16.01.2013, 16:27

Berliner Flughafenmanager gefeuert

Außen auch nur teilweise hui, inne auf jeden Fall viel schlechter / Bild: (c) dpa/Patrick Pleul

Baupleite. Mit Personalwechseln in Schlüsselpositionen will der Aufsichtsrat des neuen Hauptstadtflughafens einen Weg aus dem Milliarden-Debakel finden.

Berlin. Nach vier abgesagten Eröffnungsterminen entscheiden die Aufseher, dass Flughafenchefs Rainer Schwarz abgelöst wird. "Herr Schwarz hat sein Dienstzimmer geräumt und den Betrieb verlassen", teilte der neue Vorsitzende des Kontrollgremiums, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), am Mittwoch am Rande einer Sondersitzung in Schönefeld mit. Platzeck wurde auf der Sondersitzung wie erwartet zum neuen Aufsichtsratsvorsitzen gewählt. Er übernimmt das Amt vom Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit.

Der seit 2006 amtierende Manager war immer stärker unter Druck geraten, nachdem die zuletzt auf 27. Oktober verschobene Eröffnung des Hauptstadtflughafens geplatzt war. Vor allem der Bund als Mitgesellschafter hatte massiv auf eine Ablösung gedrängt.

Im Vorfeld war spekuliert worden, dass Technikchef Horst Amann die neuen Aufgaben zunächst mit übernimmt, bis ein neuer Geschäftsführer gefunden ist.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer wollte sich dazu nicht äußern. "Es wurde in der letzten Zeit viel Kaffeesatzleserei betrieben, und ich beteilige mich nicht daran", sagte der CSU-Politiker.

Größerer Vorstand und mehr Kontrolle

Die Suche nach einem neuen Geschäftsführer wird als schwierig eingeschätzt: Als Wunschkandidat wurde in den Kreisen der Gesellschafter Thomas Weyer genannt, derzeit Technikchef des Münchner Flughafens. Weyer arbeitete bis 2008 bereits für die Berliner Flughafengesellschaft. Ihm werden aber auch gute Chancen eingeräumt, künftig die Leitung des florierenden Flughafens in Bayern zu übernehmen.
Außerdem soll die Geschäftsführung um einen Finanzfachmann erweitert werden.

Angesichts der Pannenserie soll auch der Aufsichtsrat der Gesellschaft erweitert werden, um Platz für Experten zu schaffen. Im Gespräch sei, das Gremium auf 20 Vertreter zu erweitern, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Derzeit hat der Aufsichtsrat 15 Vertreter, wobei jeweils vier von den beiden Ländern Berlin und Brandenburg gestellt werden, die je 37 Prozent der Anteile halten. Sie haben so eine absolute Mehrheit im Gremium. Der Bund, der 26 Prozent der Anteile hält, stellt zwei Vertreter. Es ist zudem vereinbart, dass Berlin, Brandenburg und Bund einvernehmlich abstimmen. Die übrigen Aufsichtsräte kommen von der Arbeitnehmerseite. Bei einer Aufstockung sollen die bisherigen Machtverhältnisse gewahrt bleiben, hieß es.

Kein Eröffnungstermin mehr

Platzeck hat angekündigt, dass der Bau deutlich intensiver überwacht werden soll. Geplant sind wöchentliche Unterrichtungen und eine eigene Abteilung in der Potsdamer Staatskanzlei.

Der neue Eröffnungstermin für den Hauptstadtflughafen BER wird erst in einigen Monaten feststehen, so Platzeck. Er wies darauf hin, dass es noch einige Zeit dauern werde, bis feststehe, welche Mängel es alles gebe und "wir Grundlagen haben, die genehmigungsfähig sind". Der Eröffnungstermin für den neuen Hauptstadtflughafen war Anfang Jänner zum vierten Mal abgesagt worden.

(dpa/Reuters/ekh)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

10.01.2013, 21:49

Pannen-Airport Berlin kriegt Ärger mit Brüssel

10.01.2013, 09:55

Nächste Hiobsbotschaft für Flughafen Berlin

19.12.2014, 19:51

Amazon wird bis Weihnachten bestreikt

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    19.12.2014, 15:31

    Strabag-Konsortium verkauft Windpark an EnBW

    EnBW treibt mit dem Kauf eines Windparks in der Nordsee seinen Ökostromausbau voran.

    19.12.2014, 13:43

    Roche: Nach Österreich-Deal Misserfolg mit Studie zu Brustkrebs

    Roche wollte mit einem Brustkrebsmedikament Milliarden machen. Nun wurde das Medikament begraben.

    19.12.2014, 12:36

    Billiges Tanken treibt Kauflaune der Deutschen auf Acht-Jahres-Hoch

    Billiges Tanken und Heizen macht's möglich: Die Kauflaune der Deutschen ist wegen sinkender Energiepreise so gut wie seit acht Jahren nicht mehr.

    19.12.2014, 11:49

    EU-Gipfel stellt sich hinter Junckers Investitionsprogramm + Video

    Die 28 EU-Staats- und Regierungschefs haben sich hinter den milliardenschweren Investitionsplan von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gestellt. Sie begrüßten am Donnerstagabend auf ihrem Gipfel in Brüssel den Aufbau eines neuen europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI), der zwischen 2015 und 2017 insgesamt 315 Milliarden Euro mobilisieren soll.

    19.12.2014, 11:24

    Franziskanerorden droht die Insolvenz

    Der weltweite Franziskanerorden steht wegen hoher Schulden am Rande des finanziellen Zusammenbruchs.

    Umfrage

    • Klagen und Gegenklagen in Sachen Hypo Alpe Adria - macht das Sinn?
    • Ja, man sollte nichts unversucht lassen.
    • Nein, das bringt nur noch Gerichtskosten.
    • Jetzt ist es zu spät dafür.
    • Das ganze Hypo-Desaster ist hoffnungslos.