13.10.2012, 21:02

Berlin im Brennpunkt der geplatzten EADS-BAE-Fusion

EADS wurde von Berlin zurückgepfiffen / Bild: (c) EPA/Uli Deck

Intervention. Laut Zeitung hat die deutsche Bundesregierung die Fusion blockiert, CSU-Chef Seehofer rät zu politischer Abstinenz bei derartigen Deals.

Berlin/München. Die Fusion zwischen dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und dem britischen Rüstungsunternehmen BAE Systems ist nach Informationen der "Welt am Sonntag" gescheitert, obwohl EADS Forderungen der Bundesregierung in Berlin weitgehend erfüllen wollte. Der EADS-Konzern habe auf nahezu alle Forderungen eingehen wollen, die das Bundeskanzleramt in einer Liste vom 28. September zusammengestellt hatte, berichtet die Zeitung in ihrer jüngsten Ausgabe. Dies habe jedoch nicht für den Punkt "Operational Group Headquarters" im bayerischen Ottobrunn gegolten.

Der Forderungskatalog trug dem Zeitungsbericht zufolge den Titel "Requirements for Federal Goverment approval". Er sei zweieinhalb Monate nach dem Datum erstellt worden, zu dem die Bundesregierung über das Fusionsvorhaben informiert wurde. Die Fusion dürfe keine negativen Auswirkungen auf Standorte und Beschäftigung haben, fordert die Bundesregierung demnach. Bestimmte sicherheitskritische Technologien sollten unter deutscher Aufsicht bleiben. Im Aufsichtsrat sowie dem Vorstand des Unternehmens sollte Deutschland ausgewogen vertreten sein.

Die Forderungsliste sei EADS nicht direkt von der Bundesregierung zugestellt worden, heißt es in der "WamS" weiter. Sie habe sich an die französische Regierung gerichtet. EADS-Chef Tom Enders habe aber am 2. Oktober dazu Stellung genommen und Zustimmung in fast allen Punkten signalisiert. Statt des Headquarters mit einem Büro des Vorstandschefs und Stabsabteilungen für Finanzen, Strategie und Personal in Ottobrunn habe EADS jedoch geplant, dass der fusionierte Konzern seinen Sitz in Toulouse haben sollte. Die Rüstungssparte wäre vom Sitz von BAE Systems in London aus gesteuert worden.

Am 10. Oktober beendeten EADS und BAE Systems die Verhandlungen über eine Fusion. Die Fusionsverhandlungen wurden von Streit zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien unter anderem über staatliche Beteiligungen blockiert. Die deutsche Seite hatte Einfluss über den Daimler-Konzern als Miteigner von EADS und über EADS-Anteile, die zum Beispiel von der staatlichen Förderbank KfW und mehreren Landesbanken gehalten werden.

„Aus strategischem und operativem Geschäft von Unternehmen heraushalten"

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer greift die deutsche Bundesregierung wegen der geplatzten Fusion von EADS und BAE Systems scharf an. "Ich halte das für sehr problematisch. Die Ursachen für das Scheitern liegen in Berlin und gewiss nicht in München", zitierte das Magazin "Der Spiegel" am Samstag den CSU-Parteivorsitzenden. "Ich bin der Meinung, dass sich die Politik aus dem strategischen und operativen Geschäft von Unternehmen herauszuhalten hat."

Er habe darauf vertraut, dass EADS-Chef Thomas Enders im Falle einer Fusion auf die deutschen Standorte achten werde. In Bayern liegen große Produktionsstätten von EADS, besonders im Rüstungsbereich. "Natürlich habe ich ein großes Interesse am Standort München", sagte Seehofer, "aber dessen Zukunft ist dann am größten, wenn EADS eine gute Zukunft hat. Mich hat Enders' Argument überzeugt, dass der Konzern eine gewisse Größe braucht, um auf dem Weltmarkt zu bestehen."

Seehofer stellt sich damit in Widerspruch zur Position der Bundesregierung. Die Regierung sah deutsche Fabriken und Arbeitsplätze bei einer Fusion als gefährdet. "Unter den von den Unternehmen vorgeschlagenen Konditionen hätte eine Fusion weder den Technologiestandort Deutschland noch das Unternehmen insgesamt nach vorn gebracht", sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

(APA/AFP/Reuters)

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