29.02.2016, 07:00  von Oliver Jaindl

Der Fehler liegt im System

Oliver Jaindl / Bild: WB/Guenther Peroutka

Der Druck in der Wirtschaft verleitet zu unredlichem Handeln. Nur - wirklich - unabhängige Kontrollorgane können dies verhindern.

Ein Rückblick auf die Schlagzeilen der letzten Tage: Laut US-Behörden hat vermutlich nicht nur VW bei Abgastests gemogelt. Der UBS wird organisierter Steuerbetrug vorgeworfen. Die Meinl Bank wird beschuldigt, Geld gewaschen zu haben. Und die frühere BWin soll Bestechungsgeld bezahlt haben.

Nehmen wir einmal an, dass an all den Vorwürfen etwas dran ist: Ist „die“ Wirtschaft wirklich korrupt, gierig und sowieso schlichtweg böse?

Nein, ist sie nicht. „Die“ Wirtschaft ist im Grunde ein Mechanismus, in dem Leistung und Gegenleistung die Rädchen sind, die ihn am Laufen halten. Hier ist niemand von vorne herein kriminell. Viel eher ist es doch so, dass der Druck am Markt dazu führt, dass Unternehmen Geschäfte wagen, bei denen sie mitunter Bauchweh haben.

Doch gegen diesen Bauchschmerz gibt es ein rasch wirkendes Mittel: Das Gutachten eines willfährigen Anwalts oder Beraters, der sagt, dass alles Okay ist. Jeder ist glücklich: Das Unternehmen muss den Auftrag nicht der Konkurrenz überlassen. Auch der Berater freut sich: Denn er hat einen zufriedenen Klienten, für den er mit Müh und Not eine Argumentationslinie gefunden hat, warum man den Auftrag trotz Bedenken annehmen darf.
Und dann passiert es: Plötzlich steht der Staatsanwalt vor der Tür. Rasch werden die „Schuldigen“ – meist aus der zweiten Reihe und nicht die CEOs – ausgemacht, an den Pranger gestellt und verurteilt.

Hand auf's Herz: Wie oft ist Derartiges in den Wirtschaftsstraffällen der letzten Jahre geschehen? Jeder verlässt sich auf den anderen und ist froh, Umsatz gemacht zu haben und Leistungsziele zu erreichen.

Unternehmen müssen sich im Klaren sein, dass das Leistungsprinzip gut und richtig ist, um den Laden am Laufen zu halten – es versagt aber, wenn es um Kontrolle geht. Es liegt im System des Kapitalismus, dass Druck Leistung erzeugt. Das ist so. Und es wird immer Menschen geben, die mit fragwürdigen Methoden ihre Leistungsziele erreichen wollen. Aber auch dagegen gibt es ein Mittel. Unternehmen brauchen starke Revisions- und Compliance-Abteilungen. Und diesen Namen haben sie nur dann verdient, wenn sie nicht direkt oder indirekt der operativen Geschäftsführung, sondern Kontrollorganen wie dem Aufsichtsrat unterstehen.

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