16.11.2012, 17:26

Betroffenheit über DDR-Zwangsarbeit für IKEA

Bild: dpa/Arne Dedert

Geschichte. Die schwedische Möbelkette Ikea hat die Zwangsarbeit politischer DDR-Häftlinge für das Unternehmen bedauert.

Berlin/Stockholm. Die schwedische Möbelkette Ikea hat die Zwangsarbeit politischer DDR-Häftlinge für das Unternehmen bedauert. "Der Einsatz von politischen Gefangenen in der Produktion war und ist völlig unakzeptabel", sagte der Geschäftsführer von Ikea Deutschland, Peter Betzel, am Freitag bei der Vorstellung einer Studie in Berlin. Spätestens seit 1981 wusste demnach das Unternehmen von dieser Möglichkeit.

"Ich möchte mein tiefstes Bedauern zum Ausdruck bringen", sagte Betzel. Das Unternehmen habe versucht, den Einsatz von politischen Gefangenen zu unterbinden. Heute sei klar, dass diese Maßnahmen nicht wirkungsvoll genug gewesen seien. Damals habe das Unternehmen noch kein umfassendes Kontrollsystem gehabt.

Ab 1980 hatte Ikea laut Studie eine Repräsentanz in Ost-Berlin, um die Ex- und Importe zu koordinieren. Es gab demnach mit mindestens neun Außenhandelsbetrieben Lieferverträge. Auch zuvor gab es Verträge mit Handelsbetrieben. Mindestens 66 Betriebe hatten demnach einen direkten Bezug zu Ikea. In Waldheim (Sachsen) seien beispielsweise Ikea-Sofas hergestellt worden, in Naumburg (Sachsen-Anhalt) Beschläge und Rollen. Nach Angaben des SED-Forschungsverbundes an der FU Berlin produzierten politische Häftlinge für den Westen beispielsweise in Bautzen auch Kühlschränke und Waschmaschinen oder im Frauengefängnis Hoheneck Bettwäsche.

Auf Aufklärung gepocht

Opferverbände hatten seit Monaten Aufklärung verlangt. Zunächst hatte das Unternehmen der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft eine Absage erteilt, sich dann aber nach Beschwerden und Unmut korrigiert. Am Freitag war das Echo geteilt. Einige Betroffene zeigten sich enttäuscht. Der Bericht soll aus "datenschutzrechtlichen Gründen" nur in Teilen öffentlich werden. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hatte die Studie erstellt. Das war im Vorfeld auf Kritik gestoßen.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, wertete es als positiv, dass sich Ikea der Aufarbeitung "dieses dunklen Kapitels" stelle. Das Unternehmen kündigte an, die weiterführende wissenschaftliche Aufarbeitung finanziell zu unterstützen. Die Geschäftsführerin der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anna Kaminsky, forderte einen Fonds für Betroffene. Auch andere westliche Firmen hätten von der Häftlingsarbeit profitiert und müssten Verantwortung übernehmen, sagte Rainer Wagner von der Union der Opferverbände.

"Betroffenheit sehr groß"

Geschäftsführer Betzel sagte: "Unsere Betroffenheit ist sehr groß." Ikea habe Schritte gegen die Zwangsarbeit unternommen - welche, blieb trotz Nachfragen unklar. Zur Frage, warum die Zusammenarbeit mit der DDR nicht abgebrochen wurde, sagte Betzel: Heute habe man eine andere Sicht auf die Dinge.

 

(apa)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

17.04.2015, 19:18

Griechenland kann bald Beamte nicht mehr bezahlen – Athen dementiert

17.04.2015, 16:40

"Herr Benko wird sich an seinen Taten messen lassen müssen“

17.04.2015, 14:26

"Chaos nach Grexit unvermeidbar"

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    17.04.2015, 12:18

    Balkanstaaten schirmen sich gegen Hellas-Pleite ab – Griechische Banken "verbluten"

    Die Staaten Südeuropas wappnen sich gegen einen möglichen finanziellen Zusammenbruch von Griechenland. Unterdessen heben die Griechen immer mehr Geld von ihren Konten ab.

    17.04.2015, 11:17

    Machtkampf um Media-Saturn schlägt neue Wellen

    Neue Runde im Machtkampf um die Metro-Tochter Media-Saturn: Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals wirft der Media-Saturn Geschäftsführung vor, die Internet-Plattform iBood ohne Billigung der Gesellschafterversammlung übernommen zu haben.

    17.04.2015, 06:56

    IWF-Chefin Lagarde kennt keine Gnade mit Griechenland

    Das hoch verschuldete Griechenland kann nicht auf einen Zahlungsaufschub durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) hoffen.

    16.04.2015, 18:54

    Hypo Italien braucht hunderte Millionen aus Österreich

    Hypo Kärnten und kein Ende: Allein die Abwicklung der ehemaligen italienischen Tochter könnte bis zu 400 weitere Millionen kosten.

    16.04.2015, 18:44

    Rene Benko kommt bei Karstadt einen Schritt weiter

    Im Tarifstreit des angeschlagenen Warenhauskonzerns Karstadt hat die Gewerkschaft Verdi einer ersten Einigung mit dem Management bei den Karstadt-Luxushäusern zugestimmt.

    Umfrage

    • Wie beeinflusst die Germanwings-Tragödie ihr persönliches Flugverhalten?
    • Gar nicht. Fliegen ist immer noch die sicherste Art zu reisen.
    • Ich bevorzuge nun andere Fluggesellschaften.
    • In nächster Zeit werde ich auf andere Verkehrsmittel umsteigen.
    • Fliege aus Prinzip nicht.

    Die Redaktion empfiehlt