24.02.2013, 19:11  von Micaela Taroni / Rom

Sorge um ein mögliches Patt in Italien

Starkomiker Beppo Grillo wettert gegen die „Kaste der Parlamentarier“ und will keiner Koalition angehören / Bild: EPA/Mascolo

Wahlen. Die italienischen Wahlen, die am Montag abgeschlossen werden, könnten ohne regierungsfähige Mehrheit enden, fürchten Montis Verbündete. Italien Starkomiker Beppe Grillo, der eine Regierungsbeteiligung ausschließt, könnte Mehrheit unmöglich machen. Chaos wäre die Folge.

Rom. Während die Italiener bis am Montag noch das neue Parlament wählen, wächst die Sorge vor einem Wahlergebnis, das das Land in die Unregierbarkeit stürzen könnte. Italiens Traditionsparteien warnen vor einem Szenario wie im vergangenen Jahr in Griechenland, wo nach dem ersten Urnengang keine Regierungsbildung möglich war und innerhalb von sechs Wochen zweimal gewählt werden musste.

Instabilität könnte vor allem die Protestbewegung „Fünf Sterne" um Starkomiker Beppe Grillo bringen, die eine demagogische Kampagne gegen die „Kaste der Parlamentarier", gegen Verschwendung im Politsystem und die Richtlinien der Europäischen Zentralbank (EZB) geführt hat.

20 bis 25 Prozent der Stimmen könnte die Bürgervereinigung holen, sagen Meinungsforscher, beinahe so viel wie die Partei von Silvio Berlusconi in ihren besten Tagen. Die Fünf-Sterne-Bewegung könne sogar mit bis zu 100 Mandataren zweitstärkste Einzelpartei werden. Da Grillo keine Allianz eingehen und in die Opposition gehen will, könnte sich für den Wahlsieger die Bildung einer tragfähigen Regierung als überaus schwierig erweisen.

„Kein Programm"

Der Favorit des Wahlkampfes - Mitte-links-Chef Pierluigi Bersani - appellierte an die Wähler, massiv seine Koalition zu wählen, um Italien ein politisches Chaos zu ersparen. Grillo wolle das politische System stürzen, habe jedoch keinerlei politisches Programm, mahnte Bersani. Er will eine Allianz mit dem Chef des Zentrumsblocks Mario Monti eingehen, um wirtschaftliche und politische Reformen fortzusetzen, die der Wirtschaftsprofessor im Vorjahr in die Wege geleitet hat.

Ob ihm das gelingt, hängt auch vom Wahlergebnis des Mitte-rechts-Blocks um Medienzar Silvio Berlusconi ab. Mit Slogans gegen „Montis verheerende Steuer-und Sparpolitik" träumt Berlusconi davon, wie in seinem goldenen Jahr 2008 die Mehrheit in Senat und Abgeordnetenkammer wieder zu erobern.

Helfen sollen dazu auch Ressentiments gegen die Deutschen: „Viele deutsche Politiker haben sich während dieses Wahlkampfes stark in die italienische Politik eingemischt", donnert Berlusconi, „diese schlechte Gewohnheit haben sie seit der Regierung Monti. Monti konnten sie sagen, was er tun und lassen sollte. Mit mir als Regierungschef war das nicht möglich", meinte Berlusconi.

 

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

24.02.2013, 19:09

Panik vor möglichem Comeback Berlusconis

24.02.2013, 16:12

Italien wählt - Mäßige Wahlbeteiligung

09:57

Einwanderungsentscheid: "Die Schweiz ist unberechenbar geworden"

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    3 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    Beppo Grillo will angeblich der Al-Kaida die Koordinaten für das italienische Parlament bekanntgeben. Bitte nicht die gesamte Munition verbrauchen, oberhalb des Alpenhauptkammes würden sich auch noch lohnenswerte Ziele anbieten... vorallem vom Süden her etwas rechts halten, dann wieder nach links einschwenken.. bis etwa zur Ringstraße... :-)

    verfasst am 25.02.2013, 10:39

    ... vorher einen Selbstdarsteller, nachher einen Komiker - wo ist da der Unterschied? Zweiterer kommt billiger in der "Erhaltung". Das ist Italien (seriöse Persönlichkeiten wie etwa Monti ausgenommen, aber diese werden ja offensichtlich nicht gewählt). Was kann uns Besseres passieren ? Endlich sprengt sich diese politische EU von selbst! Das garantiert zumindest dem Norden das Überleben...

    verfasst am 25.02.2013, 10:30

    Gast: jduees meint

    Ein Land das einen Komiker ins Parlament wählt hat einen an der Waffel. Keinen Cent für Italien wenn die Probleme kriegen mit dem Euro weil Sie nicht mal eine vernünftige Regierung wählen können. Dann sollen die austreten und wenn Sie Geld brauchen sollen Sie Südtirol verkaufen an den deutschsprachigen Raum wo es hingehört, die Rechnung ist sowieso noch offen!

    verfasst am 25.02.2013, 09:33

    09:40

    Oettinger für EU-Pkw-Maut: „28 verschiedene Mautsysteme wären grotesk"

    Die EU-Kommissare Günther Oettinger und Siim Kallas haben ihre Zweifel an den geplanten deutschen Mautplänen deponiert.

    19.04.2014, 18:39

    Moral vor Mammon: „Exot und Stachel zugleich in der Bankenwelt"

    „30 bis 40 Prozent unserer Kunden spenden einen Teil ihrer Zinsen für einen guten Zweck." So einfach sagt sich das bei der deutschen Steyler Bank die nach dem Motto "Moral vor Mammon" seit 1964 Gewinne für den guten Zweck schreibt.

    19.04.2014, 10:23

    Versprochen, nicht gebrochen: Renzi senkt in Italien Steuer für Niedrigverdiener

    Ab Mai würden rund zehn Millionen Italiener jeden Monat 80 Euro mehr in der Tasche haben, sagte Ministerpräsident Matteo Renzi am Freitag nach einer Kabinettsitzung.

    19.04.2014, 09:54

    Steuerflüchtlinge: "Zum Teil werden wir bei jedem dritten Auto fündig"

    Der Bargeldschmuggel aus der Schweiz nach Deutschland nimmt überhand. Zahlreiche Steuersünder versuchen zurzeit, Schwarzgeld aus der Schweiz zurück nach Deutschland zu schmuggeln.

    19.04.2014, 09:51

    VW, Daimler, BMW: Husten in China, Lungenentzündung in Deutschland

    In kaum einem anderen Land verdienen die Hersteller mit ihren Ober- und Mittelklassemodellen soviel Geld wie im Reich der Mitte. Vor allem VW hängt aber bereits am Puls von China.

    Umfrage

    • Wo liegt Ihr Notgroschen?
    • Am Girokonto
    • Sparbuch
    • Andere Anlageformen
    • Unterm Kopfkissen

    Die Redaktion empfiehlt