15.03.2016, 07:09  von Edith Humenberger-Lackner

Flughafen Wien: So erfreulich wie beschämend

Bild: Mayr

Es ist ein wenig wie ein Schicksalsfilm mit Happy End, aber die Hauptfigur scheidet dennoch dahin.

Der australische Pensionsfonds IFM will seinen Anteil am Flughafen Wien auf bis zu 39,9 Prozent aufstocken. Wer schon investiert war, darf sich nach dem Angebot zwar über neue Kurssprünge freuen. Doch wird sich am Montag so manch ein Kapitalmarktbeobachter zumindest unter einem Auge die Tränen weggetupft haben – nämlich, wenn man auf den praktisch nicht mehr vorhandenen Streubesitz dieser zum Vorzeigeunternehmen gemauserten Exdauerbaustelle blickt.

Vor rund sechs Jahren stand die sich jahrelang anbahnende Affäre um den Skylink-Terminal in voller Blüte: Bauverzögerungen, Kostenexplosionen, Baustopp, Managementwechsel, Hausdurchsuchungen. Alles, was ein Börsenunternehmen nicht braucht, fand man beim Vienna Airport. Die Aktienkurse anderer Flughäfen wie Zürich, Paris, Frankfurt erholten sich nach der Finanzkrise relativ konstant. Selbst die Schuldenkrise in der Eurozone steckten sie passabel weg. Dagegen Wien: genannt in einem Atemzug mit österreichischer Beamtenwirtschaft und Schlendrian. Bitter für Investoren, die ihre Hoffnungen gewissermaßen in einen Pionier investiert haben: Als das Unternehmen 1992 an die Börse ging, war es einer der ersten Flughafenbetreiber, die diesen Schritt wagten.

2011 übernahm das Duo Julian Jäger/Günther Ofner die Flughafenleitung und räumte auf. Nicht unbemerkt von der internationalen Aufmerksamkeit. Dass 2014 ausgerechnet IFM einstieg, erwies sich in vielerlei Hinsicht als Glück für den Flughafen: IFM ist (bis jetzt) ein angenehmer Partner. Operativ wird nicht hineinregiert, anders als bei anderen österreichischen Unternehmen mit ausländischem Großaktionär – etwa der OMV. Andererseits sank mit dem Einstieg von IFM der Streubesitz auf 20 Prozent. Davon wiederum halten institutionelle Investoren das Gros. Der Flughafen steht ohnehin vor der Streichung aus dem ATX. Nach der IFM-Aufstockung teilen sich endgültig die ganz Großen den Flughafen: wieder ein liquider, investierbarer Topwert weniger in Wien. Natürlich ist das ausländische Interesse ein schönes Signal. Doch warum haben Austroinvestoren die Qualitäten nicht erkannt? Oder wie Anlegervertreter Wilhelm Rasinger zum WirtschaftsBlatt meinte: „Beschämend.“


[M3RCA]

("Wirtschaftsblatt", Print-Ausgabe, 15.03.2016)

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Kommentare

1 Kommentare

Sakra meint

...die wissen halt nicht wie es wirklich zugeht in Wien?

verfasst am 17.03.2016, 06:25

17.09.2016, 09:48

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