24.02.2013, 17:22  von Martin Fellhuber

Zwei Seiten einer goldenen Medaille

Bild: Mayr

Leitartikel. Man muss nicht immer spekulieren, um ein Gewinner zu sein.

Es wird immer davor gewarnt, doch sie lässt sich nicht verhindern: Die sogenannte Milchmädchen-Hausse. Geht es an den Börsen rasant aufwärts, springen immer mehr Menschen auf den fahrenden Zug auf - zuletzt jene, die sich bislang nur mit Sparbüchern und Bausparverträgen wohlgefühlt haben. Dann ist die Korrektur bekanntlich nicht mehr weit. Daran hat sich seit der Tulpen-Krise in Amsterdam vor 376 Jahren nichts geändert.

So wundert es nicht, dass in den vergangenen Monaten immer mehr Kleinanleger mit Ansparverträgen vom Goldboom profitieren wollten - schließlich saß uns ja allen das Schreckgespenst der Euro-Schuldenkrise im Nacken, Gold legte in den Jahren zuvor bereits kräftig zu und Gold hat noch immer den Ruf der Krisenwährung. Zudem war ein Ende der Hausse nicht abzusehen. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet: Die Stimmung ist besser - auch wenn sich in puncto Schuldenkrise, seien wir ehrlich, bislang nicht wirklich viel zum Besseren geändert hat.

Aber es reicht bekanntlich, wenn die Stimmung dreht. Weitere Preisanstiege ja, aber der Goldrausch ist am Abebben. Nicht, weil die Nachfrage seitens der Schmuckbranche oder der Industrie sinken würde. Es ist viel mehr der Handel an den Rohstoffbörsen, die derzeit Gold nicht mehr ganz so attraktiv erscheinen lassen. Der Handel mit Gold-Derivaten brachte schöne Gewinne. Steigende Aktienmärkte bedeuten steigendes Vertrauen. Da braucht es keine Krisenwährung mehr.

Im Jänner zogen Anleger eine Milliarde $ vom Gold-Fonds SPDR Gold Trust ab. Vor einer Woche trennte sich US-Milliardär George Soros von der Hälfte seiner Gold-Investments. Die mit Gold-Papieren erzielten Gewinne werden eingefahren und das Geld lieber ertragreicher an den Aktienbörsen investiert. Schließlich ist nichts flexibler als Geld. Und wenn sich die eingangs erwähnte Milchmädchen-Hausse - in diesem Fall eben bei Gold - abzeichnet, ist dieses Vorgehen durchaus verständlich. Trotz der oft vorgebrachten Kritik, dass es hier nicht um den Rohstoff an sich geht.

Während also diese Gruppe von steigenden Preisen bereits profitiert hat, gibt es eine weitere Gruppe von Gewinnern: Jene, die Gold-Dukaten, Barren & Co., die sie zu Anlässen bekommen oder zu moderaten Preisen erworben haben, nach wie vor zu ihrem Eigentum zählen. Da geht es nicht um das schnelle Geld, um das Mitmischen bei einer Hausse, die zur Blase werden kann, sondern nur um ein gutes Gefühl, einen gesicherten Notgroschen zu haben.

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    Kommentare

    3 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    Gast: alex26 meint

    Was für eine Erkenntnis!Wer geschenkte Goldmünzen hat ist immer ein Gewinner, auch wenn der Goldpreis fällt.

    verfasst am 25.02.2013, 21:45

    Selten so einen Scharrn gelesen !

    Wer etwas geschenkt bekommt ist ein Gewinner ? Eh, klar, oder !
    Und wer etwas billig erworben hat und dann wartet bis es wieder so billig ist, oder noch billiger, ist ein Gewinner ? Wegen des guten Gefühls in der Boomzeit ?

    verfasst am 24.02.2013, 19:26

    Schmarrn natürlich !

    verfasst am 24.02.2013, 19:27

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