29.02.2012, 10:31  von sbr

Moskau senkt Daumen über Minsk

Bild: epa

Weissrussland. Die Auszahlung eines Hilfskredits in Höhe von 440 Millionen US-$ wurde von der Eurasischen Wirtschaftsunion gestoppt.

Minsk/Moskau. Es ist keine gute Woche für den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko: Nachdem die EU diese Woche weitere Sanktionen gegen Minsk beschlossen hat, setzen auch die Nachbarn im Osten die Daumenschrauben an. Die Auszahlung der dritten Tranche eines Hilfskredits in der Höhe von 440 Millionen US-$ wurde von der Eurasischen Wirtschaftsunion - unter Führung Russlands - auf Eis gelegt.
Moskau hat Minsk im Verdacht, die Lage nach dem Beinahekollaps im letzten Jahr auf die leichte Schulter zu nehmen. Eine veritable Währungskrise hatte den Weißrussen 2011 eine Inflation von 109 Prozent beschert. Die Russen eilten dem Nachbarn mit einem Hilfskredit über drei Milliarden US-$ zu Hilfe.

Löhne sollen steigen

Die Krise sei aber nunmehr vorbei, heißt es aus Minsk. Lukaschenko hat den Weißrussen bis zu den Parlamentswahlen im Herbst höhere Löhne in Aussicht gestellt - eine Maßnahme, die aber schon vor den Präsidentschaftswahlen 2010 die Inflation angeheizt hatte.
Zudem will Minsk den Leitzins senken. Der wird aber auch nach der Senkung - von bisher 43 auf 38 Prozent - der weltweit höchste sein. Er war im Kampf gegen die Inflation so stark angehoben worden.
Das Ziel, die Inflation bis Ende 2012 auf 19 Prozent zu drosseln, wird von Experten angezweifelt. Der IWF rechnet mit einer Teuerung von 35 Prozent. Als kein besonders gutes Zeichen kann indes die Schaffung eines 200.000-Rubel-Scheins gewertet werden, der Mitte Februar das Licht der Welt erblickte. Gegenwert ­derzeit: 18,31 €.

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Als Reaktion auf die Sanktionen der EU hat die weißrussische Regierung gestern die Botschafter der EU und Polens des Landes verwiesen. „Der Diktator verbrennt die letzten Brücken“, kommentierte Schwedens Außenminister Carl Bildt über Twitter. Zudem wurden der weißrussische EU-Botschafter sowie jener in Polen nach Minsk zurückbeordert. Österreich will nun den weißrussischen Botschafter in Wien, Valery Voronetsky, ins Außenministerium zitieren.

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