10.02.2013, 18:43

Auch Schweden ermitteln wegen Pferdefleisch-Skandal

Bild: (c) EPA (JEAN FRANCOIS FREY)

Der Skandal um Pferdefleisch in Tiefkühlgerichten weitet sich aus.

London/Paris/Stockholm. Die schwedische Lebensmittelaufsicht ermittelt wegen der Nutzung von Pferdefleisch in Fertiglasagne gegen den Tiefkühlkonzern Findus. Die Behörde teilte am Sonntag mit, man wolle vor weiteren Schritten wie einer möglichen Einschaltung der Polizei den Umfang dieses Betrugs mit Lebensmitteln klären. Die zuständige Sprecherin Mona-Lisa Dahlbom-Wiedel sagte: "Rindfleisch durch billiges Pferdefleisch zu ersetzen, ist ein Verbrechen."

Findus hatte Mitte der Woche selbst die Behörden darauf aufmerksam gemacht, dass in einem eigenen Lasagneprodukt Pferdefleisch statt des eigentlich deklarierten Rindfleisches entdeckt worden sei. Das Unternehmen hat nach Medienangaben in Schweden etwa 20.000 Packungen aus Supermärkten zurückgerufen.

Findus-Sprecher Jari Latvanen sagte im Rundfunksender "SR", sein Unternehmen habe Anzeige gegen den französischen Lieferanten Comigel erstattet. Dieses Unternehmen wurde auch in Berichten über Pferdefleisch in Findus-Fertiglasagne für Großbritannien und Frankreich als Herkunftsfirma genannt. Als wahrscheinliches Ursprungsland des Pferdefleisches selbst gilt nach Medienangaben Rumänien.

Nach dem Fund in tiefgefrorener Lasagne in Großbritannien nahm Findus am Freitag auch in Frankreich Fertiggerichte aus dem Handel. Die britische Lebensmittelaufsicht ordnete Tests aller Fertigmahlzeiten an, die laut Verpackung Rindfleisch enthalten, die deutschen Behörden weiteten ihrerseits die Kontrollen aus.

   Der britischen Behörde für Lebensmittelsicherheit FSA zufolge wiesen Lasagne-Packungen von Findus einen Pferdefleisch-Anteil von bis zu hundert Prozent auf, obwohl auf dem Etikett Rindfleisch angegeben war. Einem Findus-Sprecher zufolge wurden die Produkte vom französischen Hersteller Comigel geliefert und inzwischen aus dem Handel genommen. Comigel teilte am Abend mit, das Pferdefleisch stamme aus Rumänien. Es sei vom fleischverarbeitenden Unternehmen Spanghero mit Sitz in Südwestfrankreich an Comigel geliefert worden.

   Die luxemburgischen Gesundheitsbehörden teilten mit, das aus Frankreich stammende Fleisch sei für Comigel von der Firma Tavola mit Sitz in Luxemburg verarbeitet worden.

   In Frankreich rief Findus am Freitag drei Tiefkühlprodukte zurück: Bolognese-Lasagne, Faschiertes-Kartoffelpüree-Auflauf und Moussaka. Von ihnen gehe aber keine Gesundheitsgefahr aus, erklärte das Unternehmen. In Schweden rief Findus nur ein Lasagne-Produkt zurück.

   In Großbritannien, wo der Verzehr von Pferdefleisch im Gegensatz zu anderen Ländern wie Frankreich tabu ist, schlug der Skandal hohe Wellen. Premierminister David Cameron sprach von einem "sehr schockierenden" und "vollständig unannehmbaren" Vorfall.

   Bereits Mitte Jänner hatte der Fund von Pferdefleisch in Tiefkühl-Hamburgern von Supermärkten in Großbritannien und Irland für Verunsicherung bei den Verbrauchern gesorgt. Die FSA forderte alle Händler und Hersteller auf sicherzustellen, dass in ihren Produkten auch das enthalten sei, was auf der Verpackung stehe. Die Behörde schloss zudem rechtliche Schritte gegen Comigel nicht aus.

   Comigel machte seinerseits einen seiner Lieferanten verantwortlich und erklärte, sich rechtliche Schritte gegen diesen vorzubehalten. Comigel zählt auch Deutschland zu seinen wichtigsten Lieferländern. Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums sagte, die Kontrolldichte im größten deutschen Bundesland sei verschärft worden. Bisher sei allerdings "noch nichts aufgefallen."

(APA/AFP)

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Kommentare

1 Kommentare

Verbleibende Zeichen: 1500

Gourmet meint

Eine intelligentere Welt wäre schon nett.
Aber wahrscheinlich können wir uns so etwas gar nicht leisten.
Wenn alles schön und nett wäre - wer sollte das bezahlen?

verfasst am 09:36 09.02.2013

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