13.02.2013, 18:06  von Isabell Widek

Glaubwürdig gegen den Durchschnitt

Kommentar. WKÖ-Chef findet mit seiner Rede Beachtung. Dank seinem Standing kommen die Forderungen auch in der Realpolitik an.

Im Prinzip muss man ja nicht auf den Aschermittwoch warten, um politische Forderungen zu stellen. Aber zugegeben, der Tag mit seinen christlichen Bedeutungen bietet sich geradezu dafür an. Besonders in einem Wahljahr.

Wenn sich also Christoph Leitl auf die Holzdielen des Gerstenbodens der Ottakringer Brauerei stellt und mit polternder Stimme den Bogen von der Wiener Stadtpolitik über Europas Wettbewerbsfähigkeiten bis hin zu den Bedürfnissen heimischer Unternehmer spannt, hat das durchaus seine Berechtigung.

Noch dazu, wo sich der Wirtschaftskammer-Chef (der gestern allerdings in seiner Eigenschaft als Wirtschaftsbund-Obmann sprach) im Gegensatz zu politischen Mitbewerbern durchaus erwarten darf, dass derlei Anregungen von dieser Regierung auch in absehbarer Zeit umgesetzt werden. Noch dazu, wenn unter den Zuhörern seiner gestrigen Rede auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner zu finden war, der Leitls Ausführungen mit mildem Lächeln, aber äußerst aufmerksam, verfolgte.

Authentische Figur

Dass es schlussendlich doch so sein wird, dass mindestens eine seiner drei zentralen Forderungen (siehe dazu auch Artikel auf Seite 3) tatsächlich Realpolitik werden wird, verdankt Leitl seinem ausgezeichnetem Standing und seiner exzellenten Vernetzung innerhalb der ÖVP. Der Wirtschaftskämmerer ist eine große Nummer und einer der letzten authentischen Politiker in einer Partei, die politisch gerade ums Überleben kämpft.

Wenn Leitl davon spricht, dass man sich nicht länger am Durchschnitt orientieren dürfe, weil man sonst auf dem Pannenstreifen des Lebens lande, ist das glaubwürdig. Auch wenn er die Probleme von österreichischen Unternehmern umreißt, hat man das Gefühl, er spricht aus eigener Erfahrung.

Ob es tatsächlich stimmt oder nicht, ist nebensächlich. Die heimischen Unternehmer – und Wähler – brauchen aber Menschen, den sie schlicht und einfach glauben können.

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

21.07.2016, 22:36

Klassenkampf vorm Einkaufsregal

21.07.2016, 22:35

Geldschwemme für Konzerne, Dürre für KMU

21.07.2016, 09:16

Was wir nicht wissen

Kommentare

1 Kommentare

Gast: asdf meint

"Wenn Leitl davon spricht, dass man sich nicht länger am Durchschnitt orientieren dürfe, weil man sonst auf dem Pannenstreifen des Lebens lande, ist das glaubwürdig.

....Ob es tatsächlich stimmt oder nicht, ist nebensächlich.

....die Wähler brauchen aber Menschen, denen (!!!) sie schlicht und einfach glauben können."

?

verfasst am 14.02.2013, 00:39

20.07.2016, 23:07

Vor diesen Robotern muss kein Berater Angst haben

So genannte Robo-Advisor wollen in Österreich die Finanzberatung revolutionieren. In Wahrheit sind die ausländischen Anbieter nicht einmal in der Lage, für den Kunden die KESt abzuführen. Sehr praktisch ist das nicht.

20.07.2016, 22:40

Vergessen wir nicht Frankreichs Schuldenblase

Seit der Finanzkrise hat sich die Verschuldung französischer Unternehmen verdoppelt. Zumindest wenn wir sie nicht im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sondern den operativen Gewinnen messen. Beunruhigend, dass kaum jemand darüber redet.

19.07.2016, 22:32

Wird schon nicht so schlimm werden? Doch! Schlimmer.

Leitartikel. Auch in Österreich konnten sich ja einige populistische Politiker in ihrer Euphorie über das Brexit-Votum nicht zurückhalten, mit dem Gedanken eines EU-Austritts zu spielen. Der IWF belehrt sie eines besseren.

19.07.2016, 17:49

Schanigarten-Regelung für den Hugo

Die Öffnung der Wiener Schanigärten im Winter ist ein Kompromiss, der Wirten wenig nützt und höhere Kosten verursacht. Die Wirtschaftskammer verkauft sie als Verhandlungserfolg - wo der liegt, bleibt schleierhaft.

19.07.2016, 13:35

Schämt euch, Kartellbrüder

Die jüngste Kartellstrafe gegen Lkw-Bauer ist nur die Spitze einer peinlich-langen Liste an Preismauscheleien. Die Optik ist verheerend und man ist fast geneigt zu fragen: Geht´s nicht ohne?

Die Redaktion empfiehlt

Umfrage

  • Warum gehen Väter seltener in Karenz als Frauen?
  • Karrierenachteile
  • Angst vor Imageverlust
  • Finanzielle Einbußen
  • Keinen Rückhalt vom Chef
  • Es gehen genug Männer in Karenz

Bilder des Tages