02.02.2016, 17:00  von Herbert Geyer / Bloomberg / APA

Hände weg von Öl-Aktien!

Weltuntergangs-Stimmung am Ölmarkt / Bild: (c) APA/AFP/KAREN BLEIER (KAREN BLEIER)

Alle großen Ölkonzerne müssen in ihren jüngsten Bilanzen wegen der niedrigen Ölpreise Federn lassen. Trotzdem sollten die Niedrigen Kurse nicht als Einladung zum Einstieg missverstanden werden: Selbst wenn der Ölpreis wieder steigt, wird das Comeback von Exxon, BP oder OMV auf sich warten lassen.

Exxon Mobil ist noch einmal davongekommen. Der weltgrößte Ölkonzern hat soeben den tiefsten Gewinneinbruch seit mehr als zehn Jahren gemeldet, liefert aber immerhin noch schwarze Zahlen und liegt damit sogar noch besser, als die Analysten im Vorfeld erwartet hatten.

Wenige Stunden zuvor hatte BP noch demonstriert, dass schwarze Zahlen für einen Ölkonzern in Zeiten wie diesen alles andere als selbstverständlich sind: Mit einem Minus von 6,5 Milliarden Dollar legten die Briten den größten Verlust seit mehr als 20 Jahren vor – mehr noch als im Katastrophenjahr 2010, als ein Unfall der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko die schwerste Ölpest der Geschichte auslöste und gewaltige Schadenersatzzahlungen auslöste.

Und vergangenen Freitag hatte auch die Nummer 2 am US-Markt, Chevron, ihren ersten Quartalsverlust seit 13 Jahren ausgewiesen, und Österreichs Nummer 1, der OMV, geht es nicht besser: Allein die Wertberichtigungen bei den erschlossenen Vorräten zwangen im Vorjahr zu Abschreibungen von 2,5 Milliarden Euro – was durch das laufende Geschäft selbst bei besseren Umsätzen nicht auszugleichen  wäre.

Dass bei Exxon der Gewinn zwar um gut die Hälfte eingebrochen ist, aber immerhin noch im positiven Bereich bleibt, liegt nicht nur daran, dass der Konzern seine Investitionen im Vorjahr um 20 Prozent reduziert hat (geplant war laut Veröffentlichungen im März nur ein Minus von 12 Prozent). Um die Größenordnung anschaulich zu machen: Die Kürzung der Investitionen um fast acht Milliarden Dollar entspricht fast einemhalben Prozent des US-BIP ­ und für heuer sind Einsparungen derselben Größenordnung geplant. Vor allem rettete Exxon seine schwarze Zahlen aber dadurch, dass es gelang, den Gewinn der Raffinerie-Sparte nahezu zu verdoppeln. „Die machen das tatsächlich sehr gut“, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg einen US-Analysten. „Das ist typisch Exxon.“

Auch Raffineriemargen brechen ein

Und eine ziemlich einsame Leistung in der Branche. Hatten zu Beginn des Ölpreis-Verfalls Mitte 2014 noch alle Großen ihre Gewinne dank gestiegener Raffiniere-Margen steigern können, so kommen längst auch die Preise für Endprodukte unter Druck, weil auch die großen Produzenten in Nahost angesichts zu niedriger Rohöl-Preise mehr und mehr dazu übergehen, nicht mehr Rohöl sondern lieber Fertigprodukte zu exportieren (und damit ihre eigenen Umsätze etwas nach oben zu korrigieren). Aktuell ist in diesem Geschäft auch kaum noch etwas zu verdienen: Allein vom dritten aufs vierte Quartal 2015 sank die Referenz-Raffineriemarge der OMV von 7,84 auf 5,90 Dollar je Barrel.

An der Ertragssituation wird sich auch nicht so schnell etwas ändern – selbst im höchst unwahrscheinlichen Fall, dass der Vorstoß Russlands, mit der Opec in Gespräche über Förderkürzungen einzutreten, um dem Ölpreis wieder Auftrieb zu geben, von Erfolg gekrönt sein sollte. Während rundum alle großen Ölkonzerne bei ihren Investitionen auf die Bremse gestiegen sind, haben Saudi-Arabien und die anderen Golfstaaten unverdrossen weiter investiert – vor allem in Raffineriekapazitäten. Selbst ein wieder steigender Ölpreis würde sich also nicht so rasch in einem Anstieg der Produkt-Preise niederschlagen – und vom Verkauf der Endprodukte leben letztlich alle Ölkonzerne.

Den Konzernen geht der Nachschub aus

Und vor allem wird sich der Verzicht auf Investitionen – von Exxon Mobil bis zur OMV haben alle ihre Ausgaben für Exploration und Entwicklung massiv gekürzt – mittelfristig dazu führen, dass den Konzernen der Öl-Nachschub ausgeht, sobald zwischen Angebot und Nachfrage wieder ein normales Verhältnis eingekehrt ist. Vom Aufschwung, den Ölpreise jenseits der 50 Dollar spätestens nächstes oder übernächstes Jahr der Branche bringen sollten, werden jene am meisten profitieren, die dann noch ausbeutungsfähige Ölquellen haben. Und das werden nicht die westlichen Großunternehmen sein.

Die jetzigen Tiefstpreise der Öl-Konzerne an den Börsen sollten daher nicht als Einstiegs-Einladung missverstanden werden. Das Tief der Branche ist noch lange nicht vorbei.

 

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Kommentare

1 Kommentare

Ichbines meint

Ohne zum Taschenrechner zu greifen sagt mir schon die reine Logik dass 8 Mrd. USD nie und nimmer einem halben Prozent des US BIPs entsprechen können. Der Griff zum Taschenrechner wiederum sagt mir dass man sich hier offenbar um eine 10er Potenz geirrt hat. So etwas sollte einer Wirtschaftszeitung eigentlich nicht passieren.....

verfasst am 03.02.2016, 15:41

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