14.03.2016, 20:41  von Ann Kathrin Hermes

Sporthändler lässt Kunden für Beratung zahlen - "Wissen ist Rabatt"

Der Sporthandel gilt als sehr beratungsintensiv / Bild: WB/Elke Mayr

Kunden lassen sich ausführlich im Geschäft beraten und kaufen anschließend das Produkt online. Für viele Einzelhändler wird das zunehmend zum Problem. Ein Sporthändler aus der Schweiz wirkt dem entgegen.

"Das Internet ist als Fluch und Segen zugleich", sagt Beat Zürcher, Geschäftsführer von Intersport Frutigen. Frutigen ist eine Gemeinde im Kanton Bern - rund 7.000 Einwohner leben dort.

Der Schweizer sorgt mit seinem Verkaufskonzept aktuell für Aufsehen. Seine Kunden müssen die Beratung bezahlen, bei einem Lehrling im ersten Jahr sind es 24 Franken, rund 22 Euro, bei einem Spitzenverkäufer 75 Franken, rund 68 Euro, in der Stunde. 

Damit will man einem wachsenden Problem entgegenwirken: Kunden, die sich im Laden kompetent beraten lassen, das Produkt aber anschließend im Internet kaufen. "Das ist zwar unangenehm und nicht fair aber die Kunden sind nicht das eigentliche Problem." Vielmehr sieht Zürcher das Problem in der Preisdarstellung im Internet. "Der Preisvergleich im Internet ist nicht korrekt. Es wird nur das Produkt, aber nicht die Atmosphäre oder der Mensch, der Berater verglichen."
Ein Geschäft könne demnach nicht den gleichen Preis anbieten wie ein Online-Händler, so der Sporthändler.

Der Clou an Zürchers Konzept: Bei einem Kauf wird die Beratungsgebühr fällig, es gibt aber einen Rabatt von 20 Prozent auf die Ware. Zudem erhält auch jener, der ohne Beratung weiß, was er will, einen Preisnachlass von 20 Prozent. Damit kommen die Kunden wieder in den Laden.

Beat Zürcher mit Tochter

Beat Zürcher mit Tochter / Bild: Beat Zürcher

Viele Kunden würden nun bestens informiert in den Laden kommen und ohne Beratung einkaufen. "Es kommen auch Kunden mit Unterlagen aus dem Internet ins Geschäft und fragen, ob wir diesen Artikel haben."

Physischer Online-Shop

Seit September vergangenen Jahres gibt es das Konzept. "Wir haben den Eingang mit einem kleinen Umbau geändert . Die Kunden laufen neu durch einen Tunnel; links und rechts mit dem Hinweis "Wissensrabatt - Wissen ist Rabatt" - ein "physischer Online-Shop", wie Zürcher es nennt.

Das Konzept einer mit einem Dauerrabatt verbundenen Beratungsgebühr lässt auch andere Einzeländler aufhorchen. "Bankdirektoren, Eisenwarenhändler, Optiker waren sehr an der Idee interessiert; ich musste viel erklären", so Zürcher gegenüber wirtschaftsblatt.at.

Beat Zürcher ist überzeugt, dass im Einzelhandel neue Wege des Verkaufs gefunden werden müssen. Wie diese aussehen sollen, sei "Unternehmersache".

Auf Nachfrage bei Intersport Österreich, wollte man zu dem Schweizer Konzept keine Stellung nehmen.

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Kommentare

3 Kommentare

Anders wird es nicht gehen, wenn man auch noch in ein paar Jahren eine funktionierende Nahversorgung erhalten möchte. Abgesehen davon bleiben damit die Wertschöpfung, die Arbeitsplätze und die Steuern im Lande, während zur Zeit die Online-Multis ganz entspannt billiger sein können, weil sie sich viele Nebenkosten "ersparen". (Ertragssteuern, Abfallentsorgungsverpflichtung, Festplattenabgabe, U-Bahn-Steuer, Luftsteuer, u.v.m., über die sich Amazon & Co bestens vor Lachen den Bauch halten)

verfasst am 14.03.2016, 19:06

...bestenfalls...

verfasst am 14.03.2016, 19:08

biker meint

Vollkommen richtig, damit fallen endlich die "Abstauber" auf die Schnauze. Leistung kostet und wer ohne Beratung im Internet kaufen will, der hat ja kein Problem damit........

verfasst am 14.03.2016, 16:26

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