03.11.2010, 18:42  von Beatrice Bösiger

„Kofola ist nicht einfach eine Kopie von Coca-Cola“

Bild: kofola

Kofola-CEO Jaroslav Bartak im Interview über die feinen Unterschiede zwischen Getränken, die Folgen der Krise für die Getränkebranche und Nostalgie als Erfolgsfaktor. Er spricht beim 3. "Grow East Congress" in Wien über den Relaunch einer Marke.

WirtschaftsBlatt: Die Marke Kofola ist in Österreich noch nicht wirklich bekannt. Wie schmeckt das Getränk eigentlich, ähnlich wie Coca-Cola?
Jaroslav Bartak: Kofola ist ein kohlensäurehaltiges Getränk, das Koffein enthält. Es ist aber nicht einfach eine Kopie von Coca-Cola oder Pepsi, sondern schmeckt leicht bitter und enthält auch in der normalen Version viel weniger Zucker.

Wo kommt das Rezept für das Getränk eigentlich her?
Im ganzen Unternehmen kennen nur fünf Mitarbeiter das Rezept, nicht einmal ich kenne die detaillierte Zusammensetzung. Ich kann nur so viel sagen, es ist eine Kombination aus verschiedenen Kräutern. Erfunden wurde Kofola 1960 von einem Pharmaunternehmen. Das Unternehmen forschte nach einem Verwendungszweck für den Überschuss an Koffein, der bei der Kaffeeröstung entstand. Daraus wurde dann eine Alternative zu kapitalistischen Cola-Getränken wie Coca-Cola oder Pepsi erfunden. Diese gab es in den 60er- und 70er-Jahren zwar zu kaufen, aber sie waren sehr teuer. Schwieriger wurde es für Kofola nach der Samtenen Revolution 1989. Damals begannen die großen internationalen Marken auf den tschechoslowakischen Markt zu drängen. Da mussten viele traditionelle Marken zusperren. Erst 2000 ist Kofola dann wieder auferstanden.


Wie ist es zur Wiederbelebung der Marke gekommen?
1993 wurde der staatliche Softdrink-Produzent Nealko Olomuc privatisiert. Im Jahr 2000 haben wir dann wieder mit der Produktion begonnen. 2002 haben wir die Rechte am Namen Kofola sowie das Originalrezept um 215 Millionen tschechische Kronen (rund 8,7 Millionen €, Anm.) gekauft. 2003 eröffneten wir unsere erste Tochtergesellschaft in Polen. Heute hat die Kofola Gruppe rund 2500 Angestellte und wir sind neben der Tschechischen Republik und der Slowakei auch in Polen und Russland vertreten.

Hat der Erfolg von Kofola nicht auch eine nostalgische Komponente, immerhin erinnert das viele Konsumenten auch an ihre Jugend?
Ein Teil des Erfolges von Kofola ist sicher nostalgisch bedingt. Auch wie ich die Schule besucht habe oder nach dem Sporttraining, so hat es immer Kofola zu trinken gegeben. Aber wir ruhen uns nicht auf unserem Erfolg aus, sondern wir haben auch neue Marken ins Leben gerufen. Zum Beispiel sind wir im Bereich Softdrinks für Kinder sehr erfolgreich.

Wie hoch ist denn heute der Marktanteil von Kofola?
In unserem Unternehmen trägt die Marke Kofola 40 Prozent zum Umsatz bei. In der Tschechischen Republik zum Beispiel haben alle Marken von Kofola zusammengerechnet bei den Softdrinks den dritten Platz inne, zwischen Coca-Cola und Pepsi. Betrachten wir nur Cola-­Getränke, so hat Coca-Cola ­
einen Anteil von 45 Prozent, wir haben 32 und Pepsi elf Prozent.

Sie sind bis jetzt ausschließlich in Osteuropa tätig. Wie interessant ist der österreichische Markt?
Wir führen im Moment Verhandlungen über den Export unserer Produkte nach Österreich. Wir hoffen, dass wir noch heuer mit dem Export beginnen können.

Einige Märkte in der CEE-­Region wurden von der Wirtschaftskrise stark getroffen. Wie wirkt sich das auf Ihre Branche aus?
Das wirtschaftliche Umfeld ist immer noch hart. Unsere Branche ist sehr wettbewerbsintensiv, alle großen internationalen Player sind am Markt vertreten und der Kampf um die Kunden sehr hart. Diese wiederum versuchen, möglichst viel über ­Rabatte und Aktionen zu kaufen, was den Druck auf die ­Erträge erhöht.

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

Das wirtschaftliche Umfeld ist ­immer noch sehr hart

Jaroslav Bartak, CEO Kofola

Links zum Thema

Mehr aus dem Web

Kommentare

0 Kommentare

Verbleibende Zeichen: 1500

    Austrian Airlines
    von
    nach
    Hinflug
    Rückflug
    Personen