23.12.2012, 18:41

"Mit ihm ist Italien zugrunde gegangen"

Bild: EPA (SEBASTIEN NOGIER)

Der zurückgetretene Ministerpräsident Mario Monti ist grundsätzlich dazu bereit, Italien auch nach den Neuwahlen im Februar aus der Schuldenkrise zu führen.

Rom. Kurz nachdem der zurückgetretene italienische Premier Mario Monti seine Bereitschaft signalisiert hat, nach der Parlamentswahl im Februar wieder als Regierungschef anzutreten, hat sein Vorgänger Silvio Berlusconi eine scharfe Attacke gegen dessen Regierung gerichtet. "Seitdem in Italien das Technokratenkabinett die Führung übernommen hat, ist alles zugrunde gegangen. Das Kabinett hat uns zu Deutschlands Linie des Sparkurses gezwungen, der in die Rezession treibt", sagte Berlusconi, der als Stargast der von RAI 1 gesendeten Sonntagsshow "Domenica In" auftrat.

   Monti sei zwar "menschlich angenehm", er sei jedoch "ein Professor und kein Wirtschaftskapitän" wie er, sagte Berlusconi. "Monti hat zu viele Fehler gemacht", warnte der TV-Unternehmer. Er versprach, dass er die unpopuläre Immobiliensteuer auf Erstwohnungen abschaffen werde, die Monti eingeführt habe, sollte er die Parlamentswahlen gewinnen. "Monti hat jeder italienischen Familie 2.500 Euro an Steuern aufgehalst, das ist unannehmbar", betonte Berlusconi.

   Auf die Frage, warum er Monti zum Kandidaten des Zentrumsblocks vorgeschlagen habe, erklärte Berlusconi, dass er damit gehofft hatte, alle Parteien der Rechten zu vereinen und einen Wahlsieg des Mitte-Links-Blocks abzuwenden. Berlusconi verteidigte seine Leistungen als Premier in den vergangenen Jahren. "Ich habe mehr als die 57. Regierungen der Vergangenheit geleistet", sagte der Medienzar.

   Bei einer Pressekonferenz am Sonntag hatte Monti die Italiener davor gewarnt, der populistischen Politik und den Versprechen Berlusconis zu folgen. Das hoch verschuldete Italien befinde sich noch immer in einer schwierigen Phase, sagte Monti. "Ich habe große Probleme, Berlusconis Gedankengängen zu folgen", sagte er. Schließlich habe Berlusconi seine Bilanz als "Katastrophe" bezeichnet, aber ihn zuvor aufgefordert, sich in einer neuen Regierung an die Spitze einer gemäßigten Koalition zu stellen. Die Vorschläge des Medienzaren, wie die Abschaffung der neuen Immobiliensteuer, seien "sehr gefährlich und illusorisch".

   Monti kündigte am Sonntag weiter an, er wolle ein Programm aufstellen, um "Italien zu verändern und Europa zu reformieren". Er wolle so verhindern, dass "gefährliche Schritte rückwärts" gemacht würden. Der parteilose Ex-EU-Kommissar hatte die Regierung inmitten der Finanzkrise im November 2011 vom damaligen Regierungschef Silvio Berlusconi übernommen. Am Freitag hatte er wie angekündigt nach Verabschiedung des Haushalts 2013 seinen Rücktritt eingereicht. In Italien finden nun Neuwahlen am 24. und 25. Februar statt.

(Reuters)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

10:05

Wolfgang Schäuble will EU Vetorecht gegen nationale Budgets geben

09:07

EU-Investitionspaket - EIB will schon früher starten

28.11.2014, 14:55

Rektoren warnen vor Entwertung des PhD durch Bologna-Reform

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    28.11.2014, 14:38

    EU-Kommission rügt Österreich für Budgetplan 2015

    Insbesondere kritisiert die Kommission beim österreichischen Haushaltsplan eine "signifikante Abweichung" vom Konsolidierungspfad - sowohl beim strukturellen Defizit als auch auf der Ausgabenseite.

    28.11.2014, 14:12

    "Bis Januar 2015 dürfte die Inflation weiter auf 0,0 Prozent zurückgehen"

    Die Inflation in der Euro-Zone ist im November gesunken und setzt damit die Europäische Zentralbank unter Druck. Die Verbraucherpreise lagen nur 0,3 Prozent über dem Niveau vor Jahresfrist, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte.

    28.11.2014, 13:55

    Bei den Bankengehältern endet die Gleichstellung auch in Skandinavien

    Bei Politkierinnen, die für gleiche Bezahlung kämpfen, gelten die skandinavischen Staaten als das gelobte Land. Aber selbst hier gilt, dass nicht alles Gold ist was glänzt - speziell im Bankensektor.

    28.11.2014, 13:43

    Cameron: "Großbritannien bleibt in der EU, wenn..."

    Großbritanniens Premierminister David Cameron nannte erstmals die Bedingungen für einen Verbleib des Landes in der EU.

    28.11.2014, 12:51

    Mario Draghi lässt seine EZB von Egon Zehnder checken

    EZB-Präsident Mario Draghi hat die Beratungsfirma Egon Zehnder beauftragt, die Effizienz ihrer Prozesse unter die Lupe zu nehmen.

    Umfrage

    • Wie stehen Sie zu dem Handelsabkommen TTIP?
    • TTIP sollte abgeschlossen werden
    • Zustimmung nur nach Entschärfung riskanter Punkte
    • Generell dagegen