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09.02.2013, 14:04
Berlin. Bundesbildungsministerin Annette Schavan tritt wegen der Plagiatsaffäre um ihrer Doktorarbeit zurück. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Samstag im Beisein Schavans in Berlin, sie habe das Rücktrittsgesuch sehr schweren Herzens angenommen. Nachfolgerin soll Johanna Wanka werden, die zuletzt Wissenschafts- und Kulturministerin in Niedersachsen war. Dort war die schwarz-gelbe Regierung vor drei Wochen abgewählt worden. Der Wechsel im Kabinett soll am Donnerstag vollzogen werden. Vergangenen Dienstag hatte die Universität Düsseldorf Schavan den Doktortitel entzogen.
Merkel sagte, Schavan habe als die profilierteste Bildungsministerin 17 Jahre im Dienste des Bildungs- und Wissenschaftsstandort Deutschland gestanden. "Ihre Leistung als Ministerin in diesen wichtigen Ressorts ist außerordentlich." Mit ihrer Entscheidung habe Schavan ihr eigenes persönliches Wohl hinter das Gemeinwohl gestellt. "Diese Haltung macht Annette Schavan aus", sagte Merkel, die eine Freundschaft mit Schavan verbindet. Zu den Plagiatsvorwürfen und dem Entzug des Doktortitels sagte die Kanzlerin kein Wort.
Schavan dankte der Kanzlerin für Vertrauen und Freundschaft über viele Jahre. Sie bestritt die Plagiatsvorwürfe erneut und bekräftigte ihre Klageankündigung gegen die Aberkennung des Doktortitels. "Ich habe in meiner Dissertation weder abgeschrieben noch getäuscht." Wenn eine Forschungsministerin gegen eine Universität klage, sei dies mit Belastungen für das Amt, die Regierung und auch die Partei verbunden, sagte die frühere stellvertretende CDU-Vorsitzende. "Das Amt darf nicht beschädigt werden", sagte Schavan. Sie werde sich nun auf ihr Bundestagsmandat konzentrieren.
Trotz ihres Rücktritts nur acht Monate vor der deutschen Bundestagswahl: Die CDU-Politikerin Annette Schavan wird in die Analen des Bundesbildungsministeriums eingehen als die Ressortchefin mit der bislang längsten Amtszeit. Bevor sie 2005 in Berlin den Posten der Bundesministerin für Bildung und Forschung übernahm, war sie zuvor schon zehn Jahre Kultusministerin in Baden-Württemberg.
Die 57-jährige studierte katholische Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften. 1980 erwarb sie in Düsseldorf den Doktortitel, der ihr am vergangenen Dienstag von der Universität wegen "vorsätzlicher Täuschung durch Plagiat" in ihrer Arbeit wieder aberkannt worden war.
Ihre Berufslaufbahn nach dem Studium begann Schavan als Referentin bei der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk in Bonn, dessen Leitung sie 1991 übernahm. 1995 wurde Schavan als Kultusministerin nach Baden-Württemberg gerufen. Auch in der Bundes-CDU machte sie schnell Karriere. Von 1998 bis 2012 war die enge Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel stellvertretende Parteivorsitzende. Ende 2004 unterlag Schavan in Baden-Württemberg bei einer CDU-Mitgliederabstimmung über die Nachfolge des vorzeitig ausgeschiedenen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU).
In der Bildungspolitik stand Schavan viele Jahre für einen stramm konservativen Kurs. Umso mehr Überraschung löste sie aus, als sie 2011 für den CDU-Bundesparteitag ein Programm präsentierte, dass von Kritikern in der Union zunächst als Abkehr von der Hauptschule gedeutet wurde.
Plagiatsvorwürfe und entzogene Doktortitel haben in schon vor dem Fall Schavan so manchen Politiker in Bedrängnis gebracht. Andere prominente Beispiele:
KARL-THEODOR ZU GUTTENBERG (CSU) - Viele Passagen fremder Autoren in der Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers sorgten im Februar 2011 für Aufsehen. Wenig später erkannte ihm die Universität Bayreuth den Doktortitel ab. Nach heftigen Protesten der Opposition und in der Wissenschaft trat Guttenberg von seinen Ämtern zurück. Die Uni erklärte in ihrem Abschlussbericht, der CSU-Politiker habe vorsätzlich getäuscht.
SILVANA KOCH-MEHRIN (FDP) - Wegen Plagiaten in der Doktorarbeit der Europapolitikerin entzog die Universität Heidelberg ihr den Titel im Juni 2011. Koch-Mehrin war nach Bekanntwerden der Vorwürfe als Vorsitzende der FDP im Europaparlament und als dessen Vizepräsidentin zurückgetreten. Koch-Mehrin klagt den Titel derzeit vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe ein, nachdem ein Widerspruch gegen die Aberkennung bei der Universität erfolglos geblieben war.
JORGO CHATZIMARKAKIS (FDP) - Der Europaabgeordnete verlor seinen Titel im Juli 2011, da mehr als die Hälfte seiner Arbeit nach Angaben der Universität Bonn aus fremder Feder stammte. Zuvor waren im Internet Plagiatsvorwürfe laut geworden. Der FDP-Politiker kündigte an, er werde eine neue Arbeit vorlegen.
MARGARITA MATHIOPOULOS (FDP) - Die frühere FDP-Beraterin verlor ihren Doktortitel im April 2012. Ihre Dissertation sei in weiten Teilen abgeschrieben, entschied der Rat der Philosophischen Fakultät der Uni Bonn. Eine Klage dagegen wies das Verwaltungsgericht Köln im Dezember 2012 zurück. Mathiopoulos kündigte Berufung an. Das Urteil sei "rechtswidrig und nicht verfassungskonform".
(APA/dpa)
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1 Kommentare
Gast: Halbwissen meint
verfasst am 20:24 09.02.2013