26.02.2016, 06:59  von Wolfgang Tucek, Sonja Gerstl

Österreich holt im digitalen Wettbewerb auf

Immer und überall online: Das ist schon heute oft Standard. Für den nächsten Schritt zur Digitalwirtschaft sind neue Technologien und Know-how gefragt. / Bild: iStock

Die vierte industrielle Revolution nimmt laut einer Studie in Österreich zwar Fahrt auf, noch fließt aber zu wenig Geld in den Infrastrukturausbau. Unternehmen wie Fabasoft zeigen vor, wie es geht.

Brüssel/Wien. Die Digitalisierung wird nicht nur die Gesellschaft verändern, sondern auch die bisherige Wirtschaftsstruktur. Voraussetzung dafür ist aber die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen. Gemäß einer Erhebung der EU-Kommission rangiert Österreich unter den 28 Mitgliedstaaten in puncto digitaler Wirtschaft derzeit auf Platz zwölf. Das sei keine Option, sagt Robert Bodenstein von der WKÖ. Als Hochpreisland mit dem Anspruch, Innovationsführer zu sein, gehöre man ins Spitzenfeld. Knackpunkte sind vor allem eine fehlende Standardisierung und Probleme bei Rechtssicherheit und Datenschutz, sagt Fabasoft-Cloud-Geschäftsführer Andreas Dangl. Hinderlich sind zudem Schrebergartenpolitik und Stimmungsmache gegen den Wandel.

EU-Strategie

Die Digitale Agenda weist in die Zukunft wie kaum eine andere Strategie der EU. Doch ist sie schwer greifbar. Zwei aktuelle Papiere machen die EU-Ambitionen klarer. Eine Rangliste der EU-Kommission zeigt, welche EU-Staaten auf dem Weg in Richtung digitaler Wirtschaft gut unterwegs sind, und wo es Aufholbedarf gibt. Österreich liegt an zwölfter Stelle unter den 28 Mitgliedstaaten. Es gehört mit den Niederlanden, Estland, Deutschland, Malta und Portugal aber zu jenen Ländern, die am raschesten aufholen. Den Niederländern hat das sogar zum zweiten Platz hinter Dänemark verholfen, Vorjahressieger Schweden ist auf den dritten Platz vor Finnland zurückgefallen. Die Schlusslichter sind Griechenland, Bulgarien und Rumänien.

Ein Strategiepapier der Plattform 5G PPP, die von EU und der IT-Industrie getragen wird, skizziert wiederum eindrücklich, dass es nicht um einen bestimmten Wirtschaftssektor geht, sondern um die Digitalisierung der gesamten Wirtschaft. Denn bis 2020 soll der Ausbau des neuen, viel schnelleren 5G-Standards für das mobile Breitbandinternet das sogenannte Internet der Dinge auf den Weg bringen. Die weitreichende Vernetzung soll Industrieproduktion, Energieversorgung, Straßenverkehr, Gesundheitswesen und die Medienlandschaft revolutionieren.

Leistbarkeit und Know-how

Auch die Indikatoren der EU-Rangliste zur Digitalisierung legen offen, wo die EU ansetzen will: Es wird die Konnektivität bewertet, also die Verfügbarkeit und Leistbarkeit von schnellem Breitbandinternet. Hier liegt Österreich nur auf dem 14. Platz. Zwar haben 89 Prozent der Haushalte schnelle Internetzugänge, im EU-Schnitt sind es nur 71 Prozent. Sie sind auch günstiger als im EU-Schnitt, in ländlichen Gebieten aber immer noch Mangelware. Bis 2020 will die österreichische Regierung eine 100-prozentige Abdeckung auf dem neuesten Stand der Technik erreichen.

Dann geht es um die digitalen Fertigkeiten: Österreich ist bei den einschlägigen Uni-Absolventen zwar hinter Großbritannien und Frankreich unter den Top drei. Der Anteil der IT-Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt liegt aber mit 3,8 Prozent nahe dem EU-Durchschnitt. 36 Prozent der Österreicher fehlen grundlegende digitale Kenntnisse wie die E-Mail-Nutzung, Text- und Bildbearbeitung oder das Installieren neuer Geräte. Im EU-Mittel sind 45 Prozent digital weitgehend ratlos.

Dann geht es um die Nutzung des Internets für den Medienkonsum, Bankgeschäfte, Kommunikation, Soziale Netzwerke und Online-Shopping. Diese Optionen werden in Österreich überdurchschnittlich angenommen. Unternehmen tun sich dagegen schwerer, die Vorteile des Internets zu nutzen. 65 Prozent der EU-Bürger kaufen online ein, doch nur 16 Prozent der europäischen KMU bieten ihre Dienste und Produkte auch im Netz an, in Österreich noch weniger. Schließlich nimmt die EU auch Online-Lösungen der öffentlichen Verwaltungen unter die Lupe. Hier ist das heimische Angebot überdurchschnittlich, besonders gut angenommen wird es aber nicht.

In all diesen Bereichen soll auch das 5G-Internet eine Wende bringen. Im Jahr 2020 ist das Internet der Dinge wohl keine Nische mehr. Bis dahin seien rund 25 Milliarden Objekte miteinander vernetzt, schätzt Ericsson – weit mehr als Mobiltelefone.

Chancen und Forderungen

Die digitale Revolution sei bei der breiten Masse zwar noch nicht angekommen, sagt WKÖ-Spartenobmann Robert Bodenstein. Viele heimische Betriebe seien aber schon gut aufgestellt. Jetzt müsse es viel mehr Geld für den Infrastrukturausbau und neue gesetzliche Regelungen geben, zum Beispiel müssten Investitionen in Industrie 4.0 abschreibbar sein.

„Digitalisierung und Industrie 4.0 bringen erhebliche Möglichkeiten für Österreich“, sagt auch IV-Generalsekretär Christoph Neumayer: „Unsere Voraussetzungen sind gut: Eine starke Industrie, viele Hochtechnologie-Unternehmen, qualifizierte Fachkräfte. Diese Assets dürfen jetzt nicht durch Schrebergartenpolitik und Stimmungsmache gegen den Wandel verspielt werden.“

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