätigkeit ein Goodie in Form von Aktien(-gewinnen) bekommt, ist zu Recht bestanden. Rein logisch betrachtet kann es somit für die Verteidigung nur um eines gehen: mit allen Mitteln zu beweisen, dass die Millionenboni für den Dreifachverdiener schon 2003 ausgemachte Sache waren. Dabei gilt es darzulegen, dass etwa formal falsche Aufsichtsratsbeschlüsse, offenbare Scheinrechnungen, undurchsichtige Konstruktionen mit einem Treuhänder oder Millionen transferierten Immoeast-Anlegergeldes keinesfalls einen verwinkelt ausgeführten Griff in die Kassenlade darstellen.
Keine Agenten. Die Argumente der Staatsanwaltschaft als auch der Verteidigung wirken schlüssig, der Prozess dürfte daher hochkomplex wie spannend werden - allerdings mit einer Einschränkung: Denn eine Agentenstory gibt es beim Petrikovics-Prozess nicht.
(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2013-01-16)
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