01.11.2010, 15:23  von André Ballin

„Der hohe Goldpreis ist ein Problem für uns“

Bild: Ballin

Sind Diamanten die härteste Währung der Welt? Der General­direktor der Moskauer Juwelierfabrik, Jewgeni Gussew, spricht über Anlagen in Juwelen und typische Käufer.

Was macht die Moskauer Juwelierfabrik?
Die Moskauer Juwelierfabrik ist eine AG. Sie ist Teil einer Gruppe, zu der auch die bekannte Africa Israel gehört, die unter anderem Edelsteine und Gold fördert. Die Fabrik selbst stellt nur Schmuck her und verkauft ihn. Die Rohstoffe kaufen wir entweder innerhalb der Gruppe oder auf dem Markt. Wir verkaufen das, was wir selbst produzieren oder im Ausland kaufen.

Wie sieht der typische Käufer von Juwelen aus?
Laut unseren Untersuchungen unterscheiden sich die Käufer von Region zu Region sehr stark. Daher gibt es kaum einen durchschnittlichen Käufer in Russland. Es gibt mehrere Kategorien von Käufern: Das sind erfolgreiche Geschäftsfrauen im mittleren Alter, die sich etwas leisten wollen oder aber auch ganz junge Frauen, denen Juwelen entweder zu einem bestimmten Anlass wie einer Hochzeit, oder einfach so, eben aus Liebe, geschenkt werden. Aber im Allgemeinen sind es natürlich Frauen.

Wie hat sich die Krise auf den Juwelenmarkt ausgewirkt?
Es ist schwer den Markt einzuschätzen, aber dem allgemeinen Empfinden und den Zahlen von RosStat nach ist der Markt 2008/2009 um mindestens 20 bis 30 Prozent gefallen. Wir wurden im Prinzip nicht in Mitleidenschaft gezogen, weil wir uns schon 2008 nicht der allgemeinen Euphorie unterworfen haben und Kosten senkten. 2009 haben wir sie sehr drastisch gekürzt. Dadurch haben wir die Hauptaufgabe - zu überleben - gelöst und konnten sogar noch den Umsatz steigern. Zu unserer Freude und Überraschung haben wir den Umsatz um über 50 Prozent gesteigert. Wir haben uns also einen ­großen Teil des Marktes einverleibt.

Hat Ihre Aktion „Brillanten als Investment" zum Erfolg beigetragen?
Wir bieten dieses Produkt seit über einem Jahr an. Verkauft werden die Brillanten mit einem Zertifikat, eingefasst in eine spezielle Verpackung. Wir bieten unseren Klienten diese Brillanten tatsächlich als Wertanlage wie Gold oder Silber an. Bleibt die Verpackung ungeöffnet, können sie diese Brillanten auch an uns zum Preis der New Yorker Diamantenbörse Rapaport rückverkaufen. Das ist in gewisser Hinsicht also ­tatsächlich ein Investitionsobjekt.

Wie gut ist denn das Investment?
Die Preise für Diamanten sind in den letzten Jahrzehnten gefallen, nun kehrt sich die Tendenz um. Im vergangenen Jahr sind die Preise um mindestens 20 bis 30 Prozent gestiegen. Dieser Trend wird meiner Meinung nach anhalten, weil viele Diamanten­förder-, aber auch Juwelierbetriebe während der Krise schließen mussten. Das wird sich stark auswirken.


Haben Sie keine Angst, dass der Goldpreis verfällt, immerhin gilt Gold ja als Krisenwährung?
Für uns wäre das nur gut. Gold ist für uns ein Rohstoff, und ein ziemlich teurer dazu. Wir verdienen nichts am hohen Goldpreis. Die Fabrik lebt davon, dass sie Gold und Diamanten kauft und sie verarbeitet. Allein diese Verarbeitung bringt uns Gewinn. Es klingt vielleicht paradox: Aber mit dem Steigen des Goldpreises sinkt unser Gewinn. Erstens ist es schwerer, unsere Waren zu verkaufen und zweitens ist es schwerer, ­einen Aufpreis zu erklären, denn auch so scheint den Käufern Schmuck schon zu teuer. Dass Gold 1300 $ kostet, ist für uns Juweliere ein großes ­Problem.

Die Krise ist offiziellen ­Angaben nach vorbei. Spürt der Juwelenmarkt diesen Aufschwung?
Wir sind ein stark wachsendes Unternehmen. Im letzten Monat haben wir ein Plus von 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr gehabt. Während der Krise haben sich die Ausgaben unserer Klienten verringert. Lag die durchschnittliche Rechnung vor der Krise bei etwa 10.000 Rubel (damals knapp 300 €), so sank sie im vergangenen Jahr auf 8500 Rubel (190 €) ab. Jetzt steigt sie wieder auf 9000 Rubel. (225 €)

Gibt es Ausbaupläne?
Eher nicht, der Juweliermarkt gehört zur Modeindustrie. Es geht nicht darum, am Fließband möglichst viel zu produzieren, sondern darum, den Geschmack des Kunden zu treffen. Der Kunde will modischen Schmuck mit neuem Design. Es gibt keinen Schmuck, der vor 20 Jahren verkauft wurde und den wir heute noch verkaufen können.

Wie dynamisch entwickeln sich denn Markt und Geschmack?
Wer fähig ist, sein Sortiment schnell zu wechseln und den Geschmack des Kunden zu treffen, der ist erfolgreich. Alle sechs Monate wird ein großer Teil unserer Kollektion aussortiert, während neue Schmuckstücke hinzu­kommen. Im Jahr wird so die Hälfte des Sortiments ausgetauscht.

 

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Offiziell feiert die Juwelier­fabrik heuer ihren 90. Geburts­tag, einer ihrer Vorgänger wurde allerdings schon 1918 gegründet. In den 90er-Jahren wurde die Fabrik privatisiert, sie gehört nun dem Milliardär Lew Lewiew. 2009 lag der Reingewinn des Unternehmens bei 413 Millionen Rubel (zehn Millionen €.). Lewiew, 1956 in Buchara geboren, wanderte 1971 nach Israel aus, wo er mit einer Diamantenschleiferei reich wurde. Mit Beteiligungen an Diamantenminen in Afrika und Russland ist er der schärfste ­Konkurrent des Diamantenhändlers De Beers.

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