18.03.2013, 17:30  von Stefan Ludwig

„Die Sparer in Zypern zu beteiligen ist Diebstahl“

Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich / Bild: WB/beigestellt

Interview. Die beiden Krisenpropheten sehen in Zypern den Vorläufer für weit schlimmere Eskalationen der Eurokrise. Sie raten, das Geld vom Bankkonto in Sicherheit zu bringen, so lange es noch geht.

Wien. In Zypern sollen Bankkunden teilweise enteignet werden. Von einem Tag auf den anderen sind ihre Einlagen weniger Wert - je nach Guthaben soll jeder Kontoinhaber mit bis zu 9,9 Prozent seines Vermögens den Inselstaat vor der Pleite bewahren.

Damit tritt teilweise ein Szenario in Kraft, dass die Buchautoren und Finanzberater Marc Friedrich und Matthias Weik vorhergesagt haben. In ihrem Buch "Der größte Raubzug der Geschichte" erklären sie in leicht verständlichen Worten die Finanzkrise und wie es dazu kommen konnte. Sie gehen davon aus, dass die Eurozone einen Neustart braucht - etwa in Form einer Währungsreform.

Das Buch entwickelte sich in kürzester Zeit zum Bestseller, wohlgemerkt völlig unerwartet. Der relativ kleine Tectum Verlag, der normalerweise beispielsweise Doktorarbeiten veröffentlicht, druckte zunächst 1000 Exemplare. Mittlerweile sind 50.000 Stück verkauft. Weik und Friedrich sind nun seit acht Monaten auf den Bestsellerlisten vertreten: Im Manager Magazin sind sie auf Platz 1, im Spiegel auf Platz 2 und im Handelsblatt auf Platz 3. 

WirtschaftsBlatt: Wie bewerten Sie den Tabubruch, Bankkunden in Zypern teilweise zu enteignen?
Marc Friedrich: Das ist absolut verheerend! Dieser unfassbare Entschluss wird als ein weiterer Brandbeschleuniger der Krise in die Geschichtsbücher eingehen. Dies hat nichts mehr mit Demokratie oder Kapitalismus zu tun. Es zeigt ein weiteres mal auf, wie desperat und ratlos die Protagonisten aus Politik und Finanzbranche sind. Die Zwangsenteignung der Bankkunden sendet ein verheerendes Signal an die Bürger und Sparer in ganz Europa sowie an die Investoren weltweit. Wieso soll man jetzt noch in Europa investieren, wenn man Gefahr läuft enteignet zu werden? Wieso soll ich mein Geld noch auf der Bank lassen wenn die Verzinsung nicht mal die Inflation deckt und ich dann noch für die spekulativen Exzesse der Banken haften muss?

Matthias Weik: Mit der Enteignung der Bankkunden ist eine weitere dramatische Eskalationsstufe bei der Bankenrettung gezündet worden. Immerhin haben sich ja nicht die Bankkunden verzockt sondern die Banken selbst. Die Sparer jetzt daran zu beteiligen ist nichts anderes als Diebstahl. Der größte Raubzug der Geschichte geht unvermindert weiter. Das ist ein weiterer Vertragsbruch von oberster Stelle gemäß der Richtlinie 2009/14 EG des Europäischen Parlaments und des Rates, in Hinblick auf die Deckungssumme der Einlagensicherungssysteme nach Artikel 7 Absatz (1a). Dort heißt es wörtlich: „Ab 31. Dezember 2010 gewährleisten die Mitgliedstaaten, dass die Deckungssumme für die Gesamtheit der Einlagen desselben Einlegers auf 100.000 Euro festgesetzt ist, wenn die Einlagen nicht verfügbar sind." Die EU und der Euro sorgen mittlerweile für eine beispiellose Serie von Vertragsbrüchen, Lügen und Betrug. Dies ist für eine Währung, die ausschließlich auf all unserem Vertrauen basiert, ein verdammt schlechtes und sehr dünnes Fundament. 

Sind Maßnahmen wie in Zypern auch in anderen Ländern denkbar?
Marc Friedrich: Ja. Zypern ist nur ein Testfeld. Wenn es dort funktioniert wird es überall klappen. Die Halbwertszeit der Rettungsaktionen wird immer kürzer, die Einschläge kommen aber immer heftiger, immer schneller und immer näher und vor allem werden sie immer teurer. Auch wenn von allen Seiten nun beteuert wird, dass dies eine einmalige Aktion bleibt muss man sich nur überlegen, was die Aussagen dieser Personen in der Vergangenheit wert war.

