31.12.2012, 15:29

Steueraffäre um griechischen Ex-Finanzminister

Giorgos Papakonstantinou / Bild: EPA (Marius Becker)

Giorgos Papakonstantinou wird vorgeworfen, die Namen von Verwandten aus einer Datei mit mutmaßlichen griechischen Steuersündern mit Geldeinlagen in der Schweiz gelöscht zu haben.

Athen. Das griechische Parlament wird bei einer Geheimabstimmung entscheiden, ob ein Untersuchungsausschuss wegen Datenfälschung und Pflichtverletzung gegen den ehemaligen griechischen Finanzminister Giorgos Papakonstantinou ermitteln soll. Einen entsprechenden Antrag stellten 71 Abgeordnete der Regierungskoalition aus Konservativen, Sozialisten und der Demokratischen Linken am Montag, wie das Staatsradio unter Berufung auf das Parlamentspräsidium berichtete.

   Von einer Liste mit mutmaßlichen griechischen Steuersündern waren ausgerechnet Verwandte des Ex-Ministers verschwunden. Papakonstantinou bestreitet die Vorwürfe.

   Die Abstimmung muss binnen zwei Wochen stattfinden. Für die Bildung des Untersuchungsausschusses sind dann 151 Stimmen des 300 Abgeordnete zählenden Parlaments nötig. Nach möglicher Aufhebung seiner Immunität würde anschließend ein Sondergericht entscheiden, ob Papakonstantinou schuldig ist. Bei einer Verurteilung drohten ihm bis zu 20 Jahre Gefängnis, erklärten Juristen in Athen.

   Papakonstantinou wird vorgeworfen, die Namen von Verwandten aus einer Datei mit mutmaßlichen griechischen Steuersündern mit Geldeinlagen in der Schweiz gelöscht zu haben. Er leitete das Finanzressort 2010, als die Datei erstmals von der damaligen französischen Finanzministerin Christine Lagarde an Griechenland übergeben wurde. Die Daten hatte ein Mitarbeiter der Bank HSBC in Genf entwendet. Papakonstantinou leitete eine Kopie nach eigenen Angaben an den damaligen Chef der griechischen Steuerfahndung weiter. Die ursprüngliche Datei verlor er seinen Worten zufolge. Die Steuerfahndung machte damals keinen Gebrauch von den Daten, weil sie nicht aus legalen Quellen stammten.

   Die Liste verschwand anschließend im Labyrinth der Athener Bürokratie und tauchte erst Anfang Oktober wieder auf - allerdings in gekürzter Form, wie ein Abgleich mit einer zweiten Liste ergab, die unlängst erneut von Frankreich an Griechenland übergeben wurde. Hatte die ursprüngliche "Lagarde-Liste" noch 2.062 Einträge, so waren daraus in Griechenland zwischenzeitlich 2.059 Einträge geworden. Die zweite übergebene Liste hatte dann 2.062 Einträge. Wie griechische Medien unter Berufung auf Kreise der Staatsanwaltschaft berichteten, betreffen die fehlenden Einträge eine Cousine von Papakonstantinou mit Ehemann sowie den Gatten einer zweiten Cousine. Während das eine Konto niemals benutzt worden sei, seien auf dem anderen gut 1,2 Millionen Dollar (925.640,23 Euro) verbucht worden. Unklar ist, ob das Geld versteuert wurde.

   Papakonstantinou wehrte sich in griechischen Medien. Es handle sich um ein "Komplott" gegen ihn, sagte er. Er sei nicht so dumm, um die Namen von Verwandten einfach aus der Datei zu löschen. Außerdem seien die Gelder versteuert gewesen.

(APA/dpa)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

14:55

Rektoren warnen vor Entwertung des PhD durch Bologna-Reform

14:38

EU-Kommission rügt Österreich für Budgetplan 2015

14:12

"Bis Januar 2015 dürfte die Inflation weiter auf 0,0 Prozent zurückgehen"

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    13:55

    Bei den Bankengehältern endet die Gleichstellung auch in Skandinavien

    Bei Politkierinnen, die für gleiche Bezahlung kämpfen, gelten die skandinavischen Staaten als das gelobte Land. Aber selbst hier gilt, dass nicht alles Gold ist was glänzt - speziell im Bankensektor.

    13:43

    Cameron: "Großbritannien bleibt in der EU, wenn..."

    Großbritanniens Premierminister David Cameron nannte erstmals die Bedingungen für einen Verbleib des Landes in der EU.

    12:51

    Mario Draghi lässt seine EZB von Egon Zehnder checken

    EZB-Präsident Mario Draghi hat die Beratungsfirma Egon Zehnder beauftragt, die Effizienz ihrer Prozesse unter die Lupe zu nehmen.

    12:06

    Nach AKW-Überflügen - Frankreich entwickelt Anti-Drohnen-Technologie

    In den vergangenen Wochen wurden über französischen Atomkraftwerken rund 30 unbemannte Drohnen gesichtet. Jetzt reagiert Frankreich.

    11:18

    Schäuble pocht auf Einhaltung der EU-Schuldengrenze

    Der deutsche Finanzminister, Wolfgang Schäuble, fordert die Einhaltung der europäischen Schuldengrenze. Die EU-Kommission will Defizitsünder wie Italien und Frankreich vorerst nicht bestrafen.

    Umfrage

    • Wie stehen Sie zu dem Handelsabkommen TTIP?
    • TTIP sollte abgeschlossen werden
    • Zustimmung nur nach Entschärfung riskanter Punkte
    • Generell dagegen