10.11.2013, 18:30

Angriff auf die EZB: "Kalte Enteignung der Sparer"

Mario Draghi in der Kritik / Bild: EPA (FREDRIK VON ERICHSEN)

Europa. Die Senkung des Leitzinses durch die EZB auf 0,25 Prozent lässt Ökonomen auf die Barrikaden steigen: Sie sehen Nachteile für Sparer, Probleme bei Lebensversicherungen und die nächste Blase am Immo-Markt.

Frankfurt. Die Kritik an der Niedrigzinspolitik der EZB reißt nicht ab. Der deutsche Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sprach am Wochenende gar von Missbrauch. Die Probleme der Euro-Krisenstaaten würden so nicht gelöst. Harte Worte fanden auch Österreichs Banker. Michaeh Ikrath, Generalsekretär des österreichischen Sparkassenverbands, ortet etwa eine "kalte Enteignung der Sparer".

Der Chef des Münchner Ifo-Instiuts übte harsche Kritik an EZB-Präsident Mario Draghi. "Draghi missbraucht das Euro-System, indem er den Südländern Billigkreite gibt, die sie am Kapitalmarkt so nicht bekommen würden", sagte der Ökonom der "Bild"-Zeitung (Samstag). Die Rettung der Krisenländer sei nicht Aufgabe der EZB, sondern des dafür vorgesehenen Rettungsschirms.

Mittlerweile seien fünf Jahre verstrichen, ohne dass sich die Wettbewerbsfähigkeit in den Krisen-Staaten nennenswert verbessert habe, monierte Sinn. "Damit die Euro-Krisenländer mehr sparen und dringend überfällige Reformen umsetzen, brauchen sie höhere Zinsen, die ihrem höheren Konkursrisiko angemessen sind, nicht niedrigere Zinsen."

Viel Müll in den Bilanzen

Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther, hatte betont, die aktuellen Probleme in Südeuropa seien nicht durch Zinssenkungen zu lösen. "Denn das Problem liegt in den Bilanzen der dortigen Banken, die immer noch viel Müll da drin haben. Und man muss deshalb die Bilanzen bereinigen."

Am Donnerstag hatten Europas Währungshüter den Leitzins von 0,5 auf das historische Tief von 0,25 Prozent gesenkt. EZB-Präsident Draghi hatte den Schritt mit der niedrigen Inflationserwartung und der zögerlichen Konjunkturerholung begründet. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Allerdings gab es nach der EZB-Entscheidung zahlreiche kritische Stimmen. Das niedrige Zinsniveau entwertet Geldanlagen und stellt etwa Lebensversicherer vor große Probleme, angemessene Überschüsse für ihre Kunden zu erwirtschaften. Zudem droht eine Blasenbildung am Immobilienmarkt.

Zumindest hier gibt Sinn aber Entwarnung. Der Immobilienboom in Deutschland werde zwar in den nächsten Jahren anhalten, sagte er der "Wirtschaftswoche". Gleichzeitig widersprach er aber Warnungen, der Markt sei überhitzt. "Noch immer sind die deutschen Preise im internationalen Vergleich nicht sonderlich hoch." Keine deutsche Stadt halte dem Vergleich mit Paris oder London stand. Den Boom stoppen könnte erst ein Ende der Niedrigzinspolitik der EZB. "Aber solange der Euro existiert, ist das nicht zu erwarten."

Politische Union - oder Zerbrchen

Der langjährige Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, äußerte sich skeptisch zur Zukunft der Gemeinschaftswährung. "Der Euro ist nur mit einer politischen Union zu retten", sagte Greenspan der "Welt am Sonntag". Er glaube nicht daran, dass ein gemeinsamer Wirtschafts- und Währungsraum auf Dauer funktionieren könne, wenn er aus 17 Ländern mit 17 unterschiedlichen Sozialsystemen bestehe. "Die Eurozone braucht eine vollständige politische Union, entweder von allen Staaten oder nur von einem Kerneuropa. Das ist der einzige Weg, wenn die Eurozone nicht auseinanderfliegen soll", sagte Greenspan.

Der ehemalige Chef der Federal Reserve (Fed) äußerte Zweifel, dass es zu einer politischen Union in Europa kommen werde.

Unter diesem Link geht es zum WirtschaftsBlatt-Zinsvergleich.

Kommentar: Die wundersame Wandlung des Mario D.

(APA/dpa)

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Kommentare

16 Kommentare

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verfasst am 20.12.2014, 22:44

Gast: kritik meint

und alle Finanzleute klatschen ihm zu - so wird der Bürger ruiniert, damit die Banken weiter spekulieren können - gegen die Staaten und die Bürger....

verfasst am 18.12.2014, 19:37

Gast: kritik meint

Ist es nicht so, dass Herr Draghi von EZB maßgablich in der Bank in den USA tätig, die gegen den Euro spekuliert hat, so eine Aussage in einer Fernsehsendung - und jetzt will er den Euro sanieren - der Bock als Gärtner??

verfasst am 18.12.2014, 19:33

In der Tat, die Sparguthaben sind der Deckungsstock für die Kredite. Dumm für die Sparer, dass ihr Geld bereits vielfach "ausgegeben" wurde. Die dementsprechende Wertlosstellung dieses "Bürgschaften" wird nun konsequent
auch buchhalterisch angedacht. Der Datenträger dieser Eurorettung - SEPA-Lastschrift wird gerade erstellt.

verfasst am 11.11.2013, 12:51

Die Germans merken gar nicht, dass sie die ganze Union ruinieren wenn sie so weitermachen und immer nur die eigenen Interessen durchsetzen.

verfasst am 11.11.2013, 09:25

Da die Sparguthaben zum Großteil verspielt bzw. veruntreut wurden, müssen sie entwertet werden !

Inflation oder abschrieben, so lautet die Devise.

Enteignet kann nur etwas werden das noch da ist.
Aber den Sparbücher stehen nicht genügend Werte gegenüber.

verfasst am 10.11.2013, 17:53

für nötiges EK werden 1,3 biliionen gebraucht, für anschließende Bilanzbereinigungen wohl unzählige Billionen? wir retten nicht die 82% BIP, sondern unseren gesamtBIP mit 285% weil Firmen, banken und Länder gerettet werden, und das EU-weit. das sind nur 55 Billionen, und das ersparte wird nicht reichen.

verfasst am 10.11.2013, 16:01

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