17.01.2013, 17:49  von Esther Mitterstieler

A bissl was geht immer

Bild: WB/Peroutka

Zur Sache.

Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich die Bilder gleichen: Da haben wir das Bundesland Salzburg, das munter spekulierte, und auch Niederösterreich ließ sich einiges einfallen, um Geld in die Kassen zu spielen - mit dem Ergebnis, dass sich am Ende mal wieder keiner auskennt.

Nach dem Motto „a bissl was geht immer" haben sich die öffentlichen Körperschaften am Kapitalmarkt mit Papieren eingedeckt, die wohl nicht einmal die Banker so richtig verstanden, die sie verkauften. Wochenlang wird diskutiert, dass Salzburg 450 Millionen € über Spekulationen verloren hat und plötzlich, siehe da, soll das alles gar nicht wahr sein, sondern vielmehr das Gegenteil: Das Land soll Geld verdient haben. Für Niederösterreich gilt Ähnliches.

Regeln ... Nun wollen wir die Unschuldsvermutung in jeder Hinsicht gewähren, Fakt bleibt: Hier mangelt es am grundlegenden Verständnis für den Umgang mit öffentlichen Geldern. Die Frage ist doch: Soll nun am Kapitalmarkt gewettet werden oder nicht?

Die Antwort: Entweder ich nehme kein Risiko und ziehe scharfe Regeln ein, was eine kümmerliche Rendite verspricht, oder ich nehme Risiko und hoffe auf eine hohe Rendite. So war und bleibt das Gesetz an den Börsen. Das wird sich auch zugunsten politischer Entscheidungsträger nicht ändern.

Man darf den Bürgern ruhig sagen, wie es ist: Entweder wir verzichten auf bestimmte Leistungen oder unser System wird unfinanzierbar. Denken wir an ein Beispiel der Vergangenheit, das die widersprüchliche österreichische Seele zeigt: Karl-Heinz Grasser bestach mit einer seiner Meinung nach wunderbaren Idee und ließ die Zukunftsvorsorge neu erfinden und die Menschen glauben, ihre Probleme seien ein für alle Mal gelöst.

Kleiner, aber entscheidender Denkfehler dabei: Die Zukunftsvorsorge wurde nicht nur für das gemeine Volk konzipiert, sondern auch als Turbo für die Wiener Börse. So wurde festgeschrieben, dass zumindest ein Anteil von 40 Prozent dieser Vorsorge in Aktien an einem Börseplatz mit einer Marktkapitalisierung in der damaligen Größenordnung der Wiener Börse investiert werden muss. So viel zur Geradlinigkeit mancher Politentscheidungen. Mittlerweile ist der Mindestanteil an Aktien gesenkt worden, aber auch die staatliche Förderung, und die ganze Sache ein ziemlicher Flop.

... und Risiko. Es ist nichts dagegen einzuwenden, die Wiener Börse zu pushen, nur die Mittel dafür sollten dem Zweck entsprechen. Da schließt sich der Kreis zur aktuellen Situation der Bundesländer. Erstaunlich, dass die doppelte Buchführung für die meisten von ihnen ein Fremdwort ist. Genauso wenig überraschend ist leider auch, dass wir beseelt von unserer reichhaltigen Historie an Buchhaltungssystemen festhalten, die längst in den Keller gehörten.

 

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

08:35

So bringen Sie den Laden zum Laufen

06:39

Russland sieht kohlschwarz

21.11.2014, 15:28

David Camerons Flirt mit Ukip-Wählern: Es hat sich nicht ausgezahlt

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    1 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    in Ruhe meint

    augustus heißt das vehikel in irland, das die hypo nö gründete, um den banken nicht erlaubte spekulationsgeschäfte für das land niederösterreich trotzdem abzuwickeln. dann gewährte sie dem eigenen vehikel einen 800 mio euro-kredit und das casino nö ohne konzession war eröffnet. seither rollen die kugeln munter in zahlreichen zylindern - ausgang ganz gewiß:

    gewinnen tut immer die bank - zahlen wird der dumme bürger und steuerzahler.

    verfasst am 17.01.2013, 23:21

    21.11.2014, 06:47

    Ein Plädoyer für Strafzinsen

    Die Maßnahme der Commerzbank, Negativzinsen für Guthaben zu berechnen, sind ein probates Mittel, um Großkunden zu zwingen, lieber doch zu investieren, anstatt zu sparen.

    20.11.2014, 20:10

    Diskonter haben es in der Hand

    Diskonter haben noch mehr Spielraum nach oben als Vollsortimenter.

    20.11.2014, 17:22

    Geldschwemme ist kein Ersatz für Politik

    In Europa steigt der Druck auf die EZB, ihre Geldpolitik nach dem Vorbild der USA und Japans weiter zu lockern. Bei näherem Hinsehen ist dieses Modell allerdings auch dort bereits gescheitert.

    19.11.2014, 16:54

    Ohne Start-ups kein Wachstum

    Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie. Es braucht eine Stimmungswende, weniger Raunzen und Jammern und mehr Optimismus.

    Umfrage

    • Wie stehen Sie zu dem Handelsabkommen TTIP?
    • TTIP sollte abgeschlossen werden
    • Zustimmung nur nach Entschärfung riskanter Punkte
    • Generell dagegen