04.06.2014, 14:03  von Bloomberg/Leonid Bershidsky/schu

Das BIP, eine Farce: Sex und Drogen helfen Europas Wachstum auf die Beine

Amsterdams berühmtes Rotlichtmilieu und was dort erwirtschaftet wird zählt zum BIP – geschätzt. / Bild: Flickr.com/emilio labrador

Europa bekommt einen neuen Wachstumsmotor. In den nächsten paar Monaten müssen alle Länder der EU, die der Praxis noch nicht folgen, Drogen, Prostitution und andere illegale Geschäfte des Grauen Marktes in die Berechnung ihres BIP mit einbeziehen.

Ab September wird die Fassung des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung (ESVG) von 2010 für alle EU-Staaten verpflichtend, wenn sie ihre BIP-Zahlen vorlegen. Darin steht unmissverständlich: "Illegale wirtschaftliche Vorgänge gelten als Transaktionen, wenn alle beteiligten Einheiten einvernehmlich an ihnen teilnehmen. Beim illegalen Kauf, Verkauf oder Tausch von Drogen oder Diebesgut handelt es sich daher um Transaktionen, bei Diebstahl dagegen nicht."

Das vordergründige Ziel ist, die wirtschaftlichen Daten der Länder vergleichbarer zu machen. In relativ toleranten Staaten wie Deutschland, Ungarn, Österreich und Griechenland, wo Prostitution grundsätzlich legal ist, fließen die so erwirtschafteten Umsätze bereits in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ein. Anderen Ländern mit prüderen Gesetzen fehlt dieser statistische Bonus jedoch bisher.

Dasselbe gilt auch für Drogen. In den Niederlanden sind einige Rauschmittel entkriminalisiert und werden schon seit langem in der BIP-Berechnung berücksichtigt, während andere Länder davor zurückschrecken - statistisch zu ihren eigen Lasten.

BIP-Effekt für Italien: Bis zu zwei Prozent

Italien berücksichtigt bei den BIP-Zahlen bereits einen Großteil seiner Schattenwirtschaft, das Land wird nun aber noch weiter gehen müssen. Durch die Aufnahme von Drogen, Prostitution sowie Zigaretten und Alkohol auf dem Schwarzmarkt könne das italienische BIP um bis zu zwei Prozent steigen, schätzt Eurostat. Somit würden Prostituierte und Drogenabhängige Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi helfen, das Haushaltsdefizit unter die Grenze von drei Prozent des BIP zu drücken und einen Rückgang bei der Staatsschuldenquote aufzuweisen.

In Großbritannien, das auch schon Teile der Schattenwirtschaft zur BIP-Berechnung heranzieht, dürften die neuen Regeln das BIP von 2009 um etwas mehr als 0,7 Prozent verbessern. Die nationale Statistikbehörde hat noch keine Neuberechnungen für die folgenden Jahre vorgenommen.

Noch kurioser wird es, wenn man einen Blick auf die offizielle Methodologie wirft. So berechnet die niederländische Statistikbehörde den Drogenmarkt, indem sie die Zahl der starken Konsumenten aus Daten von Nichtregierungsorganisationen, die mit Abhängigen arbeiten, ableitet und die Gelegenheitskonsumenten anhand soziologischer Daten bestimmt. Bereinigt um Überschneidungen der Gruppen wird der durchschnittliche Drogenkonsum pro Tag dann buchstäblich geschätzt. Faktoren wie der Reinheitsgrad von Heroin im Straßenverkauf bleiben unberücksichtigt.

Der Preis beruht auf Angaben aus dem Internet

Und was den Preis der Drogen angeht, der basiert einem niederländischen Bericht von 2005 zufolge "auf Angaben aus dem Internet".

Die Schätzungen zur Prostitution sind in den Niederlanden etwas präziser, auch wenn Teile des Sektors noch immer im Dunkeln liegen. Schließlich sind Zwangsprostitution und Prostitution von Minderjährigen sowie nicht registrierte Freiberufler überall schwierig abzuschätzen. Es lässt sich berechnen, dass in Amsterdams berühmtem Rotlichtmilieu eine so genannte "Fensterprostituierte", also eine Sexarbeiterin mit eigenem Schaufenster, im Schnitt auf drei Kunden am Tag kommt.

Schwieriger wird es bei anderen Varianten der Branche. In dem Bericht des niederländischen Statistikamts von 2005 steht recht optimistisch: "Da Begleitdamen und Callgirls anreisen müssen, nehmen wir an, dass sie nur einen Kunden pro Abend haben."

Briten aktiver als Niederländer?

Die britische Statistikbehörde, die sich in ihrer Methodologie teils an niederländische Studien anlehnt, hält die Sexarbeiterinnen in Großbritannien für deutlich geschäftiger als in den Niederlanden: sie kommen auf etwa 25 Kunden pro Woche.

Die Annahme des Amtes, dass 58.000 Prostituierte in Großbritannien arbeiten, basiert übrigens auf einer zehn Jahre alten Studie einer Wohltätigkeitsorganisation.

Die Berechnung des BIP ist bekanntlich eine schwierige Sache. Doch jeder, der die methodischen Ausarbeitungen zu Drogen und Prostitution liest, wird Schwierigkeiten damit haben, die wirtschaftlichen Wachstumszahlen ernst zu nehmen.

Die Statistiker könnten noch weiter gehen, um die BIP- Schätzungen in eine Farce zu verwandeln. Sie könnten beispielsweise Bestechungen mit aufnehmen - ein ziemlich großer Posten. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beziffert die Kosten der Korruption auf fünf Prozent des globalen BIP. Nach Angaben der Weltbank fließen jedes Jahr mehr als eine Billion Dollar an Schmiergeldern.

Korruption würde auch eindeutig unter die ESVG-Definition einer freiwilligen Transaktion fallen. Im Grunde gibt es auch keinen großen Unterschied zwischen den Dienstleistungen einer Prostituierten und eines korrupten Bürokraten.

Um aussagekräftig zu bleiben, sollten die BIP-Berechnungen aber nicht mehr, sondern weniger inklusiv gestaltet werden. Natürlich wären sie noch immer den Schwächen der nationalen statistischen Systeme unterworfen, aber wenigstens gäbe es eine solide Vergleichsbasis. Den geltenden Regeln zufolge könnte ein Anstieg beim Heroinkonsum - selbst ein eingebildeter - einem Land zu niedrigeren Finanzierungskosten verhelfen.
Natürlich gibt es auch eine andere Lösung: Legalisierung.
Das würde eine verlässliche Berechnung der "einvernehmlichen" illegalen Vorgänge zulassen. Ob allerdings die Welt schon reif dafür ist?

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Kommentare

2 Kommentare

Wussten sie das sie sich schon wegen UNO - Recht global mit diesem Verhalten strafbar machen? Sie handeln Perversion und Keine Werte. In Griechenland war Prostitution so wie In Deutschland nie legal. Das haben Schwein legalisiert. Ihr Oberste sind die Kirchen. Sie verkaufen Krankheit. Bevor Die Amerikaner und die Russen diese Problem nicht lösen jetzt sofort, wird es Krieg geben. Global. Jeder Arzt sagt Ihnen das auch unser Bundespräsident krank und ein Sexualstraftäter ist.

verfasst am 10.06.2014, 15:23

traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast......BIP, Inflation, Budget, Verschuldungsgrad, Vermögen, ........

verfasst am 04.06.2014, 18:45

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