17.01.2013, 10:00

Davos wird Bühne für Merkel und Cameron

Bild: (c) EPA/Steffen Kugler

Ausfälle. China und die USA werden in der Schweiz nicht mit Spitzenvertretern anwesend sein.

Davos. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der britische Premierminister David Cameron gehören zu den Hauptrednern des diesjährigen Weltwirtschaftsforums in Davos. Die Eröffnungsrede des Treffens von Spitzenpolitikern und Wirtschaftsführern in dem Schweizer Kurort vom 23. bis 27. Jänner hält Italiens Ministerpräsident Mario Monti. Das teilte der Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF), Klaus Schwab, am Mittwoch am WEF-Sitz in Cologny bei Genf mit.
Der Einladung nach Davos folgen wieder mehr als 40 Staats- oder Regierungschefs. Unter ihnen ist auch Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew, nachdem er vergangenes Jahr nicht an dem Treffen teilgenommen hatte.

Allerdings werden die USA und China diesmal nicht so hochrangig vertreten sein wie sonst. Schwab verwies dazu auf die gerade beginnende zweite Amtszeit von US-Präsident Barack Obama sowie den Regierungswechsel in China. Auch Präsident Francois Hollande, der unter anderem mit dem französischen Militäreinsatz in Mali beschäftigt ist, verzichtet auf einen Abstecher in die malerische Alpenlandschaft von Davos. Paris wird unter anderem durch Wirtschafts- und Finanzminister Pierre Moscovici vertreten sein.
Aus Österreich reisen heuer weder Bundespräsident Heinz Fischer, noch Bundeskanzler Werner Faymann (S) oder Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger (V) an. Zuletzt hatten Faymann und Spindelegger 2011 an dem Treffen teilgenommen.

Im vorigen Jahr hatte Großbritanniens Premierminister Cameron die Tagung zu einem Angriff auf das deutsche Euro-Krisenmanagement genutzt. Den damaligen deutsch-französischen Plan für eine europaweite Finanztransaktionssteuer lehnte er öffentlich als "Wahnsinn" ab. Merkel hatte ihrerseits als damalige Eröffnungsrednerin mit der Warnung vor einer Überforderung Deutschlands als Euro-Retterin für internationales Aufsehen gesorgt.
Obwohl sich die Probleme der Eurozone in jüngster Zeit etwas abgeschwächt haben, gehört die anhaltenden Staatsschuldenkrise in Europa und auch in den USA erneut zu den vorrangigen Themen des Treffens. Die größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich gilt laut WEF-Risikobericht 2013 mittelfristig als eine sogar noch größere weltweite Gefahr für Volkswirtschaften und Gesellschaften. Hinzu kommen globale Risiken durch den Klimawandel sowie aktuell die Konflikte in Syrien und Mali.

Wachstum als zentrales Thema

Das Motto der 43. WEF-Jahrestagung lautet "robuste Dynamik". Künftiges Wachstum brauche Dynamik, erklärte Forumsgründer Schwab. Zugleich sei eine größere Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Risiken erforderlich, um plötzliche wirtschaftliche wie klimabedingten Schocks überstehen zu können. Erklärtes Ziel der 1971 von Schwab aus der Taufe gehobenen Stiftung WEF ist es, "den Zustand der Welt zu verbessern". Dem Forum gehören 1.000 der weltgrößten Unternehmen sowie 200 kleinere als Mitglieder oder Partner an. Der Jahresbeitrag liegt - je nach Größe der Firma und Umfang der Beteiligung - zwischen 50.000 und 500.000 Franken (derzeit 410.000 Euro).

Wieder Proteste geplant

Patentlösungen sind von den Diskussionen beim "jährlichen Klassentreffen der globalen Eliten im Schnee" ("Neue Zürcher Zeitung") freilich nicht zu erwarten. Kritiker tun die Veranstaltung deshalb gern als Jahrmarkt der Eitelkeiten ab, bei denen Prominente Probleme beklagen, aber nie lösen würden. Doch bei vertraulichen Kaminrunden von Bankern und Politikern wurden in Davos nach Angaben von Insidern auch einige neuen Regeln für die Finanzwirtschaft angedacht, die inzwischen helfen sollen, Folgen der Krise von 2008 zu überwinden und eine Neuauflage zu verhindern. Die hohe Konzentration an Mächtigen ruft neben Journalisten jedoch meist auch Gegendemonstranten auf den Plan; auch heuer soll es in Davos zu Protesten gegen das Forum kommen.

Insgesamt werden mehr als 2.500 Teilnehmer aus über 100 Ländern erwartet. Weit mehr als die Hälfte von ihnen sind Spitzenmanager und andere Führungskräfte der Wirtschaft. Zu den prominenten Rednern und Debattenteilnehmern gehören auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, und der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi. Um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten, sollen Kampfjets den Luftraum über Davos überwachen. Mehr als 5.000 Schweizer Soldaten werden Flugplätze, Straßen und Gebäude sichern.
APA/dpa

 

(APA/dpa)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

15.04.2014, 21:40

Die Banken-Angst vor dem Stresstest: 71,5 Milliarden Rückstellungen

15.04.2014, 15:27

"Historischer Moment": Die Bankenunion ist da

15.04.2014, 14:53

VW-Töchter Bentley und Bugatti mit neuem Chef

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    15.04.2014, 14:08

    Mit Schengen und Euro schneller ins Pornokino

    Joseph Daul, Vorsitzender der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP), macht die Vorteile der EU anschaulich.

    15.04.2014, 13:27

    Eurozone steigert Handelsbilanz-Überschuss deutlicher

    Im Februar stieg das Plus überraschend deutlich von revidiert 0,8 Milliarden Euro im Vormonat auf 13,6 Milliarden Euro, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag in Luxemburg mitteilte.

    15.04.2014, 13:21

    EU-Parlament bremst Gigaliner aus

    Die Riesen-Lkw sollen zumindest nicht grenzüberschreitend zugelassen werden, die Ablehnung im EU-Parlament war massiv.

    15.04.2014, 12:42

    Warum der IWF ein Problem mit österreichischen Banken hat...

    Die riskantesten Banken Westeuropas liegen in Österreich. Zumindest, wenn man den regionalen Risiko-Zuordnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) glaubt. Der angedrohte Umzug der Erste Group nach Prag ergibt vor diesem Hintergrund durchaus Sinn.

    15.04.2014, 12:02

    Ukraine-Krise macht auch vor dem ZEW-Index nicht halt

    ZEW-Index: Börsen-Profis bewerten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft unter dem Eindruck der schwelenden Ukraine-Krise erneut schlechter.

    Umfrage

    • Ist Griechenland nach der erfolgreichen Anleihe-Platzierung über den Berg?
    • Ja
    • Nein
    • Weiss nicht

    Die Redaktion empfiehlt