Matthias Weik: Bedenklich sollte jeden auch stimmen, daß der IWF und der deutsche Finanzminister Schäuble sogar 40 Prozent der Kundenkonten enteignen wollten. Dann allerdings wäre es am nächsten Tag in der kompletten Eurozone völlig zurecht zu einem Ansturm auf die Banken gekommen.

Was ist die Einlagensicherung bis 100.000 Euro jetzt noch wert?
Matthias Weik: Nichts! Das sehen wir jetzt in Zypern. Die Einlagensicherung bis 100.000 Euro war unserer Ansicht noch nie etwas wert und wird es auch in Zukunft nicht sein. Das sollte jetzt jedem in Europa klar sein. Wer das jetzt nicht begreift, dem ist nicht mehr zu helfen.

Marc Friedrich: Übrigens auch die erneute Garantie von Frau Merkel zur Einlagengarantie für deutsche Sparer ist Schall und Rauch. Diese Garantie ist völlig absurd, weil der Staat mit über zwei Billionen Euro in der Kreide steht und weil es sich um eine reine Absichtserklärung handelt, die nie in ein verbindliches Gesetz verankert wurde.

Wie können sich Kleinsparer gegen solche Maßnahmen schützen?
Matthias Weik: So drastisch es klingt, aber wenn man sich vor solchen Maßnahmen schützen will, muss man das Geld von der Bank holen. Wir sagen das schon lange. Geld gehört nicht auf das Konto, vor allem nicht in einer Niedrigzinsphase, sondern ins Schließfach oder unter die Matratze. Wir werden in Zukunft noch Sachen erleben, die wir momentan noch nicht mal erahnen können.

Ihre Thesen haben Marc Friedrich und Matthias Weik im Buch „Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden" (ISBN 978-3828829497) veröffentlicht. Es ist im Tectum Verlag erschienen und kostet 19,90 Euro.

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Kommentare

27 Kommentare

Gast: dad meint

schoenen guten Tag , leider ist die EU - Krise samt Geldvernichtung gut geplant von langer Hand , die Ratten .... also wir .... muessen von vorn anfangen .... danken wir Luzifer Angela !! Hugo Chavez hat es auf den Punkt gebracht - der Hoernermann samt Speichellecker regieren diese Welt , wachen wir endlich auf ... nichts in der Politik - diese Hure - geschieht durch Zufall , danke Luzifer Angela , dass Du uns alle ruinierst ..... danke an die Hochgradfreimaurer der ganzen Welt . Leute wacht endlich auf !!! wir werden seit Jahren vom S.... regiert , jetzt ist Endspiel

verfasst am 22.03.2013, 16:52

Gast: Chrism meint

Ich bin nur verwundert, daß sich die Krise so lange auf diesem Niveau hält. Ich hoffe, jeder hat Bargeld, Lebensmittel, Treibstoff für den Ernstfall vorrätig. In Deutschland sind zwei Wochen Eigenversorgung "vorgeschrieben", in der Schweiz eine längere Zeitspanne. Es können immer Schocks auftreten, wie jetzt in Zypern. Außerdem bitte bei Statis nachschauen, dort kann der Leser sämtliche Mittelabflüsse verfolgen, sollten die Medien nicht darüber berichten. Grüße Chris

verfasst am 20.03.2013, 22:32

Gast: Chrism meint

Das Buch ist für Unwissende aufklärend, für alle anderen aber kalter Kaffee. Einfach mal Bücher über die 30er Jahre lesen, über die Russland- oder Argentinien-Krise. Die Einlagensicherung garantierte jedes Land einzeln. An die Einlagensicherung der Österreicher und Deutschen möchte man erst gelangen durch die Zusammenlegung innerhalb der EURO-Zone. Wer in ein hochverzinstes Schneeballsystem investiert, kann sich doch nicht wundern, daß sein Geld weg ist. ->

verfasst am 20.03.2013, 22:17

Mehr Diebstahl als via höherer Steuern und Abgaben? Oder mehr Diebstahl als über den ESM?

