27.01.2016, 18:39  von Manfred Haider

Köpferollen löst die Hauptprobleme nicht

Manfred Haider /

Die von der EZB niedrig gehaltenen Zinsen und immer schärfere Regulierungen setzten den Banken und Versicherern zu. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn jetzt bei den Finanzkonzernen reihenweise die Chefs ausgetauscht werden.

Wenn kleinen Bankmitarbeitern demnächst die Kündigung ins Haus steht, haben sie einen schwachen Trost. In den oberen Etagen der Finanzkonzerne wackeln die Stühle ebenfalls gewaltig. Die Gründe für die jüngsten Abgänge sind zwar recht unterschiedlich, dennoch zeugen sie davon, dass bei den Finanzkonzernen nicht alles im Lot ist.

Bei der Deutschen Bank, die in der Vorwoche einen Rekordverlust bekannt gegeben hatte, löste am 1. Juli 2015 John Cryan seinen Vorgänger, Anshu Jain, als CEO ab. Ko-Chef Jürgen Fitschen geht im Mai. Wenn die Aktie noch ein bisschen fällt, hat sie das Tief der Finanzkrise Anfang 2009 geknackt.

Meilenweit von 2007 entfernt

Die Aktie der Commerzbank ist (auch wegen ein paar Kapitalerhöhungen) meilenweit von ihrem Kursniveau aus dem Jahr 2007 entfernt. CEO-Chef Martin Blessing hat das Institut nach sehr schwierigen Jahren zwar wieder in die Gewinnzone gebracht, aber auch er hat bereits angekündigt, seinen Vertrag über den Oktober 2016 hinaus nicht zu verlängern. Bei der Bank Austria wird am 1. März 2016 Willibald Cernko von Robert Zadrazil als CEO abgelöst. Die Aktie vom Mutterkonzern Unicredit ist gemeinsam mit anderen italienischen Banken ebenfalls auf Tauchgang.

Beim Versicherer VIG löste Anfang 2016 Elisabeth Stadler Vorgänger Peter Hagen ab. Zuvor hatten IT-Abschreibungen den Gewinn deutlich gedrückt. Bei der Uniqa gibt es zwar keine Ablöse, die Aktie ist aber weiter eingebrochen, nachdem IT-Investitionen über 500 Mio. € angekündigt worden sind. Nun wechselt auch der als tüchtig geltende Generali-CEO Mario Greco wegen Differenzen mit seinen Aktionären zu Zurich.

Zwei Hauptprobleme der Branche löst das Köpferollen jedenfalls nicht: die von der EZB niedrig gehaltenen Zinsen und immer schärfere Regulierungen. Aktien der Branche bleiben vorerst heiß. Bitte nicht verbrennen.


[LWJCZ]

("Wirtschaftsblatt", Print-Ausgabe, 28.01.2016)

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