13.06.2014, 18:10  von APA/schu

Mr. Dax Dirk Müller: "Wer Schulden aus dem System entfernen will, muss die gleiche Menge Geldvermögen entfernen"

Mr. Dax Dirk Müller bringt die vom IWF vorgeschlagene Enteignung wieder auf dem Tisch. / Bild: Reuters

Bei einem Vortrag im Hypo Invest Club der Hypo NÖ hat der deutsche Broker Dirk Müller Sympathien für eine Vermögenssteuer gezeigt. Auch der Vorschlag des IWF, eine 10-Prozent-Abgabe auf alle Vermögen einzuführen, sei eine Möglichkeit.

Eine Steuer auf Geldvermögen hätte Sinn, wenn gleichzeitig Anreize geschaffen würden das Geld in Beteiligungen zu stecken, meinte der als "Mr. Dax" bekannte Autor: "Eigentum verpflichtet".  Idealerweise sollten die großen Privatvermögen in Infrastruktur investieren.

"Jeder hat ein Stück Autobahn", meinte der Autor, der sich grundsätzlich für Investments in Aktien aussprach. Auch WU-Professor Engelbert Dockner, Aufsichtsrat der Hypo NÖ, konnte bei der anschließenden Podiumsdiskussion Mittwochabend in Wien dem Gedanken einer Geldvermögenssteuer mit Anreizen für gesellschaftlich sinnvolle Investments etwas abgewinnen. So könnten Vermögende etwa in Universitäten und Forschung investieren.

Müller bringt IWF-Enteignungsvorschlag ins Spiel

Da den Schulden immer auch Forderungen, bzw. Vermögen, gegenüberstünden, würden im Zuge des Schuldenabbaus ohnehin auch die Vermögen schrumpfen müssen, meinte Müller. "Wer die Schulden aus dem System entfernen will, muss die gleiche Menge Geldvermögen entfernen". Dafür gebe es viele Wege - ein Haircut, also ein Schuldenschnitt für Gläubiger, wie derzeit bei der notverstaatlichten Hypo Alpe Adria-Bank geplant, sei da nur eine der Möglichkeiten. Der IWF habe etwa eine 10-prozentige Abgabe auf alle Vermögen erwogen, erinnerte er.

Angesichts des lahmenden Aufschwungs warnte Müller vor einer Abkühlung der Schwellenländer-Konjunktur. So seien etwa die Wachstumszahlen aus China rückläufig - und außerdem seien die Wirtschaftsdaten aus dem planwirtschaftlich organisierten Land nur mit Vorsicht zu genießen. Ein Einbruch der Konjunktur der Schwellenländer würde die Weltwirtschaft massiv treffen.

In der Ukraine-Krise sieht Müller die Europäische Union gefordert. Die EU sollte sich weder von den Interessen der USA noch von Russland bestimmen lassen, sondern eine eigenständige Politik verfolgen und die eigenen Ziele im Blick haben: Ein friedliches und geeintes Europa und gute Beziehungen zu Moskau. Trotz zunehmend EU-ablehnender Stimmen gerade in Deutschland und Österreich verteidigte er die Union als "Jahrtausendprojekt": In einer globalisierten Welt sei ein gemeinsames Europa erforderlich. Dabei sei aber auch Kritik notwendig: Die EU sollte nach außen eine gemeinsame Außenpolitik betreiben, aber nach innen keine "Gleichmacherei" anstreben, sondern die Besonderheiten verschiedener Nationen respektieren.

