18.02.2016, 07:21  von Wolfgang Tucek

Europa droht Talfahrt ins Chaos

Wolfgang Tucek / Bild: WB/Elke Mayr

Tatsächlich ist die Gefahr groß, dass sich das Leben in Europa grundlegend zum Schlechteren verändert.

Die EU, die Frieden und Wohlstand sichern sollte, bröckelt: Die EU-Spitzenpolitiker erwarten offenbar immer noch, dass die Migrationskrise einfach von selbst vorübergeht. Und in Großbritannien versucht ein weitgehend hilfloser Premier David Cameron die katastrophale Lage um sein EU-Referendum, die er selbst verursacht hat, unter Kontrolle zu bringen.
In völliger Verkennung der Tatsachen bauen die Regierungen vieler EU-Staaten Grenzzäune. Sie führen Grenzkontrollen innerhalb der EU wieder ein oder planen dies, wie die österreichische Regierung am Brenner und einigen weiteren Grenzübergängen im Süden und Osten. Dass damit Schengen, der Binnenmarkt und das Rückgrat der Wirtschaft in Form der KMU den Bach hinuntergehen, wird ganz offenbar billigend hingenommen.

Die EU ist tot

Schon heute beträgt der Schaden für die Transportwirtschaft laut WKÖ rund 2,5 Millionen € am Tag. Sollten die Grenzkontrollen ausgeweitet werden, wären die Kosten nur für den Warenverkehr zwischen 1,2 und 2,5 Milliarden € pro Jahr anzusiedeln. Österreichische KMU, die „just in time“ etwa nach Deutschland zuliefern, wären die Aufträge über kurz oder lang los. Die in Westösterreich wichtigen Tagestouristen meiden Österreich längst. Die Auswirkungen wären völlig unabsehbar, die wirtschaftliche Talfahrt wäre nicht aufzuhalten.
Und auch die Debatte um die Zugeständnisse an Großbritannien, um dessen Verbleib in der EU zu sichern, geht an der Realität vorbei. Der für den EU-Gipfel geplante Deal hat keine Auswirkung auf das Abstimmungsverhalten am 23. Juni. Je nach Umfrage ist eine knappe Mehrheit der Briten für oder gegen die EU. Längst schaudert es sie vor den Flüchtlingsströmen aus Nahost, die sie bisher gar nicht gröber treffen.

Und dennoch: Der EU-Gipfel soll nur der Bestandsaufnahme der bisherigen – erfolglosen – Flüchtlingspolitik dienen. Wann wachen die EU-Spitzenpolitiker endlich auf? Da sind die Osteuropäer, die massiv von EU-Hilfen profitieren, ebenso gefragt wie die störrischen Franzosen und die Regierung in Wien. Wenn sie nicht beginnen, konstruktiv zusammenzuarbeiten, die Zuwanderer nach fairen Quoten aufzuteilen und die Außengrenzen – auch mithilfe der Türkei – effektiv zu schützen, dann droht das Chaos. Die EU-Feinde vom französischen Front National und seine Verbündeten wie die FPÖ sind schon voll fiebriger Vorfreude.
wolfgang.tucek@wirtschaftsblatt.at

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Was wir nicht wissen

Kommentare

6 Kommentare

Marcelus meint

Redaktionsfehler beim Titel: "Die EU IST das Chaos". Aber zum Glück nicht mehr lange. In dieser Form hat die EU ihre Zukunft schon hinter sich. Die entbehrlichen Herrschaften in den diversen EU-Gremien sind bereits Geschichte. Sie wissen es nur noch nicht...

verfasst am 22.02.2016, 11:39

in Ruhe meint

Die Verteilung der Asylsuchenden in der EU kann nur mit Freiwilligkeit erfolgen - nicht mit Zwang!

Ein solcher ist auch gar nicht nötig - der Lastenausgleich kann ganz leicht über "finanzielle Anreize" mit Mitteln der EU erfolgen. Dann kann jedes Land entscheiden, will es, oder eher nicht.

Die ehemaligen Ostblockländer der EU schneiden sich bereits ins eigene Fleisch: Ihre Bürger erhalten jetzt mal als erste "Sozialabbaumaßnahme" weniger Kindergeld für ihre "geflüchteten Bürger". Die Wartezeit auf westliche Sozialleistungen wird mit 4 Jahren festgesetzt - und so weiter.

verfasst am 21.02.2016, 15:29

alpenplitz meint

dieser verein ist doch DAS Chaos !
Juncker und co. sind einfach widerlich

verfasst am 18.02.2016, 21:08

DerÄtzer meint

Faire Quoten sind ein Mhytos. Jedes land soll und muss selber entscheiden ob es und wie wieviele Flüchtlinge es aufnimmt!
Je mehr Druck von außen kommt desto mehr Widerstand wird es geben.
Und es ist vollkommen unklar wer da in der EU wirklich die treibende Kraft ist und welche wahre Motivation dahinter steht!

Und letztlich müßte man in jedem Land das Volk befragen, denn diese Frage ist viel zu wichtig um Sie den verlogenen Politikern zu überlassen.

verfasst am 18.02.2016, 20:50

phoebe05 meint

Würd sagen die EU ist die Talfahrt ins Chaos.....

verfasst am 18.02.2016, 19:54

SwissSteirer meint

Die Alternative zur Abschottung ist das Ueberschwemmen Europas mit, meist unqualifizierten, Migranten, welche am Arbeitsmarkt praktisch keine Chance haben und somit von Sozialhilfe leben. Ob das billiger bezweifle ich. Von den gesellschaftspolitischen Verwerfungen mal ganz abgesehen.

verfasst am 18.02.2016, 12:42

20.07.2016, 23:07

Vor diesen Robotern muss kein Berater Angst haben

So genannte Robo-Advisor wollen in Österreich die Finanzberatung revolutionieren. In Wahrheit sind die ausländischen Anbieter nicht einmal in der Lage, für den Kunden die KESt abzuführen. Sehr praktisch ist das nicht.

20.07.2016, 22:40

Vergessen wir nicht Frankreichs Schuldenblase

Seit der Finanzkrise hat sich die Verschuldung französischer Unternehmen verdoppelt. Zumindest wenn wir sie nicht im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sondern den operativen Gewinnen messen. Beunruhigend, dass kaum jemand darüber redet.

19.07.2016, 22:32

Wird schon nicht so schlimm werden? Doch! Schlimmer.

Leitartikel. Auch in Österreich konnten sich ja einige populistische Politiker in ihrer Euphorie über das Brexit-Votum nicht zurückhalten, mit dem Gedanken eines EU-Austritts zu spielen. Der IWF belehrt sie eines besseren.

19.07.2016, 17:49

Schanigarten-Regelung für den Hugo

Die Öffnung der Wiener Schanigärten im Winter ist ein Kompromiss, der Wirten wenig nützt und höhere Kosten verursacht. Die Wirtschaftskammer verkauft sie als Verhandlungserfolg - wo der liegt, bleibt schleierhaft.

19.07.2016, 13:35

Schämt euch, Kartellbrüder

Die jüngste Kartellstrafe gegen Lkw-Bauer ist nur die Spitze einer peinlich-langen Liste an Preismauscheleien. Die Optik ist verheerend und man ist fast geneigt zu fragen: Geht´s nicht ohne?

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