25.03.2016, 06:33  von André Exner

Das Comeback der "Fondsgebundenen"

Bild: iStock

Versicherungsunternehmen berichten von steigender Nachfrage nach fondsgebundenen Lebensversicherungen – trotz Börsenkapriolen und Kritik von Konsumentenschützern.

Aktien und Anleihen im steuerlich begünstigten Versicherungsmantel: Nichts anderes ist die fondsgebundene Lebensversicherung (FLV). Der Börsencrash und das Aus für endfällige Fremdwährungsfinanzierungen manövrierten die Produktgattung nach 2009 ins Abseits, doch jetzt feiert die FLV ein Comeback. Nachdem die Prämien im Vorjahr mit 1,5 Milliarden € laut Finanzmarktaufsicht FMA noch stagnierten, merken bzw. erwarten die führenden Versicherungsunternehmen heuer einen Anstieg im Neugeschäft.

Das ist vor allem auf den „Pensionsschock“ zurückzuführen, den viele Menschen beim ersten Einblick in ihr Pensionskonto bekommen haben. „Das Pensionskonto hat dazu geführt, dass sich die Kunden bewusst mit der Notwendigkeit des Themas Vorsorge auseinandergesetzt haben“, sagt Ergo-Sprecherin Pia Kubek. „Das hatte positive Auswirkungen auf das Neugeschäft. Wir glauben, dass dieser Trend anhalten wird.“

Die Uniqa berichtet von einem leichten Plus bei der FLV im Vergleich zum Vorjahr – und das, obwohl die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge, eine Untergattung der FLV, bei der Uniqa heuer nicht mehr angeboten wird. Vorstand Peter Eichler spricht von einem „Wachrütteln“ der Kunden durch das Pensionskonto. Gerade für junge Menschen eigne sich die FLV, da durch die lange Ansparphase Schwankungen an den Aktienmärkten geglättet werden.

„Auch wir haben einen Anstieg im Neugeschäft bei der FLV registriert“, sagt Heinz Schuster, Generaldirektor S Versicherung. Er glaubt, dass die steigende Nachfrage anhalten wird. Die VIG-Tochter setzt im Gegensatz zur Uniqa weiter auf die Zukunftsvorsorge. „Wir stehen hinter diesem Produkt und sehen es als das Basisprodukt jeder privaten Altersvorsorge“, sagt Schuster.

Es gebe in Österreich kein zweites gefördertes Produkt mit derartigen steuerlichen Vorteilen: „Keine Versicherungssteuer, keine Kapitalertragsteuer (KESt) und auch keine Einkommensteuer bei der Auszahlung des Kapitals in Rentenform“, zählt Schuster Vorteile auf. Allerdings wurde die Förderung gesenkt, und auch die Performance war seit Produktstart nicht immer wie erhofft – so wurden einige Produkte von Mitbewerbern „ausgestoppt“ und funktionieren seitdem als reine Garantieprodukte.

Allianz-Chef Wolfram Littich betont ebenfalls die steuerlichen Vorteile der FLV, die durch die Erhöhung der Wertpapier-KESt noch deutlicher wurden. Die Börsen seien aber nun einmal riskant, warnt er: „Eine fondsgebundene Lebensversicherung sollte nur jemand wählen, der einen Veranlagungshorizont von mindestens zehn Jahren hat.“

Kritik ebbt nicht ab

Während die Kunden aufgrund der niedrigen Zinsen in der klassischen Lebensversicherung offenbar auf die FLV umsatteln, ebbt die Kritik der Konsumentenschützer nicht ab. Der VKI kritisiert die hohen Kosten, auch die Transparenz sei mangelhaft (s. auch rechts). „Die Kosten sind zu Beginn höher, längerfristig fährt man dafür aber besser“, sagt Christoph Obererlacher, Chef von Swiss Life Österreich. Er ortet ebenfalls ein spürbares Comeback der FLV: „Steuerliche Vorteile werden für Kunden immer wichtiger“, sagt er. Die FLV sei, wenn sie gut konstruiert werde, eine Art Vermögensverwaltung wie im Private Banking – aber im steuerfreien Mantel.


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Hitzige juristische Diskussion über Rücktrittsrecht

Allzu große Jubelstimmung dürfte bei den Lebensversicherern trotz hoher Erwartungen im FLV-Neugeschäft nicht ausbrechen: Denn in den nächsten Jahren blühen den Versicherungen zahlreiche Rechtstreitigkeiten wegen Altverträgen.
Im Grund geht es um eine formalrechtliche Kleinigkeit: Bei Versicherungsverträgen müssen Verbraucher über Rücktrittsrechte aufgeklärt werden. Allerdings dürfte diese Belehrung in vielen Polizzen gar nicht oder falsch erfolgt sein. Im vergangenen Herbst urteilte dann der OGH, dass bei mangelhafter Aufklärung über ihre Rücktrittsrechte Konsumenten ihren Versicherungsvertrag annullieren können – und zwar unbefristet.
Der Richterspruch führt dazu, dass es sich Verbraucher somit bis zum Laufzeitende der Versicherung aussuchen können, ob sie entweder mit der Auszahlung aus dem Sparprodukt oder mit der verzinsten Rückzahlung aller einbezahlter Beträge durch die Annullierung mehr herausbekommen.
Wie groß nun das Problem für die Versicherungswirtschaft ist, ist strittig. Der Versicherungsverband spricht davon, dass die mangelhaften Polizzen nur in Einzelfällen verwendet wurden, das Problem sei daher ein sehr kleines. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) ist allerdings nicht dieser Ansicht. Er untersuchte 300 Verträge und fand in jeder zweiten Polizze Mängel. Der VKI kündigte Sammelklagen an, sofern es keine Kulanzlösungen mit den Versicherungen gibt. Der Prozessfinanzierer Advofin verweist auf elf bis zwölf Millionen Verträge, die von Anfang 1994 bis Ende Juni 2012 abgeschlossen wurden, bei denen vielfach die Widerrufsfrist falsch angegeben war.

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