27.02.2014, 14:20

EZB: Kreditklemme in Südeuropa!

Bild: dpa/Boris Roessler

Die anhaltende Kreditklemme im Süden der Euro-Zone bereitet der EZB vor ihrer nächsten Zinssitzung zusehends Kopfzerbrechen.

Insgesamt wurden im Jänner 2,2 Prozent weniger Darlehen vergeben als im Vorjahresmonat, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Damit fiel der Rückgang noch einen Tick höher aus als von Experten erwartet. Bei den Firmenkrediten erwiesen sich die Banken als besonders knauserig: In Spanien wurden rund zehn Prozent weniger an Unternehmen vergeben als im Vorjahr, in Italien waren es fünf Prozent weniger Darlehen. Zum Vormonat schrumpfte die Gesamtsumme der Firmenkredite im Währungsraum um zwölf Milliarden Euro.

Die schleppende Darlehensvergabe wird womöglich die EZB auf den Plan rufen: Um die Banken zu einer stärkeren Kreditvergabe anzuregen, könnte sie ihnen das Horten von Geld bei der Zentralbank mit einem Strafzins verleiden. EZB-Chef Mario Draghi hat dieses Thema schon mehrfach angeschnitten und erklärt, die Zentralbank sei dafür gerüstet. Derzeit liegt der Zins bei null, zu dem die Banken überschüssiges Geld bei der EZB parken können. Bei einer Senkung müssten sie also eine Art Strafgeld zahlen. Dänemark hat allerdings schlechte Erfahrungen mit diesem Kriseninstrument gemacht, da die Banken die Kosten umgehend auf ihre Kunden abwälzten.

"Erhebliche Deflationsrisiken"

Doch die schwache Kreditvergabe kann die EZB nicht kalt lassen, da sie nach Ansicht von KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner den Aufschwung behindert. Im schlimmsten Fall könne es am Ende zu einer konjunkturschädlichen Deflation kommen, also einem Preisverfall auf breiter Front: "Kapazitäten bleiben frei und Unternehmen müssen verstärkt in den Preiskampf. Das erhöht die erheblichen Deflationsrisiken in der Eurozone."

Auch um solche Gefahren abzuwehren, könnte die EZB auf ihrer nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag mit einer Leitzinssenkung reagieren. Der Schlüsselzins liegt derzeit auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent. EZB-Direktor Yves Mersch hatte jüngst betont, die EZB sondiere alle Optionen in einem "360-Grad-Winkel". Mit weiteren Maßnahmen der EZB könnte die Konjunkturampel endgültig auf Grün gestellt werden, hoffen Experten.

Die EU-Kommission traut der Euro-Zone nach zwei Rezessionsjahren einen Aufschwung zu. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr um 1,2 und 2015 um 1,8 Prozent wachsen, heißt es in der jüngsten Winterprognose.

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

22:19

Brüssel schmiedet Notfall-Pläne für Krisenbank Monte Paschi

21:41

Air-France wird ab Mittwoch eine Woche lang bestreikt

20:22

Lkw-Kartell: Anwälte gehen für geschädigte Unternehmen in Offensive

Kommentare

2 Kommentare

freigeld meint

Wo bleiben die Investitionen in Infrastruktur, Forschung, Bildung, Energiegewinnung, Raumfahrt, Sicherheit, etc.etc.?
Das soll Herr Draghi finanzieren und nicht die Zombiebanken die allesamt vor dem Abgrund stehen.
Dann hätten wir einen Aufschwung der die Leute wieder beschäftigt und ernährt, und eine soziale Sicherheit dazu.
So haben wir jetzt nur aufgeblähte Immobilienpreise und explodierende Kurse auf den Finanzmärkten.
Scheint nicht so gut zu laufen die immer wieder gleiche Taktik der Zentralbanken, oder?

verfasst am 28.02.2014, 10:29

Wer baut schon auf Kredit eine neue Fabrik wenn die arbeitslosen Kunden kein Geld zum kaufen haben ?

verfasst am 27.02.2014, 15:41

19:36

Rocket Internet will am FinTech-Boom mitnaschen

Die Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet und die Fintech Group wollen zusammen digitale Bankdienstleistungen für den europäischen Markt entwickeln.

19:06

HypoVereinsbank wechselt gleich zwei Vorstände aus

Die HypoVereinsbank (HVB) muss auf einen Schlag zwei ihrer sieben Vorstandsmitglieder ersetzen. Der neue UniCredit-Chef Jean Pierre Mustier baut die Führung des Konzerns kräftig um.

16:52

Schweizer Steuertransparenz "weitgehend konform"

In der Schweiz zeigt man sich nach dem OECD-Urteil naturgemäß erfreut.

16:32

Neue Fälle: Wie Offshore-Firmen dabei helfen, Afrika auszuplündern

Die Panama Papers zeigen, wie korrupte Politiker und Betrüger Milliarden US-$vom Rohstoffgeschäft in Afrika abzweigen.

16:24

Zahl der Beschuldigten im VW-Skandal gestiegen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig bestätigt die Ausweitung der Ermittlungen im VW-Skandal auf weitere vier ehemalige und derzeitige Mitarbeiter von Volkswagen.

Bundesländer