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DONNERSTAG, 20. JUNI 2013 03:24
24.02.2013, 16:12
Rom/Mailand. In Italien haben am Sonntag in der Früh zweitägige Parlamentswahlen mit unsicherem Wahlausgang begonnen. Viele Wähler seien unentschieden und würden erst im Wahllokal entschieden, wem sie ihre Stimme geben, berichteten italienische Medien. Zum ersten Mal seit 1994 könnte ein Polit-System mit vier Polen aus dem Urnengang hervorgehen.
Die Wahlbeteiligung zum Auftakt war niedriger als bei den letzten Parlamentswahlen vor fünf Jahren: Bis 12 Uhr hatten 14,9 Prozent der Wahlberechtigten gewählt - 1,6 Prozent weniger als bei den letzten Wahlen, teilte das Innenministerium mit.
Der Urnengang wurde am Sonntagvormittag von heftigen Schneefällen in Norditalien überschattet. In breiten Teilen der Lombardei, den Regionen Veneto und Emilia Romagna mit der Hauptstadt Bologna schneite es heftig.
Heute, Sonntag, und am Montag können die circa 50 Millionen Wahlberechtigten über 630 Abgeordneten- und 315 Senatorensitze bestimmen. An vorderster Front tritt die Mitte-Links-Allianz um Pierluigi Bersani gegen den Chef des Mitte-Rechts-Blocks, Ex-Premier Silvio Berlusconi an, der zum sechsten Mal als Spitzenkandidat in den Wahlring gestiegen ist. Der scheidende Premier Mario Monti hofft auf eine zweite Amtszeit als Regierungschef an der Spitze eines Zentrumsblocks.
In den letzten Umfragen vor den Wahlen führte die Mitte-Links mit ihrem Spitzenkandidaten Bersani. Dieser könnte dann ein Bündnis mit der Zentrums-Bewegung des amtierenden Ministerpräsidenten Monti bilden. Auf die Rückkehr an die Macht hofft der langjährige Regierungschef Berlusconi, der eine Rückerstattung von Steuern und die Anhebung von Kleinstpensionen versprochen hat.
Starker Außenseiter Grillo
Eigentlicher Sieger könnte jedoch die Protestbewegung des Komikers Beppe Grillo werden. Die Gruppierung könnte zur zweitstärksten Einzelpartei im neuen Parlament avancieren. Das könnte stabile Mehrheitsverhältnisse erschweren. Erschweren könnten eine Regierungsbildung aber auch unterschiedliche Mehrheiten in den beiden Parlamentskammern.
Die Wahllokale sind am Sonntag von 8 bis 22 Uhr und am Montag von 7 bis 15 Uhr geöffnet. Gewählt wird nach dem Proporzsystem, das im Dezember 2005 wieder eingeführt wurde. Exit Polls, also Wählerbefragungen, werden unmittelbar nach Wahlschluss am Montag veröffentlicht.
Zu den ersten Schwergewichten der italienischen Politik, die am Sonntag ihre Stimme abgaben, zählte Premier Monti. Dieser wählte mit seiner Frau Elsa in einem Mailänder Wahllokal unweit seiner Wohnung.
"Basta Berlusconi"
Auch Berlusconi gab in seiner Heimatstadt Mailand seinen Stimmzettel ab. Dabei kam es zu einem Zwischenfall: Im Wahllokal warteten drei Frauen auf ihn, die mit einer provokativen Oben-ohne-Aktion im Stil der ukrainischen Aktivistinnen von Femen gegen den Medienzaren protestierten. Sie wurden jedoch von der Polizei mit Jacken bedeckt und in Handschellen abgeführt. Auf dem Rücken trugen die drei Frauen den Slogan "Basta Berlusconi" (Genug von Berlusconi).
Die drei Frauen standen in einer wartenden Menge vor dem Wahllokal in Mailand, vor dem sich auch zahlreiche Journalisten versammelt hatten. Dann brachen die Protestierenden durch die Reihen und sprangen über mehrere Tische, um Berlusconi zu erreichen, was ihnen jedoch nicht gelang. Der rechtsgerichtete Berlusconi polarisiert die italienischen Wähler seit vielen Jahren, unter anderem auch durch seine Liebschaften mit jungen Frauen, flapsigen sexistischen Sprüchen und durch ausschweifende Partys.
Drei Regionalwahlen
Neben den Parlamentswahlen sind am Sonntag und Montag auch Regionalwahlen in drei Regionen - Lombardei, Latium mit der Hauptstadt Rom und Molise - angesetzt. Dabei sind fast 13 Millionen wahlberechtigt. Die Parlamente dieser drei Regionen waren in den vergangen Monaten infolge von Korruptionsaffären aufgelöst worden.
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