24.02.2013, 19:32

Konservativer Anastasiades wird Präsident von Zypern

Nikos Anastasiades darf weiter sparen: er wurde zum Präsidenten gewählt / Bild: EPA (KATIA CHRISTODOULOU)

Wahlen. Der Sparkurs-Befürworter siegt über Ex-Gesundheitsminister Malas, der den eingeschlagenen Sparkurs entschärfen wollte.

Nikosia. Der konservative Politiker und Sparkurs-Befürworter Nikos Anastasiades wird neuer Präsident von Zypern. Der 66-Jährige erhielt bei der Stichwahl am Sonntag nach offiziellen Angaben 57,5 Prozent der Stimmen und siegte damit über Ex-Gesundheitsminister Stavros Malas. Erste Aufgabe des neuen Staatschefs wird es sein, ein Hilfspaket der Eurostaaten für das schwer angeschlagene Zypern zu verhandeln.

Zypern hatte im Juni eine Anfrage auf Hilfe aus dem Eurorettungsfonds gestellt und benötigt nach eigenen Angaben rund 17 Milliarden Euro, vor allem für seine angeschlagenen Banken. Erhält der Staat keine Hilfe, droht ihm die Pleite. Die Euro-Finanzminister hatten entschieden, über den Antrag erst nach der Wahl eines neuen Staatschefs entscheiden zu wollen.

Der pro-europäische Anastasiades, der gute Beziehungen zur deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat, hatte sich im Wahlkampf für strikte Sparmaßnahmen ausgesprochen, um die Vorgaben der internationalen Gläubiger zu erfüllen. Zypern befinde sich an einem "Scheideweg", sagte der Chef der konservativen Demokratischen Sammlungsbewegung (Disy) bei der Stimmabgabe in der Küstenstadt Limassol. "Diese Wahl markiert den Beginn einer neuen Ära für Zypern."

"Die kommende Regierung steht vor großen Herausforderungen", konstatierte auch Malas bei seiner Stimmabgabe. Der 45-jährige Genforscher war erst 2011 in die Politik eingetreten und wurde im Wahlkampf von der kommunistischen Akel-Partei des äußerst unbeliebten scheidenden Präsidenten Demetris Christofias unterstützt.

Am Abend gestand Malas seine Niederlage kurz vor Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse ein. "Jetzt brauchen wir Geschlossenheit", sagte er in seiner Wahlkampfzentrale. "Aber wir werden strikt alles kritisieren, was den Interessen des Volkes oder des Landes widerspricht." Malas war im Wahlkampf für eine Entschärfung der Sparauflagen eingetreten.

Schrumpfende Wirtschaft

Zyperns Wirtschaft war 2012 um 2,3 Prozent geschrumpft. Für das laufende Jahr wird mit einem Rückgang um 3,5 Prozent gerechnet, eine Erholung nicht vor 2016 erwartet.

Insgesamt waren 545.000 Bürger zur Wahl aufgerufen. In Zypern herrscht Wahlpflicht, und theoretisch sind Bußgelder von mehreren hundert Euro möglich. Das entsprechende Gesetz wurde zuletzt jedoch zunehmend selten angewandt.

Einheit im Hintergrund

Vollkommen in den Hintergrund getreten ist im Zuge der Diskussion um die Krise das politische Schicksal der immer noch geteilten Insel. Zypern ist seit einem griechischen Putsch und einer anschließenden türkischen Militärintervention 1974 geteilt. Die internationale Gemeinschaft setzt darauf, dass der Wahlsieger schon bald die stockenden Verhandlungen über eine Wiedervereinigung mit dem türkischen Nordteils Zyperns vorantreibt.

 

(APA/AFP)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

11:08

Bad News für die EZB: 0,3 Prozent Euro-Inflation

08:02

Deutscher Einzelhandel mit größtem Umsatzplus seit Juni 2011

06:30

Satiriker Sonneborn piesackt EU-Kommissar mit süffisanten Fragen

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    29.09.2014, 21:08

    Anzeichen für Abkühlung mehren sich

    Erstmals seit mehr als einem Jahr zeichnet sich eine Abschwächung in der Industrie ab. Auch andere Indikatoren legen das nahe. 2015 soll es wieder bergauf gehen.

    29.09.2014, 20:48

    Madrid stoppt Katalonien-Referendum: "Gesetzeswidrig und antidemokratisch"

    Die spanische Zentralregierung will das geplante Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens vom Verfassungsgericht stoppen lassen – wie am Abend bekannt wurde, mit Erfolg. Ministerpräsident Mariano Rajoy legte am Montag Einspruch bei den Verfassungshütern gegen die Abstimmung ein, die er als gesetzeswidrig, "antidemokratisch" und "demagogisch" bezeichnete.

    29.09.2014, 18:16

    Flüchtlinge klagen über Missstände in Deutschland: "Sie behandeln uns wie Tiere"

    Die massiven Gewaltvorwürfe gegen Sicherheitspersonal in deutschen Flüchtlingsheimen wiegen schwer. Während die Polizei ermittelt, berichten die Bewohner einer Essener Notunterkunft von Gewalt und schlechten Lebensbedingungen.

    29.09.2014, 16:18

    Fahrdienst Uber weitet Angebot auf Taxis aus

    Der umstrittene Fahrgast-Vermittler Uber geht nach Gerichtsurteilen in die Offensive.

    29.09.2014, 15:59

    Flüchtlingsdrama: Mehr als 3.000 Tote allein 2014 im Mittelmeer – 40.000 tote Migranten seit 2000

    Im Mittelmeer sind dieses Jahr bereits mehr als 3.000 Flüchtlinge beim Versuch gestorben, nach Europa zu gelangen. Wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Montag mitteilte, wurde mit 3.072 Todesopfern seit Jahresbeginn der bisherige Höchststand von 2011 deutlich übertroffen.

    Umfrage

    • Wie stehen Sie zu dem Handelsabkommen TTIP?
    • TTIP sollte abgeschlossen werden
    • Zustimmung nur nach Entschärfung riskanter Punkte
    • Generell dagegen