04.04.2014, 08:50  von Andre Kühnlenz

Ein Sargnagel für den Petro-Dollar

Andre Kühnlenz / Bild: WB/Guenther Peroutka

Russland stellt das aktuelle Weltfinanzsystem infrage.

Die Meldung hat das Potenzial, das Weltfinanzsystem durcheinanderzuwirbeln: Russlands große staatliche Exporteure wie Rosneft, Gazprom oder Rosoboronexport könnten bald ihr Gas, Öl und ihre Waffensysteme in Rubel verkaufen und nicht mehr in US-Dollar. Diese drei Unternehmen stehen für fast die Hälfte des russischen Exports. Der Übergang zur Rubel-Abrechnung im Außenhandel dürfte indes nicht einfach werden. So genießt die russische Devise bislang kaum den Status einer Reservewährung, in der Notenbanken ihre Devisenvorräte parken. Doch das kann sich schnell ändern und der Verfall des Rubels könnte gestoppt werden, wenn die Handelspartner mehr von Russlands Valuta brauchen. Unklar ist aber, ob die Abnehmer in Westeuropa oder China überhaupt gewillt sind, die Verträge auf Rubel umzustellen. Aber immerhin weist Russland noch Jahr für Jahr einen Exportüberschuss aus. Solange dies so bleibt, dürften die Russen auch künftig problemlos Euro oder Dollar für ihre Rubel tauschen können, um ihre Importrechnung zu begleichen. Sollte Russland tatsächlich alle Schwierigkeiten meistern, die so ein Schritt bedeutet, würde Moskau damit das Weltfinanzsystem infrage stellen, das sich Anfang der 1970er-Jahre herausgebildet hat. Damals gaben die USA die Bindung ihres Dollars an das Gold auf. Durch Verträge mit Saudiarabien sicherten sich die USA, dass Öl weltweit weiterhin in der amerikanischen Währung abgerechnet wird. Und noch heute ist der Dollar deswegen die dominierende Leitwährung. Doch muss Russland aufpassen. Wer die Vorherrschaft des Dollars infrage stellt, ruft die Hardliner in Washington auf den Plan. Hinzu kommt: Barack Obama kämpft wenige Monate vor den Kongresswahlen im November gegen ein Umfragetief. Das Risiko steigt damit, dass sich der Konflikt in der Ukraine zu einem heißen Krieg auswächst. Einer der wenigen Herrscher, die den Dollar zuletzt infrage gestellt haben, hieß übrigens Saddam Hussein.

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2014-04-04)

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Kommentare

4 Kommentare

augure12 meint

Kleiner Irrtum. NIcht Saddam, Hussein - ja der, der wegen seiner "Massenvernichtungswaffen, die in 45 Minuten Westeuropa erreichen können", von den Ami-Invasoren zuerst "in die Steinzeit" zurück gebombt und "demokratisiert" wurde - sondern Libyens Muammar Ghaddafi war das jüngste Opfer der Ami-Politik zur "Verteidigung der Menschenrechte", äh des Dollars. Der hatte sich nämlich seit etwa 2003 erfrecht, schrittweise seine Petro-Dollarguthaben in den USA, besonders aber im maroden Frankreich, Italien und GB in Gold umzutauschen. Um sich seinen Traum von einem "afrikanischen Gold.-Dirham - zu erfüllen.

Na, das bekam ihm und seinem Land bis heute schlecht: Er selbst wurde unter dem freudigen Mitwirken von US-"Spezialkommandos" von den Demokratisierern massakriert, das Land liefert heute kaum ein Viertel des Öls aus der Vorkriegszeit, in Tripolis konkurrieren vier Banden unterschiedlicher "Demokratisierer" mit einander.

Aber angeblich soll es dort auch "Wahlen" geben, von denen man schon heute weiß: Wenn sie nicht so ausgehen, wie sich das die Amis und ihre "westlichen" Kumpane wünschen - waren und sind sie ohnedies "m,nipuliert" und "nicht repräsentativ"..Gewählt werden muss nämlich, ähnlich von Volksabstimmungen zum EU-Vertrag von Frankreich bis Holland, so oft bis es dem Hegemon an der Ostküste "drüben" und seinen Vasallinnen hier passt...

So also läuft das mit der "Demokratie" nach US-Befehl und zur Verteidigung der "Menschenrechte"

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