verfasst am 20.03.2013, 15:07

Gast: Sonja meint

Danke Wirtschaftsblatt und danke Herr Ludwig für das großartige Interview!

verfasst am 19.03.2013, 18:51

Unsere Welt ist in jeder Hinsicht bankrott: finanziell, wirtschaftlich, gesellschaftlich und moralisch. Der Grund für die globale Misere ist ein Finanzsystem, das auf jegliche Werte verzichtet, und „Geld“ willkürlich und in beliebiger Menge in Druckerpressen oder per Tastendruck am Computer in elektronischer Form erzeugen kann, ohne dabei eine reale Leistung erbringen zu müssen. Der ehemalige Direktor der „Bank of England“ und zweitreichste Brite seiner Zeit, Sir Josiah Stamp, erklärte in einer Rede anlässlich der Abschlussfeier an der University of Texas im Jahre 1927 vor etwa 150 Studenten selbstkritisch und in unmissverständlichen, klaren Worten die Funktionsweise eines schuldenbasierten Weltfinanzsystems:

„….Das moderne Bankensystem erzeugt Geld aus dem Nichts. Dieser Prozess ist
vielleicht der erstaunlichste Taschenspielertrick, der jemals erfunden wurde.
Das moderne Finanzwesen wurde in Ungerechtigkeit gezeugt und in Sünde
geboren ... „
Die Bankiers besitzen die Erde. Wenn Sie ihnen diese wegnehmen, ihnen aber die Macht der Geldschöpfung lassen, dann werden sie mit einem Federstrich genug Geld schöpfen, um die Erde wieder zurückzukaufen....
Würde der Staat, das Volk als wahrer Souverän, alles Geld das er braucht, um Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten, Straßen, Brücken etc. zu errichten und zu unterhalten, würde der Staat dieses Geld selber aus der Luft schöpfen (Fiat Money) wie es die Privatbanken machen, dann bräuchte er keine Zinsen und wir keine Steuern zahln

verfasst am 19.03.2013, 14:55

Gast: Palat meint

Was gerade abläuft ist wirklich "Der größte Raubzug der Geschichte"
Die beiden Autoren haben leider recht.

http://www.larsschall.com/2013/03/18/bankrun-europa/

verfasst am 19.03.2013, 14:39

Wir haben die alle gewählt - und wir werden dafür bezahlen, nicht nur in einer Generation!!
Und:
Zypern wird Geld bekommen, auch ohne Verpflichtungen, denn es wurde als "systemrelevant" definiert.
Deshalb kann Zypern die Euro-Zone erpressen, wie Griechenland zuvor und weitere Länder demnächst....

verfasst am 19.03.2013, 14:15

Hat jemand gefragt wie und wo sich die Banken in Zypern refinanziern? Hat sich jemand mit dem Zinsniveau vor dem crash UND dem Antrag auf EU-Hilfe befasst? Vielleicht sieht die Welt dann anders aus.

verfasst am 19.03.2013, 11:08

Gast: Siggi meint

Das Buch der beiden Burschen ist Weltklasse. Ein Meisterwerk. Jeder Österreicher sollte es lesen. Hier steht alles drin was gerade geschieht. Weiter so Jungs! Bleibt euch treu und passt auf euch auf! Mein Segen habt ihr.

verfasst am 19.03.2013, 10:59

Endlich trauen sich mal Ökonomen die Wahrheit auszusprechen und zu schreiben.

verfasst am 19.03.2013, 10:06

Gast: fahy meint

"diebstahl" klingt schon ein bissl neureich.

verfasst am 18.03.2013, 22:49

Pointiert, klar und leider wahr.
Genauso wie ihr grandioses Buch. Für mich eines der besten Bücher der letzten Jahre. Ich habe es nun zum 3. Mal gelesen und finde immer was neues und vieles was sie geschrieben haben wird jetzt leider bittere Realität.

verfasst am 18.03.2013, 22:02

Wer wird wohl das nächste Mrd-PS-Kapital für diverse Ostbanken oder Politpleitebanken blechen?

Dreimal darf geraten werden.

verfasst am 18.03.2013, 21:51

Die Reichen werden nicht immer reicher !

