06.11.2014, 07:00  von André Kühnlenz

Rubel-Freigabe ist richtig

André Kühnlenz / Bild: WB

Leitartikel. Eine unkontrollierbare Währungskrise des Rubel kann vermieden werden.

Den Kurs des Rubels praktisch freizugeben, war eine richtige Entscheidung der Notenbank in Moskau. Noch will sie zwar maximal 350 Millionen US-$ an Devisenreserven pro Tag einsetzen, um ihre Währung zu stützen – aber mehr auch nicht. Es ist deutlich weniger als die bis zu drei Milliarden $, die sie in den Wochen zuvor täglich verloren hatte, als sie sich noch zu unbeschränkten Eingriffen bekannte. Fachleute hoffen jetzt, dass ein unkontrollierbarer Absturz der russischen Währung vermieden werden kann. Dann dürfen zwar Österreichs Exporteure und Banken noch lange nicht aufatmen, doch eine Entspannung am Devisenmarkt lindert zumindest vorerst die akuten Sorgen im Russland-Geschäft.

Natürlich hatte der Verfall der russischen Währung in diesem Jahr zunächst vor allem mit dem Konflikt in der Ukraine zu tun, was im ersten Quartal den Kapitalabfluss aus Russland enorm verschärft hatte. Später verstärkten auch die Sanktionen des Westens sowie der sinkende Ölpreis die Abwertung. Doch zunehmend führte die Zentralbank auch einen aussichtslosen Kampf gegen Investoren, die auf eine Abwertung des Rubels wetten. Selbst eine Leitzinserhöhung um kräftige 1,5 Prozentpunkte vom vergangenen Freitag brachte nicht die erhoffte Wende.

Mit dem jetzigen Schritt ist zwar noch nicht gesagt, dass der Rubelverfall sofort aufhören wird. Doch besteht berechtigte Hoffnung, dass es bald dazu kommen wird. Dann können vor allem die Konsumenten in Russland aufatmen, die wegen des Verfalls der Währung bereits mit stark steigenden Verbraucherpreisen zu kämpfen haben. Auch die Unternehmen, die sich in den vergangenen Jahren vor allem im Ausland verschuldet haben, werden davon profitierten, dass ihre Zahlungsverpflichtungen – in Rubel gerechnet – nicht ständig wachsen. Und dies alles dürfte auch den Exporteuren aus Österreich zugutekommen, die jetzt schon darunter leiden, dass sich die Russen immer weniger ausländische Produkte leisten können.

Der Schritt der Zentralbank ist auch deswegen ein erfreuliches Signal, weil er zeigt, dass Moskau sich über den Wert der eigenen Währung und die Auswirkungen auf die Wirtschaft Gedanken macht. Der Konflikt mit der Ukraine ist allerdings noch lange nicht gelöst, es bleibt auch unklar, wie weit der Ölpreis noch fallen und wie Russland mit den Sanktionen auskommen wird. Zum Aufatmen im Russland-Geschäft ist es deshalb noch zu früh.

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Kommentare

6 Kommentare

Gast: crf123 meint

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verfasst am 17.08.2015, 08:28

Gast: Plowi meint

Wieso sollte das den Verfall stoppen? Da mit der Intervention noch Nachfrage nach Rubel sinkt, dürfte sich der Verfall erstmal beschleunigen. Ein Funke, der die Bevölkerung zum Bankrun auf Devisen bringt, und es entzündet sich eine gewaltige Währungskrise.

verfasst am 05.11.2014, 23:48

Natürlich wird dadurch der Verfall spätestens bei Null gestoppt. Wenn Sie wollen können wir ja wetten !

Aber Sie haben schon recht. Die Gefahr eines Bankrun ist ziemlich groß.

verfasst am 06.11.2014, 11:40

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