16.11.2012, 10:28

Umbenennung von AWD wird konkret

"AWD" soll verschwinden / Bild: WB/Elke Mayr

Finanzberater. Aus dem umstrittenen Finanzberatungsunternehmen AWD soll "Swiss Life Best Select" werden. AWD kämpft mit Klagen, Zahlen und flüchtenden Beratern.

Wien/Zürich/Hannover. Die Marke AWD wird es bald nicht mehr geben. Schon seit längerem wird es kolportiert, nun dürfte der Schweizer Lebensversicherer Ernst machen mit seinen Plänen, seine deutsche Finanzberatungstochter mit ramponiertem Image umzubenennen. Bereits am 27. Novemeber will der Versicherungskonzern sein Vorhaben vorstellen, berichtete am Freitag das deutsche "Handelsblatt". Demnach soll die deutsche AWD Holding AG, zu der auch AWD Österreich gehört, mit der deutschen Niederlassung der Swiss Life AG zu einer neuen Obergesellschaft namens "Swiss Life Best Select" fusionieren.

Dort sollen dann Swiss-Life-Manager das Ruder übernehmen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Kreise. Bei AWD Österreich in Wien wollte man die "Spekulationen" auf APA-Anfrage nicht kommentieren.

Anlegerklagen

AWD kämpft hierzulande seit einigen Jahren mit Anlegerklagen. Tausende Kunden werfen dem Finanzvertrieb vor, sie beim Verkauf von Immobilienaktien nicht ausreichend über das Risiko aufgeklärt zu haben. Sie haben zum Teil hohe Verluste erlitten. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat namens 2500 Anlegern Sammelklagen mit einem Gesamtstreitwert von rund 40 Mio. Euro eingebracht. Der Vorwurf: AWD habe seine Kunden systematisch falsch beraten, um hohe Provisionen zu kassieren. Der AWD hat dies stets vehement zurückgewiesen.

Für den Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life, der den AWD vor rund vier Jahren vom schillernden wie streitbaren Unternehmer Carsten Maschmeyer für mehr als eine Milliarde € übernommen hat, hat sich die Beteiligung als glücklos erwiesen. Laut "Handelsblatt" werden die Schweizer den AWD-Firmenwert, der mit 1,1 Milliarden Franken (0,91 Mrd. €) in den Büchern stehe, um 250 bis knapp 400 Millionen Franken abschreiben.

Schlechte Zahlen

Internen Prognosen zufolge hätte der AWD 2011 mehr als eine Milliarde einnehmen und einen operativen Gewinn von über 100 Millionen abwerfen sollen. Stattdessen betrug der Umsatz im Vorjahr 561 Millionen € und das Ebit sieben Millionen €. Am Gewinn zehrten vor allem die hohen Prozesskosten. Zudem ist der Plan, in Osteuropa kräftig zu expandieren, nicht aufgegangen. Bereits Ende 2010 hat die AWD-Zentrale in Hannover für die Region CEE Umstrukturierungsmaßnahmen eingeleitet und Wien die Kompetenz für die osteuropäischen Länder entzogen.

Wegen der Negativschlagzeilen laufen dem AWD auch die Berater davon. Laut "Handelsblatt" haben viele Vertriebschefs der AWD-Auslandstöchter das Unternehmen verlassen.

Im Zuge der neuen Restrukturierungen hat das Swiss-Life-Management auch Einsparungen auf der Agenda - "damit die Analysten die hohe Abschreibung leichter schlucken", heißt es in dem Zeitungsbericht.

 

(apa)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

06:24

Korruptionsskandal in Spanien: Ministerin tritt zurück

02:03

Burger King: Russischer Unternehmer übernimmt Yi-Ko-Anteile

26.11.2014, 17:34

Zulieferer Mahle will 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    3 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    Gast: albin1 meint

    Es gibt je noch zusätzlich jede Menge Klagen von ausgeschiedenen Mitarbeitern, die werden leider nirgens komentiert. Sollte vielleicht auch mal wer schreiben, da hängen jede Menge Existenxen dran, dank AWD. Wäre besser, AWD würde die Anwaltskosten in Vergleiche stecken, dann wäre die Situation schon seit zwei Jahren vom Tisch und die könnten sich um die Firma kümmern.

    verfasst am 23.11.2012, 07:13

    Die Umbenennung von AWD ist eine Flucht und das Eingeständnis eines seit Jahren amtierenden Missmanagements, welches auf Strategien der Unternehmensberatung McKinsey entstand. Anstelle einer Umbenennung wäre es ehrlicher, wenn Rolf Dörig, Gerold Bührer und Bruno Pfister die Swiss Life verlassen würden. Tafelsilber wurde verscherbelt und AWD aquiriert. Dem Kerngeschäft wurde Substanz entzogen und viel Know-how vernichtet. Top-Kader und viele Mitarbeiter mussten entlassen werden. Swiss Life hat seit Jahren keine klare Strategie. Die Swiss Life hat sich auf die Fahne geschrieben «Sicherheit ein Leben lang» - die Frage ist nur für wen? Bei der alten Rentenanstalt führten Vertrauen, Zuverlässigkeit und Menschlichkeit zum Erfolg. Mit den McKinseys ging’s bergab, und das Vertrauen wurde zerstört. Deshalb wird AWD auch mit einer Umbenennung seinen schlechten Ruf nie los.

    verfasst am 16.11.2012, 19:17

    schmückt sich der Wolf mit einem Schafspelz, so wird aus ihm noch lange kein Schaf :)

    verfasst am 16.11.2012, 14:56

    26.11.2014, 14:15

    Massen-Online-Proteste gegen Handelsabkommen TTIP

    Die öffentliche Anhörung im Internet zu Bedenken gegenüber der Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) ist von einer Beschwerdeflut überschwemmt worden.

    26.11.2014, 10:54

    Douglas treibt Verkauf von Buchhändler Thalia voran

    Der Einzelhandelskonzern Douglas macht mit dem Verkauf seiner Buchhandelskette Thalia ernst.

    25.11.2014, 22:14

    EU-Investitionsprogramm: 400 Milliarden € und gute Vorsätze

    Bis zu 410 Milliarden € mehr Investitionen soll die neue EU-Initiative bis 2017 bringen. Langfristig komme es auf die Verbesserung des Investitionsklimas an, mahnt die Industrie.

    25.11.2014, 20:28

    Russland wünscht einheitlichen Wirtschaftsraum mit der EU

    "Wir müssen in eine gemeinsame Integrationszukunft gehen", fordert Russlands Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew in einem Vortrag in Stuttgart. Auch Russland habe Fehler gemacht, aber an einer zusammenarbeit führe kein Weg vorbei.

    25.11.2014, 18:19

    Matteo Reni bringt seine Arbeitsmarkt-Reform durchs Parlament

    Die vor allem innerhalb der regierenden Linken heftig umstrittene Lockerung des Kündigungsschutzes fand im italienischen Parlament die nötige Mehrheit.

    Umfrage

    • Wie stehen Sie zu dem Handelsabkommen TTIP?
    • TTIP sollte abgeschlossen werden
    • Zustimmung nur nach Entschärfung riskanter Punkte
    • Generell dagegen