09.07.2013, 19:32  von Herbert Geyer

IWF – ein Saulus wird zum Paulus

Herbert Geyer / Bild: WB/Mayr

Leitartikel. EU und IWF hätten Griechenland, Europa und der Welt viel Leid erspart.

Ein Staat ist kein Unternehmen, und die Weltwirtschaft schon gar nicht. Wenn in einem Unternehmen die Ausgaben höher sind als die Einnahmen, ist es ein probates und durchaus erfolgversprechendes Mittel, die Kosten zu senken. Falls das nicht die Qualität der Produkte beeinträchtigt, bleiben die Einnahmen davon unberührt, und das Unternehmen ist saniert.


Wenn ein Staat das Gleiche tut, funktioniert das nicht. Denn ein Großteil staatlicher Ausgaben (z.B. die Beamteneinkommen oder Investitionsausgaben) fließt direkt in die Wirtschaft. Werden Staatsausgaben abrupt gekürzt, dann sinkt in der Privatwirtschaft die Nachfrage, das Wachstum geht zurück - und damit auch die staatlichen Einnahmen. Wenn es blöd läuft - wie derzeit in Griechenland - steigt gerade wegen der staatlichen Sparmaßnamen das Defizit.


Das Ganze funktioniert auch weltweit: Wenn ein großer Wirtschaftskörper wie die Eurozone auf Teufel komm raus spart, dann beeinträchtigt das die Nachfrage auch auf jenen Märkten, in denen die Eurozone einkauft: in den Nichteuroländern der EU, in China, Korea oder Vietnam - mit dem Effekt, dass sich auch diese Länder weniger Waren aus dem ­Euroraum leisten können - was wiederum dort die Rezession vertieft.


Diese an sich nicht ganz neue Erkenntnis wurde bei der Konstruktion der Sparpakete für Südeuropa vernachlässigt - jetzt beginnt sie sich auch bei deren Autoren schön langsam durchzusetzen.
Die EU hat bereits mehrfach Fristerstreckungen für Sparziele gewährt, und der Internationale Währungsfonds (IWF) vergisst neuerdings in keiner seiner Prognosen darauf hinzuweisen, dass übers Sparen nicht das Wachstum aus den Augen verloren werden sollte. In der aktuellen IWF-Prognose liest sich das so: Die Industriestaaten „sollten einen Politikmix verfolgen, der kurzfristiges Wachstum unterstützt, abgesichert durch glaubwürdige Pläne für die mittelfristige Nachhaltigkeit öffentlicher Schulden. Das würde auch weniger abrupte kurzfristige Budgetanpassungen erlauben."


EU und IWF hätten Griechenland, Europa und der Welt viel Leid erspart, hätten sie diese Erkenntnis - langfristig wirksame Strukturreformen zur Sanierung des Budgets, kombiniert mit kurzfristig wirksamer Konjunkturstützung - bereits in ihren Sparpaketen berücksichtigt. Aber es ist ja nie zu spät.

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    Kommentare

    3 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    Gast: caz meint

    Auch der Staat sollte auf Dauer nicht mehr einnehmen als er einnimmt. Der Grund dafür ist, dass dem Geldwert auch ein Wert in Waren und Leistungen gegenüberstehen muss. Diese Waren kommen momentan meist aus dem Ausland. Die passenden Kredite um diese Waren zu erwerben kann sich der Staat, dann gleich bei den Produzenten dieser Waren nehmen. Es entsteht eine Schuld die irgendwann beglichen werden will. Irgendwann werden die Gläubiger selbst konsumieren wollen und damit aufhören weiter Geld an Schuldner zu verleihen, die keine Gegenleistung dafür erbringen (können) und letztlich mit Nachdruck entsprechende Gegenleistungen einfordern. Mit was wollen wir die Werkbanken und Rohstofflager der Welt dann bezahlen?

    Warum sollen wir also Schulden machen damit die Produktion in Fernost gesichert bzw. auf unsere Kosten aufgebaut werden kann?

    verfasst am 11.07.2013, 12:44

    leider sitzen in brüssel nur dilletanten. ein jeder von der straße hätte das vorausgesehen. ,,experten'' und politker sind eine gefährliche mischung.

    verfasst am 10.07.2013, 09:36

    Es ist ja nie zu spät ?

    Das ist die Frage !
    Ich denke es ist zumindest allerhöchst Zeit wenn nicht schon zu spät.
    Wenn das Volk zu lange ausgehungert wurde dann ist es nämlich zu spät.

    verfasst am 09.07.2013, 21:32

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