03.02.2013, 17:49  von Hans Weitmayr

Diese Energie-Revolution wird für Europa teuer

Hans Weitmayr / Bild: WB/Elke Mayr

Leitartikel. Es wird in Sachen Energiepolitik kein Trittbrett mehr geben.

Wenn der quasi oberste Arbeitgeber­vertreter Europas, also Ex-ÖIAG-Chef Markus Beyrer, die Energiepolitik Europas im WirtschaftsBlatt-Interview durchaus kritisch analysiert, so steht er mit dieser Einschätzung nicht alleine - der „Game-Changer" Schiefergas ist vollkommen unverhofft über die Welt hereingebrochen und hat Europa auf dem falschen Fuß erwischt.

Während es die USA geschafft haben, eine neue, wettbewerbsfähige Energiequelle zu ­erschließen, hat Europa die längste Zeit fast ausschließlich auf die Öko-Schiene gesetzt und in Teilbereichen wie Windenergie sogar Marktverzerrungen und Blasenbildungen verursacht - der Spruch vom Weg zur Hölle, der mit guten Absichten gepflastert ist, findet in diesem Zusammenhang einmal mehr seine eindrucksvolle Bestätigung. Denn während Energie in den USA billiger wird, verteuert sie sich in Europa. Das führt dazu, dass die Union weiter an Wettbewerbsfähigkeit verliert.

Europa bleibt außen vor

Besonders energieintensive Branchen könnten sich eine Umsiedlung von Produktionsstätten weg von den Hotspots im arabischen Raum hin zu den USA überlegen. Europa bliebe einmal mehr außen vor. Oder schlimmer: Produktionen, die aufgrund des stabilen politischen Umfelds in Europa gehalten wurden, könnten wegen des entstehenden Kostenvorteils ebenfalls in die USA verlegt werden. Dazu kommen direkte Kosten, die durch den schrittweisen Rückzug der USA aus den öl- und gasreichen Regionen der Welt entstehen.

Was in diesem Zusammenhang auf die Europäer zukommt, können wir dieser Tage in Mali beobachten: Die USA rühren dort keinen Finger, die Kosten des Einsatzes, der in einer an Uran reichen und von französischen Firmen kontrollierten Gegend stattfindet, werden laut offizieller Schätzungen 340 Millionen € betragen.

Schiefergas umstritten

Dass just in diesem Augenblick die Briten mit dem Austritt aus der EU drohen, kann man als Zufall sehen, muss man mit Blick auf langfristige sicherheitspolitische Herausforderungen aber nicht. Insbesondere dann nicht, wenn man die Zahl der EU-Länder, die diese Aufgaben erfüllen können, an zwei Fingern abzählen kann.

Ob Schiefergas zum jetzigen Zeitpunkt in Europa eine Variante sein kann, ist zu Recht umstritten. Die mutmaßlichen Umweltschäden sind in einem derart dicht besiedelten Gebiet schwer zu argumentieren. Also sollte man mit Hochdruck nach schonenderen Fördermethoden forschen - und sich der Tatsache bewusst werden, dass Europa in zehn Jahren kein Trittbrett mehr finden wird, auf dem es in Sachen Energie- und Sicherheitspolitik mitfahren kann.

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17:57

Mehr als nur ein Spiel

23.05.2013, 18:00

Bunt sei die Farbe der Politik!

23.05.2013, 09:57

Berater leben von Grundbuch-Leichen

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Kommentare

9 Kommentare

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Laowu meint

Die einen machen in Ölsand und sind noch immer so ziemlich allein mit der Methode, die anderen machen in Schiefergas und bemühen sich noch immer, das letzte Ölland im nahen Osten unter ihre Kontrolle zu bringen. Warum wohl, wenn der Heilsbringer im eigenen Land ist? Zur Preisentwicklung wäre vielleicht noch was zu erwähnen. Er fiel in den USA für Gas im Jahr 2010 auch 2011 um ca. 50%, stieg aber 2011/2012 bereits wieder um 25%. Auch warum wohl?

verfasst am 06:19 05.02.2013

in Ruhe meint

Förderungen: 2011 gaben die EU-Staaten sechs Mal mehr für Öl, Kohle und Gas aus als für grüne Energie.

verfasst am 00:05 05.02.2013

astirol meint

Energieintensive Betriebe könnten in Windparks, Wasserkraftwerke, Solarparks, etc. investieren und so ihren selbst produzierten Strom verbrauchen sowie übrigen Strom zu verkaufen. Dies wäre besser als Preisnachlässe durch die Politk.

