17.01.2013, 17:47  von Herbert Geyer

Manchmal ist Geldverdienen lebensgefährlich

Bild: WB/Mayr

Leitartikel. Wenn es um Menschenleben geht, endet jede Risikokalkulation.

Ein gewisses Risiko sind Unternehmen ja gewöhnt: Jede Entscheidung, die man zu treffen hat, kann sich ja später als falsch herausstellen - mit möglichen Folgen, die von einem verringerten Gewinn über massive Verluste bis hin zum Bankrott führen können. Natürlich versucht man, das Risiko abzuwägen, überlegt riskante Entscheidungen lieber noch einmal und noch einmal und bemüht sich um die Absicherung von Risiken, die sich nicht ausreichend kalkulieren lassen.

Letztlich nützt aber alles nicht: Ein wirklich risikoloses Geschäft gibt es nicht. Und mit einiger Erfahrung lässt sich das Risiko meist so weit einengen, dass der Erfolg überwiegt.

In Fällen wie jenem der Entführung in Algerien, von der auch ein österreichischer Dienstnehmer eines internationalen Ölkonzerns betroffen ist, nützt das freilich alles nichts. Öl- und Gas-Explorationen in der Sahara sind schon wegen der widrigen klimatischen Umstände mit einigen Risiken behaftet, auch die politische Lage in der Region ist nicht so, dass man einen Aufenthalt dort als Urlaub ins Auge fassen würde (dass auch das schiefgehen kann, hat ja die Entführung zweier Österreicher vor fünf Jahren bewiesen).

Aber dass ausgerechnet Mitarbeiter britischer, norwegischer und japanischer Konzerne in Algerien überfallen werden, um gegen den französischen Einmarsch in Mali zu protestieren, macht jede rationale Risikokalkulation obsolet.

Vor allem aber hört sich jede rationale Risikokalkulation auf, wenn es nicht mehr bloß um mögliche Geldverluste geht, sondern um Menschenleben.

Selbstverständlich wusste jeder der Ölarbeiter, die da jetzt als Geiseln genommen wurden, dass bei dem Einsatz auch für ihn persönlich etwas schiefgehen konnte. Und ihre Familien daheim machten sich wohl schon vor der Eskalation der Lage Sorgen um ihre Lieben in der Ferne. Ordentliche Risikoprämien - und wohl auch eine Portion Abenteuerlust - zerstreuen solche Sorgen aber. Für ein entsprechendes Salär findet sich für jeden Job - und sei er auch noch so gefährlich oder unangenehm - jemand, der ihn übernimmt.

Aber das ist jetzt sekundär. Jetzt hoffen wir alle einmal, dass die Entführung noch einigermaßen glimpflich endet und die Geiseln gerettet werden.

 

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

12.09.2014, 17:31

Der kühle Sommer vor dem heißen Herbst

12.09.2014, 10:15

Beobachtet: Für Netflix wird es kein Spaziergang

12.09.2014, 07:02

AUA: Hoch gepokert, viel verloren

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    11.09.2014, 16:08

    Der letzte Urlaub am Wörthersee

    Kommentar. Kärnten sieht sich gerne in der Opferrolle und seinem Schicksal knallhart ausgeliefert.

    10.09.2014, 11:39

    Sonntagsöffnung verdient eine anständige Debatte

    Die Wiener sind ein Volk harter Arbeiter, die montags bis freitags von früh bis spät ihrem Tagewerk nachgehen und das Wochenende für die Familie und den obligatorischen sonntäglichen Kirchgang brauchen.

    10.09.2014, 09:29

    Die Lehre aus der Ukraine-Krise

    Leitartikel. Die Politik muss die Basis schaffen, um vor solchen Krisen gefeit zu sein.

    09.09.2014, 06:22

    Wettbewerb um Bankkunden wird härter

    Leitartikel. Gerade die aktiven Kunden sehnen mittlerweile mehr Wettbewerb herbei.

    08.09.2014, 06:53

    Ohne TTIP droht uns der Abstieg

    Leitartikel. Der Feldzug gegen das Abkommen schadet der Wirtschaft in der EU und den USA.

    Umfrage

    • Halten Sie die nächste Eskalationsstufe der EU-Sanktionen gegenüber Russland für sinnvoll?
    • Ja
    • Nein
    • Weitere Sanktionen
    • Weiss nicht