14.02.2013, 18:27  von Herbert Geyer

Grünes Licht am Ende der Bremsspur

Herbert Geyer / Bild: WB

Diese Krise kam aus Europa und kehrt jetzt wieder zurück.

So schlimm wie jetzt waren die Konjunkturmeldungen seit dem Ende der Wirtschaftskrise 2008/09 nicht mehr: Wachstum gab es in Europa zu Jahresende 2012 nur noch im Baltikum, in der Slowakei, in Rumänien und Bulgarien. Österreich verdankt es vor allem seinen engen Wirtschaftsbeziehungen zum Osten, dass es besser abschneidet als Deutschland und der Rest von Euroland. Die momentane Flaute ist in Europa hausgemacht: Die Sparmaßnahmen, die den Staaten an der Europeripherie auferlegt wurden, weil ihre Schuldenberge zu explodieren drohten, haben die Nachfrage zurückgeschraubt - über den Umweg über China, Japan und die USA, wo die gesunkene Nachfrage aus Europa das Wachstum gedämpft hat, erreicht sie nun wieder Europa, weil natürlich jetzt die schwächere Nachfrage aus Übersee den exportstarken Nationen in Europa zu schaffen macht. Deshalb haben Deutschland und Österreich, deren Wettbewerbsfähigkeit momentan wohl besser ist als kaum je zuvor, ebenfalls Probleme. Hoffnung gibt vor allem China, wo es gelungen zu sein scheint, durch verstärkte Inlandsnachfrage das langsamere Exportwachstum zumindest teilweise auszugleichen. Von dort scheint daher auch die Nachfrage nach europäischen Waren wieder zu steigen. Momentan ist das die stärkste Hoffnung, weil die USA noch mit ihrer eigenen Schuldenkrise kämpfen (auch wenn sie sich noch nicht so dramatisch äußert wie die europäische) und die Hoffnung auf einen Aufschwung in Japan bisher auf Ankündigungen der neuen Regierung beruht. Die eigentliche Hoffnung muss aber auf Europa selbst ruhen: Der immer noch - vor den USA und China - größte Wirtschaftsraum der Welt hat es durchaus in seiner Macht, durch eigene Nachfrage die eigene Wirtschaft wieder flottzumachen. Wenn es schon zu den Sparpaketen in den krisengeschüttelten Peripheriestaaten momentan keine Alternative gibt, sollten wenigstens jene, die es sich - wie Deutschland oder Österreich - noch leisten können, einen eher wirtschaftsfördernden Kurs fahren. Und Reformen im Bankensystem könnten rasch ­wieder mehr Geld, das jetzt nur gebunkert wird, für Kredite an die Wirtschaft frei machen. Damit am Ende der Bremsspur endlich wieder ­grünes Licht leuchtet.

 

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

09.02.2016, 13:44

Etikettenschwindel mit Crowdfunding

09.02.2016, 06:14

So werden die Bargeld-Fans sukzessive mürbegemacht

08.02.2016, 18:26

Das Euro-Budget gehört allein ins Parlament

Kommentare

3 Kommentare

Gourmet meint

Andere mach sich auch schon Gedanken >> http://riesenmaschine.de/index.html?nr=20121222003419

verfasst am 15.02.2013, 13:42

Ich kann die Artikel nicht mehr lesen, die mehr Konsum vorschlagen. Genau das war der Auslöser der Krise. Die Wirtschaft wird wohl oder übel schrumpfen müssen um sich wieder zu normalisieren!

verfasst am 14.02.2013, 21:38

... da sich die Bremsspur leider auf einer ökonomischen Eisfläche befindet, darf man sich das Ende derselben bildlich getrost auch vor einem Eisbruch vorstellen. Und die Eintrittswahrscheinlichkeit dieses Bildes ist deutlich höher einzuschätzen als grüne Ampelsignale aus einer Finanzindustrie, die den Paradigmenwechsel verschlafen haben...

verfasst am 14.02.2013, 21:35

08.02.2016, 06:48

Eingriff in bürgerliche Freiheiten

Die Diskussion um die Bargeldobergrenze in Deutschland kann als ein weiterer Angriff auf bürgerliche Freiheiten verstanden werden.

07.02.2016, 09:35

Eine Fis-taugliche Skipiste wäre für Wien ein Gewinn

Schröcksnadel will ein Fis-Skirennen in Wien, auch wenn „das Thema momentan auf Sparflamme kocht", wie er sagt

07.02.2016, 08:09

Wie man in Kärnten ein Einhorn findet

Auch Kärnten könnte solche Überflieger brauchen. Die Voraus­setzungen dafür sind gut

06.02.2016, 09:39

Die Frustschraube dreht sich weiter nach unten

Die Stimmungslage unter Oberösterreichs Unternehmern schwankt vielerorts zwischen Resignation und blankem Zynismus.

05.02.2016, 06:59

Wien braucht keine Slums am Stadtrand

Bereits die absolute Zahl zeigt, dass Wien aus allen Nähten platzt - 43.000 neue Wiener, das ist mehr, als wenn alle Menschen aus Eisenstadt, Bludenz und Gmunden auf einmal in die Hauptstadt umziehen.

Die Redaktion empfiehlt

Umfrage

  • Wie bewerten Sie das österreichische Bildungssystem?
  • sehr gut
  • gut
  • befriedigend
  • genügend
  • nicht genügend