03.10.2012, 19:32  von Simone Brunner

Wiener wollen sich aus UkrTelekom zurückziehen

Milliardär Rinat Achmetow steht vor dem Zuschlag für UkrTelekom / Bild: EPA/Ghement

Das Abenteuer „UkrTelekom" möchte die Finanzgruppe Epic bald beenden. Berichten zufolge ist der Oligarch Rinat Achmetow ein heißer Kandidat für die Übernahme.

Kiew/Wien. Der Wiener Finanzinvestor Epic will seinen Anteil an der größten ukrainischen Telefongesellschaft UkrTelekom verkaufen. Der Zeitung „Kommersant" zufolge soll dabei kein geringerer als der führende ukrainische Oligarch Rinat Achmetow zuschlagen. Der Deal um die Übernahme eines Minderheitenpakets sei kurz vor dem Abschluss, so ein nicht namentlich genannter Insider gegenüber der Zeitung.

Einziger Bieter

Erst im Mai 2011 hatte die Epic 92,79 Prozent an der ukrainischen Telefongesellschaft erworben. Kostenpunkt: 10,757 Milliarden Griwna (damals 964 Millionen €). Es war die erste große Privatisierung, nachdem Präsident Viktor Janukowitsch 2010 ins Präsidentenamt gekommen war. Ausländische Konzerne wie die Deutsche Telekom, France Telecom oder die russische VimpelCom waren für den Kauf nicht zugelassen, Epic war damals der einzige Bieter.
Dass die Wiener ihren Anteil mittelfristig verkaufen möchten, wird von Peter Goldscheider, Managing Partner bei Epic, zwar bestätigt: „Wir haben eine Menge Optionen, die wir uns alle in Ruhe überlegen." Dass UkrTelekom als einziges ukrainisches Unternehmen über die 3G-Technologie verfügt, bringe sie in eine „relativ komfortable Position", so Goldscheider. „Derzeit ist aber leider niemand bereit, so viel zu zahlen, dass es für uns interessant wäre". Die Aussichten für UkrTelekom sind derweil nicht gerade rosig: Zu zögerlich sei mit der Tochter „TriMob" der Einstieg in die Mobilfunksparte erfolgt, das Umsatzminus von drei Prozent im zweiten Quartal dieses Jahres sei somit erst der Anfang, so Analysten. Mit starken Rückgängen im Festnetzsektor sei unbedingt zu rechnen, so Anlysten der Investmentbank Sokrat. Dass der Gewinn im ersten Halbjahr auf 124,3 Millionen Griwna (11,7 Millionen €) von einem Verlust im Vorjahr deutlich gestiegen ist, sei einzig einer großen Kündigungswelle zu verdanken, so die Analyse von Concorde Capital.

Mehr Einfluss

Achmetow, der über seine Gruppe System Capital Management (SCM) weite Teile des ukrainischen Energiesektors dominiert, könnte durch die Übernahme auch im Telekomsektor eine Größe werden. SCM ist bereits am Mobilfunkanbieter Astelit und dem Festnetzanbieter Vega beteiligt. Achmetow, der wie Janukowitsch aus Donezk ist, gilt als einer der Financiers für Janukowitschs Wahlkämpfe. Über ein Naheverhältnis der Wiener Gruppe mit der Donezker Geschäftswelt war immer wieder spekuliert worden. Goldscheider hatte die „Strohmannfunktion" des Epic-Kaufs stets dementiert.

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