25.01.2016, 13:00  von Marijana Miljkovic

Sehnsucht nach Russland?

Marijana Miljkovic / Bild: WB/Jindrich Foltin

KMU haben bei den Geschäften mit Russland ihre liebe Not.

Wir bleiben dem russischen Markt treu, er ist unser Kernmarkt", sagte Raiffeisen-Chef Karl Sevelda auf der Konferenz Euromoney vergangene Woche. Auch OMV-Chef Rainer Seele rollte dem russischen Partner Gazprom den roten Teppich aus: Die Haltung der EU gegenüber Russland sei paradox, sagte Seele bei der Europäischen Gaskonferenz, ebenfalls vergangene Woche. Seele will mit den Russen eine zweite Ostsee-Pipeline, Nord Stream II, bauen, doch die EU-Politik lässt ihn nicht.

Offensichtlich haben die EU-Sanktionen gegen Russland, die 2014 wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim erfolgten und zuletzt bis 30. Juni 2016 verlängert wurden, an der russlandfreundlichen Haltung österreichischer Unternehmen nichts geändert. Während sich Konzerne wie Raiffeisen und OMV ihre Russland-Treue eher leisten können, haben Klein-und Mittelbetriebe ihre liebe Not, Aufträge zu halten. Im vergangenen Jahr sind Lebensmittelexporte aus Österreich wegen russischer Gegensanktionen versiegt. Von 550 in Russland vertretenen Unternehmen haben sich nach Schätzungen der Wirtschaftskammer 30 zurückgezogen. Die Regierung zahlte 2,75 Millionen € Entschädigung für Exporteinbußen aus. Die EU nimmt wirtschaftliche Verluste in Kauf, um ein wichtiges Exempel zu statuieren. Jenes, dass ein Land nicht einfach das Territorium eines souveränen Staates besetzen, geschweige denn annektieren kann. Und dass die EU gegenüber ihren Partnern, in diesem Fall der Ukraine, loyal ist. Diese Haltung trägt auch das österreichische Wirtschaftsministerium mit. Europäische Unternehmen und ihre Standesvertretungen können gegen die EU-Politik diesmal nichts ausrichten. Dass die EU bei ihren Sympathiebekundungen äußerst selektiv vorgeht, ist eine andere Geschichte.

Konzerne können die Eiszeit zwischen Brüssel und Moskau aussitzen, bis Russland und die Ukraine die Vorgaben aus dem Minsker Abkommen erfüllt haben und die Embargos fallen. Die KMU können es ihnen nachmachen und hoffen, dass Russland die EU mehr braucht als umgekehrt. Die Abwertung des Rubel und die durch den niedrigen Ölpreis ausgelöste Wirtschaftskrise werden ihnen aber weiter zusetzen.

Die einzige Alternative ist, neue Märkte zu erschließen. Vielleicht können ihnen aber auch Investitionen zu Hause schmackhaft gemacht werden. Das wäre in jedem Fall sinnvoll.

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