16.01.2013, 13:32

Bundesbank macht Frankfurt zu Fort Knox

Bild: (c) dpa

Goldreserven. Bis 2020 soll rund die Hälfte des 3.400 Tonnen schweren deutschen Goldschatzes auch in Deutschland gelagert werden.

Frankfurt am Main. Die Deutsche Bundesbank gibt dem politischen Druck nach und wird künftig die Hälfte ihrer rund 3.400 Tonnen schweren deutschen Goldreserven auch tatsächlich in Deutschland lagern. Dies geschehe durch die schrittweise Umschichtung der Barren aus Tresoren der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in New York nach Frankfurt, gab die Bundesbank am Mittwoch bekannt. Dort lagert bisher rund die Hälfte des deutschen Goldes.

Der Lagerstandort Paris solle zudem komplett bis zum Jahr 2020 aufgegeben werden. "Eine vollständige Verlagerung aller Bestände wäre nicht sachgerecht", stellte der für die Verwaltung der Goldreserven verantwortliche Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele klar.

Euro macht Paris-Lager überflüssig

Grund dafür sei, dass das Gold im Krisenfall in New York und London, dem dritten ausländischen Lagerort, schneller und einfacher in Devisen - insbesondere in die Weltleitwährung Dollar getauscht werden könne. Nach der Einführung des Euro sei es nicht mehr nötig, deutsches Gold in Paris zu lagern, um im Krisenfall an Francs zu kommen, sagte Thiele. Zudem seien Tresore auf dem Gelände der Bundesbank im Frankfurter Norden frei geworden. Die Bundesbank hatte bereits vor zehn Jahren einen Teil ihres Goldes aus London geholt. Die geplanten Verlagerungen aus Frankreich und den USA umfassen Gold zu einem Tageskurs von 27 Mrd. Euro.

Die Bundesbank kommt mit ihrem neuen Lagerstellenkonzept Forderungen seitens der Politik und des Bundesrechnungshofes nach. Dieser hatte unter anderem kritisiert, dass die im Ausland gelagerten Goldbarren noch nie auf ihre Echtheit untersucht worden seien. Wie viel der Transport kosten wird sowie weitere Details dazu wurden zunächst nicht mitgeteilt. Ein wichtiger Kostenfaktor dabei dürften Versicherungsentgelte sein.

Abzug auch aus den USA

Die Bundesbank hatte das deutsche Gold ursprünglich wegen der Unsicherheit des Kalten Krieges und der deutschen Teilung auf mehrere - möglichst weit westlich gelegene - Partnerländer verteilt. Derzeit lagern 31 Prozent des Goldes in Deutschland und fast die Hälfte in Tresoren der Fed in New York. Dieser Anteil soll in den kommenden Jahren auf 37 Prozent sinken. In London werde auch weiterhin etwas mehr als ein Zehntel des Goldschatzes gelagert. Auch 374 Tonnen, die aktuell von der Banque de France in Paris verwahrt werden, sollen nach Frankfurt geholt werden.

Deutschland verfügt heute nach den USA über den zweitgrößten Goldschatz der Welt - mit einem Marktwert zum Ende vergangenen Jahres von 137,5 Mrd. Euro. 1945 - direkt nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Deutschland überhaupt keine Goldreserven. Diese wurden erst ab den 1950er-Jahren zunächst von der Bank deutscher Länder, der Vorgängerinstitution der Bundesbank, angehäuft. Der Goldschatz wuchs danach rasant, weil der Bundesbank während der Wirtschaftswunderjahre und während der Zeit des Goldstandards, der bis in die 1970er-Jahre Gültigkeit hatte, Gold zufloss. Die Bundesbank war nach den Worten Thieles nie im Goldhandel aktiv. Bei Gründung der Europäischen Zentralbank (EZB) 1999 gab die Bundesbank der EZB vertragsgemäß rund 230 Tonnen Gold ab.

Das deutsche Gold dient der Absicherung der Bundesrepublik für den Fall einer Währungskrise. Die Frankfurter Notenbank verwaltete das deutsche Gold autonom. Die Bundesregierung hat keinerlei Zugriff darauf; nicht wenige Finanzminister in der Geschichte der Bundesrepublik haben dennoch versucht, an Teile des Goldes zu kommen, um Löcher im Bundeshaushalt zu stopfen - bislang ohne Erfolg. Trotzdem fließen jedes Jahr einige Tonnen an den Finanzminister für die Ausgabe von Goldmünzen. Dieses Gold muss die Bundesregierung jedoch bezahlen.

(Reuters)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

19:35

Deutsche Regierung dementiert Bericht über neues Griechenland-Paket

18:19

Präsidentenwahl in Rom: Auch dritter Wahlgang ergebnislos

16:43

EU sieht in Rumänien auch Erfolge

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    16:38

    EU macht Lobbying Schritt für Schritt transparenter

    Das EU-Lobbyisten­register soll erst stren­ger und attraktiver und im nächsten Schritt ver­pflichtend werden.

    15:42

    Troika in Griechenland unerwünscht

    Die Regierung des Linkspolitikers Alexis Tsipras lehne eine Rückkehr der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) nach Athen ab, hieß es in griechischen Regierungskreisen am Freitag.

    14:03

    40 Prozent der Italiener wollen aus der Eurozone austreten

    40,1 Prozent der Italiener würden gern aus dem Euro-Raum austreten. Anfang 2015 lag dieser Prozentsatz noch bei 25,7 Prozent, ergab eine am Freitag veröffentlichte Studie des Statistikamts Eurispes.

    13:03

    Griechenland will Sparkurs beenden, auch wenn der Geldhahn zugedreht wird

    Im griechischen Schuldendrama steuert die neue Regierung Griechenlands auf einen handfesten Konflikt mit den internationalen Geldgebern zu. Noch vor einem ersten Treffen von Finanzminister Gianis Varoufakis mit Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem signalisierte Athen, dass der harte Sparkurs der vergangenen Jahre beendet werden soll.

    11:02

    Die Preise in der Eurozone fallen immer schneller

    Die Preise in der Euro-Zone fallen immer schneller und nähren die Furcht vor einer wirtschaftlich gefährlichen Deflation. Die Lebenshaltungskosten sanken im Januar zum Vorjahr um 0,6 Prozent, wie das Europäische Statistikamt am Freitag mitteilte.

    Umfrage