20.08.2015, 06:58  von Eva Konzett

Rumänien: Report belastet Schweighofer schwer

Kontrolleure haben die rumänischen Schweighofer-Werke geprüft. Der Vorwurf, illegales Holz zu verarbeiten, steht im Raum. Der Abschlussreport bekräftigt ihn.

Illegales Holz, fehlerhafte Frachtbriefe, undurchsichtige Netzwerke – das rumänische Umweltministerium hat die Sägewerke des österreichischen Unternehmens Holzindustrie Schweighofer kontrolliert und dabei offenbar mehr als nur Unregelmäßigkeiten entdeckt. Den Abschlussbericht des Kontrollteams, das den Zeitraum von Jänner 2014 bis April 2015 untersucht hatte, leitete es an die Staatsanwaltschaft weiter. Eine Abschrift liegt dem WirtschaftsBlatt vor.

Der Bericht erhebt schwere Vorwürfe gegen den österreichischen Holzproduzenten, der in Rumänien Marktführer bei Nadelholz ist. Mehrere Wochen haben sie die Sägewerke inspiziert.

Am Standort Sebeş habe die tatsächliche Holzmenge nicht mit den Daten des Sumal-Systems, das die rumänische Forstwirtschaft überwacht, übereingestimmt, heißt es im Report. Vor Ort seien mehr als 1400 Kubikmeter Holz „ohne legale Herkunftsdokumente“ gefunden worden.

Falsche Meldungen von Schweighofer

Die Regierung hat das System Sumal erst im Oktober 2014 im Rahmen der EU-Holzverordnung verschärft: Eigentlich kommt nun keine Bewegung im rumänischen Wald an Sumal vorbei. Jede Waldparzelle, jede Lieferung erhält eine einmalige Nummer. Am Werkstor muss der Käufer, also Schweighofer, die Nummer auf dem Frachtbrief mit jener Nummer vergleichen, die der Lieferant zuvor an Sumal gemeldet hat. Illegale Frachten fallen sofort auf.

Der Käufer nimmt so die Rolle eines zusätzlichen Kontrolleurs ein. Die Schweighofer'sche Praktik, wie der Bericht beschreibt, scheint eine andere gewesen zu sein. Systematisch seien Frachtbriefe fehlerhaft komplementiert worden.

Es bestehe der begründete Verdacht, so der Report, dass insgesamt 27 Lieferanten im geprüften Zeitraum mehr als 30.000 Kubikmeter illegal geschlägertes Holz allein zum Schweighofer-Werk nach Sebeş gebracht hätten.

Darüber hinaus  sollen diese 27 Betriebe ihrerseits 136.000 Kubikmeter illegal geschlägertes Holz an Zwischenhändler verkauft haben, das wiederum bei Schweighofer angekommen sei. Insgesamt mehr als 160.000 Kubikmeter Holz stammten demnach hier aus illegalen Quellen. (Aktualisierung, 21.8.2015, Anm.)

Haben die Schweighofer-Mitarbeiter davon nichts gewusst? Die Lieferanten arbeiteten ausschließlich für den österreichischen Holzkonzern, schreiben die Kontrolleure. Laut PEFC-Zertifikat (das Schweighofer-Zertifikat wird gerade geprüft) muss der Betrieb in unsicheren Märkten wie Rumänien stichprobenartige Kontrollen im Wald und bei den Lieferanten durchführen bzw. durchführen lassen. Will heißen: Er muss seine Lieferanten kennen.

Wie groß die Nähe zwischen PEFC und Unternehmen ist, lesen Sie hier.

Am Standort Radauti seien knapp 18.000 Kubikmeter Holz von Schweighofer nicht oder falsch an Sumal gemeldet worden. Nach Abgleichung der Datenbanken hätten die Kontrolleure dort zumindest 13.000 Kubikmeter ohne sichere Herkunft entdeckt.

Der rumänische Walddiebstal hat System. Dass einfach ein Holzarbeiter wahllos Bäume sägt und diese dann wegkarren lässt, kommt in den seltensten Fällen vor. Laut Schätzungen werden nur fünf Prozent des illegalen Holzeinschlags ohne Dokumente auf die Straße geschickt: Meistens werden mit einem Frachtbrief mehrere Lieferungen, also eine legale Fuhre und weitere Fuhren mit illegal geschlägertem Holz, gefahren.