Auf dem Papier mag dies der Fall sein, in der Realität sieht es aber anders aus.
In den letzten Jahren sind nur höhere Beamte reicher geworden !
Was nützt es wenn sich Aktienkurse verdoppeln aber Luxusimmobilien, Hotelpreise etc. ebenfalls ?
Was nützt es wenn sich die Luxusimmobilie im Wert verdoppelt aber wegen mangels an Alternativen diese nicht verkauft werden kann ?
Die Luft wird ebenfalls nicht besser und die Massen sind überall !

verfasst am 18.03.2013, 21:36

ihrem gastnamen nach und daraus resultierenden analysen tippe ich auf bundesangestellten

verfasst am 18.03.2013, 22:10

Ich schreibe schon seit Ausbruch der Krise 2008 folgendes !

Die Sparguthaben der Banken wurden vezockt und MÜSSEN deshalb entwertet werden !
Entweder durch Inflation oder Kapitalschnitt.
Natürlich könnte ein Dritter einspringen und das Kapital ersetzen. Aber wer sollte dies sein wenn alle Banken in Europa dieses Problem haben.

verfasst am 18.03.2013, 21:24

Diese Zwangsabgabe muss zwangsläufig zu einen enormen Kapitalabfluss führen, denn Manager, die weiter Geld in den maroden Staaten veranlagen laufen Gefahr einen Kridatatbestand zu begehen.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/532093_Sparer-sollen-Banken-retten.html

verfasst am 18.03.2013, 20:17

Pseudobankenrettung mit letztendlich gerantierter Benakeninsolvenz.
Wenn das Gesetz verabschiedet wird und die Banken letztlich wieder öffen, dann werden vermutlich viele der Anleger mit etwas mehr Geld am Konto, diese Konten leerräumen. Das heißt dann für die Banken erst Recht das Sie insolvent werden.
Wer immer diese Idee hatte, muss genauso wie Diejenigen die diese Idee durchgedürckt haben, schon ganz schön weich in der Birne sein. Wußte gar nicht das unsere Politiker jetzt verstärkt Demente Experten Beauftragen!

verfasst am 18.03.2013, 19:45

... Ach wären sie doch nur dement. Dann hätten sie die Eurokrise bereits vergessen. Stattdessen wird hier ein finanzieller Brandbeschleuniger geschaffen, der das Zeug zu einer Euro-Kernschmelze hat. Bravo. Gratulation! Übrigens hat die frech-zynische Bezeichnung eines privaten "hair cuts" das Zeug zum Unwort des Jahres 2013.

verfasst am 18.03.2013, 20:16

Genau so ist es. Was ist eine Einlagensicherung wert, wenn die Banken bankrott sind und der "garantierende" Staat ebenso. Nichts. Bei 80 % Staatsverschuldung (die natürlich weiter anwachsen wird) ist bei einem privatwirtschaftlich geführten Unternehmen bereits der Weg in die Marxergasse vorgezeichnet. Ja, dieses Interview ist fürwahr eines der ehrlichsten seit langem.

verfasst am 18.03.2013, 19:34

Eines der besten und ehrlichsten Interviews seit langem. Danke Wirtschaftsblatt!

verfasst am 18.03.2013, 19:19

bedenklich wen man sich für die ehrlichkeit, einer renomierten zeitung bedanken muss,
dieses buch wurde schon vor geraumer zeit in eu kritischen medien vorgestellt.
guten morgen kleiner bruder

verfasst am 18.03.2013, 20:45

Wers nicht glaubt lese bitte hier: "Gerichtsurteil zur Einlagensicherung: Staat muss nicht zahlen" http://www.start-trading.de/blog/2013/02/15/gerichtsurteil-zur-einlagensicherung-staat-muss-nicht-zahlen/

verfasst am 18.03.2013, 19:19

Gast: nobum meint

Zypern ist wie die Schweiz, A(?), Lux(?), Kayman, etc. eine Steueroase. Sie steht im Wettbewerb mit diesen. Jetzt müssen die (russischen, britischen etc.) Anleger wohl bezahlen (10, 15 % und weil die Kleinsparen nicht bezahlen wollen, wohl mehr), dafür bleiben sie auch anonym.

verfasst am 18.03.2013, 19:10

Gast: dödel meint

excellente analyse,man kommt in diesem land aus dem staunen nicht heraus***

verfasst am 18.03.2013, 20:59

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