07.10.2012, 12:12

Griechenland geht es noch schlechter als bisher angenommen

Bild: ANA-MPA/Orestis Panagiotou

Konjunktur. Das BIP schrumpfte 2011 um 7,1 Prozent; und aktuelle Verhandlungen mit Vertretern der Troika brauchen Zeit.

Athen. Die griechische Wirtschaft steckt noch tiefer in der Rezession als bislang angenommen. Das Statistikbüro in Athen revidierte am späten Freitagabend die Zahlen für die vergangenen zwei Jahren. Demnach schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2010 um 4,9 Prozent (bisher minus 3,5 Prozent) und 2011 um 7,1 Prozent (bisher minus 6,9 Prozent). Als Grund für die Revision führte die Behörde einen massiven Rückgang bei den Konsumausgaben der privaten Haushalte an. Für dieses Jahr erwartet die Regierung in Athen einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 6,5 Prozent. 2013 soll sich das Minus auf 3,8 Prozent verringern. Die Daten fließen in die Analyse der griechischen Schuldentragfähigkeit ein, die durch die Troika von Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds erstellt wird.

Die griechische Wirtschaft ist seit 2008 um etwa ein Fünftel geschrumpft - unter anderem auch deshalb, weil die Regierung in Athen im Gegenzug für die milliardenschweren Rettungsprogramme seiner Euro-Partner einen radikalen Sparkurs einschlagen musste. Derzeit verhandelt die Regierung in Athen intern, aber auch mit Vertretern der Troika über weitere Einschnitte, die als Bedingung für eine Freigabe der nächsten Tranche von Hilfskrediten über 31,5 Milliarden Euro gelten.

Keine Einigung mit Geldgebern

Bei ihren Gesprächen in Athen haben die griechische Regierung und ihre internationalen Geldgeber am Samstag keine Einigung über das geforderte Sparprogramm erzielt. Die Gespräche machten aber nach Darstellung Griechenlands wie auch der Geldgeber Fortschritte. EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen lehnte die jüngste Bitte des griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras nach finanziellen Erleichterungen allerdings ab.

Der Vertreter des Finanzministeriums sagte nach einer Verhandlungsrunde in der griechischen Hauptstadt, die Regierung in Athen wolle die Eurogruppen-Minister bei deren Beratungen in Luxemburg überzeugen, in einer Erklärung offiziell zu bekunden, dass Fortschritte erzielt worden seien. Die Troika aus Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds dringt auf Kürzungen von fast zwölf Milliarden Euro. Die griechische Regierung will ihren Bürgern aber noch höhere Gehalts- und Rentenkürzungen ersparen, nachdem fünf Jahre Rezession die Arbeitslosigkeit auf Rekordhöhen getrieben und die Haushaltseinkommen empfindlich verringert haben.

Wie von Griechenland, so wurde die Entwicklung der Troika-Verhandlungen auch von EU und IWF positiv dargestellt. Diese seien vorangekommen, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn dem finnischen Sender YLE. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte während eines Aufenthalts in Riad, Gespräche des Währungsfonds mit Griechenland über den Fiskalteil des Programms "seien sehr gut und produktiv" verlaufen.

Bericht verspätet sich

Finanzminister Yannis Stournaras hatte vor wenigen Tagen angegeben, bis Mitte Oktober mit dem entscheidenden Bericht für die Freigabe der nächsten Hilfsgelder zu rechnen. Ursprünglich sollte der Bericht, der die Basis für die Entscheidung über die Freigabe von 31 Milliarden Euro aus dem Hilfspaket ist, im September vorgelegt werden.

Asmussen warnte, die dringend benötigte nächste Tranche aus dem zweiten Hilfspaket sei "kein Selbstläufer". Er lehnte eine Verlängerung der Laufzeiten für griechische Anleihen oder Zinssenkungen in der "Bild am Sonntag" ab. Beide Maßnahmen wären eine Form von Schuldenerlass und damit eine direkte Finanzierung des griechischen Staates, sagte Asmussen laut Vorabbericht.

Ohne die nächste Hilfstranche droht dem Land langfristig die Pleite und der Austritt aus der Euro-Zone. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Regierung in Athen auf jeden Fall Geld erhalten wird, um eine weitere Destabilisierung des Währungsraums zu verhindern. Am Dienstag reist Merkel zu Gesprächen mit Samaras nach Athen.

EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure warnte, die Wirtschaft der Euro-Zone werde bis zu einer vollständigen Gesundung noch Jahre benötigen. Allerdings werde sie aus der Krise gestärkt hervorgehen, sagte er der slowenischen Zeitung "Delo".

 

 

(Reuters)

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Kommentare

1 Kommentare

alles egal, wichtig ist das der Euro wieder steigt, dann kann man die Waren aus dem ausland billiger schmarotzen. Was interessiert mich Spanien oder Griechenland, ich bin Deutscher und brauche ne starke Währung. Keine Lust auf die EU wie will man dank dieser Looserländer denn noch Waren aus dem Ausland Schmarotzen . Öl ist dank dieser Looser auch wieder teurer weil der Euro eine Naziwährung ist.

verfasst am 07.10.2012, 10:59

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