So bestehe der begründete Verdacht, dass sich ein Netzwerk mit dem Ziel, illegalem Holz einen legalen Anschein zu geben, gebildet habe, heißt es in dem Report weiter. Mitgemacht hätten die Forstaufseher, Händler und „Repräsentanten von Schweighofer Sebeş“. Letztere hätten das Holz angenommen, schreiben die Kontrolleure, die am diesem Standort geprüft haben.

Schweighofer kann auf Anfrage die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Man habe während der „fünf Wochen andauernden und für die Kollegen in den Werken durchaus herausfordernden Untersuchungen“ lediglich „von einer geringen Anzahl von Formalfehlern bei der Dateneingabe von Holzlieferungen erfahren – zumeist Übertragungsfehler bei der manuellen Dateneingabe“. Es handle sich um menschliche Fehler bei der Eingabe in das Sumal-System und „keinesfalls um systematischen Missbrauch“. Es sei stets das Ziel, „alle technischen, gesetzlichen und administrativen Vorgaben einzuhalten“. Und: „Wir werden – sobald uns ein Bericht vorliegt – umgehend an der Überprüfung jedes einzelnen Punktes arbeiten.“ Der Bericht liegt beim rumänischen Staatsanwalt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Staat hat versagt

Eines aber macht der Bericht auch deutlich: Der rumänische Staat als Kontrollorgan hat vollkommen versagt. Das Werk in Sebeş wurde überhaupt nur einmal, 2005 kurz nach der Eröffnung, inspiziert. Seither ist das Umweltministerium seiner Kontrollpflicht nicht mehr nachgekommen. Mit dem System Sumal haben die Behörden zwar einen potenten Überwachungsmechanismus aufgesetzt, lassen ihn aber ins Leere laufen.

„Durch das System sieht die Regierung alles, es ist wie ein Big Brother des Waldes. Aber es wird nicht ausreichend verwendet“, sagt der rumänische Umweltaktivist Gabriel P?un. Selbst wenn Alarm geschlagen wird, geht die Polizei diesem oft nicht nach. Nicht zuletzt stammt ein Großteil des im Schweighofer-Werk in Sebeş verarbeiteten Holzes aus den Wäldern der staatlichen Forstbetriebe Romsilva. Diese sitzen also an der Quelle – auch an der illegalen.

Laut rumänischem Rechnungshof haben illegale Schlägerungen den rumänischen Wald seit 1989 schon Bestände in der Größe des Burgenlandes gekostet. Der Staat hat lange zugesehen. Nicht auszuschließen, dass er mitgemacht hat.

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Kommentare

4 Kommentare

Da wurde wohl zuwenig geschmiert...keine Zahl stimmt in Rumänien.. .

verfasst am 21.08.2015, 13:56

jowmos meint

es ging wenn die information stimmt um ein gebiet wo geholzt wurde das nicht nur die hauptsorte bäume wie meist geholzt wird aufiwes,sondern auch anderes,als dort eine gewisse menge geholzt worden war obwohl sich die holzer bisher einig waren dort nicht zu holzen,andere nachkamen und es zu einer mengenlieferung kam und man sich vor ort nicht sicher war was zu tun wäre,also blieb das holz und wurde nicht registriert wie alle anderen,denn ab registrierung die praktische vorgangsweise vor ort eine solche ist wie dass der unterschied nicht einfach festzustellen ist,da die stämme meist eine bsp rote oder gelbe plakette bekommen und somit durch die transporteure regulär weggebracht worden wären.

dass die transporteure jedesmal auf die nummer auf der plakette sehen und diese mit der liste vergleichen eine arbeitstechnisch schwierigere sache sein dürfte.

das gebiet um das es geht,also wo geholzt wurde nahe einer burg liegt und an das grossgrundstück um dieses angrenzt,dennoch eben staatlich, und es um den schutz der raumathmosphäre im sinne der landschaft ging,darum die einigkeit bis dahin dort nicht zu holzen.

verfasst am 21.08.2015, 11:41

Gast: NoPain meint

quasi ein Vorzeigeunternehmen aus Österreich.

verfasst am 21.08.2015, 11:05

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