verfasst am 12:23 04.02.2013

Eine derart einseitige und kurzsichtige Sichtweise ist schon fast sträflich. Wenn Schiefergasgewinnung als Zukunftsversion für billige Energie hingestellt wird. Allein der Bericht auf dem TV Sender ARTE zeigte ganz andere Problematiken. Da wären wir in viel höherem Maße enormen Umweltproblemen ausgesetzt, die über Jahrzehnte enorme Summen verschlingen würden bzw ganze Regionen unbewohnbar machen könnten. Das kann doch keine wirkliche Alternative sein - oder ? Bei der Kernkraft haben wir doch auch bewiesen, dass es anders auch und besser gehen kann.

verfasst am 08:44 04.02.2013

Wieder einmal die typische europäische Reaktion...lammentieren und jammern anstatt die Budgetmittel Richtung Bildung und Innovation zu verschieben...wenn wir in Europa weiterhin die technische Ausbildung vernachlässigen werden wir halt von der Innovationskraft der Asiaten und Amerikaner leben müssen. Retten können wir uns nur selbst mit einer veränderten Weltanschauung Richtung Aufbruch und Entwicklung.
PS: ich bin gerade bei der Errichtung einer der weltgrößten Solaranlagen beteiligt...ach ja Sie steht in Arizona und nicht in Europa...warum bloß?

verfasst am 07:29 04.02.2013

in Ruhe meint

wie schon beim trinkwasser will man uns (europa) auch hier einreden, wir wären am falschen dampfer - und der wird bald absaufen. das schnellboot im artikel sind einmal mehr (und täglich grüßt das murmeltier) die usa (mit schiefergas).

als ich 20 war (vor 43 jahren) notierte der dollar bei 25 schilling (1,75 euro). heute steht er bei 0,73 euro. und der wert einer währung spiegelt immer noch die stärke einer wirtschaft wider.

aber woher sollte der junge beyrer das auch wissen?

verfasst am 23:51 03.02.2013

Gast: V meint

"und der wert einer währung spiegelt immer noch die stärke einer wirtschaft wider."

diese behauptung klingt interessant. könnten sie das bitte genauer erklären? denn meiner meinung nach ist diese aussage einfach nur falsch.

verfasst am 21:37 04.02.2013

in Ruhe meint

nun, wie will man sonst die wirtschaftskraft einer nation oder eines wirtschaftsraumens messen?

wenn man da einen längeren zeitraum nimmt, schlägt sich der wirtschaftserfolg im bip, im einkommen der beschäftigten, im einkommen der gesamtbevölkerung (inklusive transfers) nieder.

um dies am weltmarkt überhaupt vergleichbar möglich zu machen, müssen natürlich die wechselkurse der verschiedenen währungen (kaufkraft) in anwendung gebracht werden.

verfasst am 00:14 05.02.2013

Gast: V meint

natürlich. wenn man werte (produktion, einkommen, ...) verschiedener wirtschaftsräume vergleichen will, braucht man dazu wechselkurse. bei manchen kennzahlen wahrscheinlich am besten sogar reale wechselkurse. aber das haben sie ja meiner meinung nach nicht gemacht.

sie haben den nominellen wechselkurs des dollars von vor 43 jahren mit dem heutigen kurs verglichen. wenn ich sie richtig interpretiere, haben sie daraus die stärke der wirtschaft abgeleitet. sie haben also nicht wechselkurse für den vergleich von irgendwelchen werten verwendet, sondern die wechselkurse an sich verglichen. meiner meinung nach ergibt das keinen sinn.

verfasst am 02:12 06.02.2013

23.05.2013, 09:50

Niemetz ist ein Bombengeschäft

Beobachtet. Aber nur, wenn man sich in der Materie wirklich auskennt.

22.05.2013, 18:44

Das beste Rezept gegen die Krise ...

Leitartikel. Gerade in Zeiten der Krise bleiben ­Familienbetriebe ein Garant.

22.05.2013, 10:19

GmbH-Reform und Insolvenzgefahr

Beobachtet. Die Bonität eines Unternehmens hängt in der Praxis nicht nur vom Stammkapital ab, sondern vor allem von einem guten Businesskonzept und gutem Management.

21.05.2013, 17:56

Leistung muss belohnt werden

Leitartikel. Wer Großes leistet, muss auch entsprechend bezahlt werden. Nicht nur aus Gründen der Gerechtigkeit, sondern aus Eigeninteresse.

21.05.2013, 17:55

Europa als Mittel gegen die Krise

Zur Sache. So lange die EU ein minimales Gemeinschaftsbudget hat, so lange werden nationale Regierungen Politiker aufs Abstellgleis nach Europa schicken.

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