 

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Kommentare

7 Kommentare

Gast: sepia meint

Bisher habe ich die Meinung von Mr. Dax geachtet da sie mir vernünftig erschienen. Bei diesen Aussagen hier über die 10% Abgabe kommt es mir vor als würde er 180° von seinem bisherigen Standpunkt entfernt sein. Auch das Jahrtausendprojekt EU hab ich von Ihm anders in Erinnerung, aber naja.

verfasst am 13.06.2014, 10:09

Wenn sich die Unvermögenden plötzlich so für andere Vermögen interessieren, dann interessiere ich mich auch mal für die Vermögen von z.b. Schüssel, der Haiderwitwe etc. Nachdem der Zinsmarkt nicht zuletzt durch das Mitwirken der Polit-Finanzzuhälter ruiniert ist, müsste man für die ca. 12.000,00 EUR Monatsertrag des Schmallippigen am freien Markt inzwischen einen Kapitalstock von ca . 15 Mio besitzen. Angespart hat der Staat für W.Sch. natürlich nichts, also ist dieser "wohlerworbene" Kapitalstock als Vermögen anzusetzen und vermögend zu besteuern. Das gilt dann für alle "Altersversorgten" aus dem staats- und staatsnahen Bereich. Insbesondere anzuwenden bei der AK-Penison von Herrn Muhm, einer der typischen Figuren aus dem abgesicherten zwangsfinanzierten Staatsbereich, die das Wort Risiko immer gern den anderen anempfiehlt . Zur Beruhigung der Volksseele ist weiters die Haiderwitwenpension bis auf das Existenzminimum zu pfänden.

verfasst am 13.06.2014, 09:43

Das Mr. Dax jetzt auch als Enteignungsspezialist auftritt, schockiert mich etwas. Der Mittelstand soll also gerupft werden!
Die richtig Reichen, dass sind nicht die mit 1 - 2 Mio Vermögen, sondern die ganz Wenigen ab 20 Mio aufwärts, werden ihr Geld sicherlich schon auf die Caymans oder nach Hongkong verlegt haben.

Rupft man den Mittelstand, bleibt jedenfalls nicht mehr viel übrig. Ich werde mein Geschäft ab Herbst auf 3 Öffnungstage in der Woche zurückfahren. Wieso noch viel arbeiten, wenn einem der Staat kaum noch etwas lässt? Ich habe keine Lust dazu. Bedenkt man, dass wir Selbständige für unsere Rente selbst vorgesorgt haben und der IWF davon auch noch 10% unseren Bestes will, während sich die Politiker die Diäten erhöhen und durch UNS abgesichert sind, kann man nur noch mit dem Möbelwagen abstimmen, alles verkaufen und diese EU verlassen!

Wir leben doch bereits im real existierenden Sozialismus. Man muss sich nur seine Steuern und Abgaben anschauen, sowie die versteckten Steuern mitzählen. Dann bleiben einem gerade mal so 20 - maximal 25%!
Inzwischen strecken sehr viel andere leistungslos den Body in die Sonne!

verfasst am 12.06.2014, 23:40

also - irgendwie kann ich nicht glauben das herr müller das gesagt hat. in seinen büchern - die ich gelesen habe - kann ich nur eine starke abneigung gegen die untriebe des IWF herauslesen. in seinem letzten buch "showdown" spricht er sich gegen haircut, inflationierung etc aus. sein vorschlag war meines wissens eine "vermögenssteuer" die aber in warenwerte/investitionen umgelegt werden soll um das geld im umlauf zu halten. hier würde mich die quellenlage doch sehr interessieren

verfasst am 12.06.2014, 18:20

Na gut, Mr. Dax ist kein Österreicher, aber für einen angeblichen UNI-Professor sind derartige Aussagen ziemlich beschämend. Letzterer sollte nämlich wissen, dass seit der Steuerreform 1993 (!) mit der Endbesteuerung von Kapitalanlagen die Vermögensteuer, Einkommensteuer und Erbschaftsteuer bereits mit dem (damals) 22 %igen KEST-Abzug abgegolten sind (und zwar sogar im Verfassungsrang). Eine Vermögensteuer würde also bloß zu Umschichtungen und unterschiedlichen Fremdkapitalbelastungen in den Assetklassen führen... da waren wieder einmal die hellsten Köpfe am Podium... aber bei der Hypo Niederösterreich ist ohnehin noch einiges aufzuklären...

verfasst am 12.06.2014, 13:27

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