05.10.2012, 10:58  von Beatrice Bösiger

Jubiläum mit Herausforderungen

Russlands Präsident Wladimir Putin / Bild: Kovalenko

Russland. Diesen Sonntag feiert Wladimir Putin seinen 60. Geburtstag. Wirtschaftspolitisch warten mit der Modernisierung des Landes Herausforderungen auf den Präsidenten.

Moskau. Wenig war im Ausland über Wladimir Putin bekannt, als er im Sommer 1998 vom damaligen Präsidenten Boris Jelzin zum Geheimdienstchef ernannt wurde. Umso rasanter jedoch der darauf folgende Aufstieg: Im März 1999 kam das Amt des Chefs des nationalen Sicherheitsrats dazu und bereits im August dann die Wahl zum Ministerpräsidenten. Kurz danach stellte ihn Jelzin als seinen Wunschnachfolger für das Amt des Präsidenten vor.

Seit dem vorzeitigen Rücktritt Jelzins zur Jahrtausendwende hat Putin, der am kommenden Sonntag den 60. Geburtstag feiert, die russische Politik dominiert. Fragt man nun ausländische Wirtschaftstreibende nach den wichtigsten Veränderungen der vergangenen zwölf Jahre, fallen meist Begriffe wie die gestiegene Stabilität im Land und das wirtschaftliche Wachstum. Zu Recht, wie ein Blick auf die Grafik zeigt: Mit Ausnahme der Wirtschaftskrise 2009 ist die russische Wirtschaft jedes Jahr gewachsen - wie hinreichend bekannt auch durch den hohen Ölpreis der vergangenen Jahre.

Ausbau des Staates

Auf politischer Ebene hat Putin vor allem den Einfluss des Staates gestärkt und eine "Vertikale der Macht" innerhalb Russlands aufgebaut. Wirtschaftspolitisch setzte er zu Beginn seiner ersten Amtszeit auf eine Weiterführung des Reformkurses der 90er-Jahre: Bereits nach der Rubel-Krise 1998 wurde versucht, die Staatsausgaben zu kürzen, um ein ausgeglichenes Budget zu erreichen. 2001 wurde das Steuersystem reformiert und eine Flat Tax bei der Einkommenssteuer in der Höhe von 13 Prozent eingeführt. Zudem wurde 2004 ein Stabilitätsfonds mit Einnahmen aus dem Ölgeschäft eingerichtet, um künftige Krisen besser abfedern zu können.

Die Frage ist nun, ob nach Putins erneuter Rückkehr in den Kreml heuer im Mai Stabilität als Versprechen für die kommenden Jahre ausreicht. Denn wie die Grafik ebenfalls zeigt, ist Russland nach der Wirtschaftskrise nicht mehr zu den Wachstumsraten der vorherigen Jahre zurückgekehrt - und das trotz des nach wie vor hohen Ölpreises. Nach seiner Inauguration hat Putin zwar eine ganze Reihe von Gesetzen zur wirtschaftlichen Entwicklung Russlands unterschrieben. Über deren Finanzierung und Umsetzung wird jedoch nach wie vor in der Regierung diskutiert.

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-10-05)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

15:04

Rebound-Chancen für Zloty und Forint

22.09.2014, 19:07

Ukraine: Minister sorgt mit Bericht über Atomschlag für Gespött

22.09.2014, 14:24

Ukraine kündigt Räumung von Pufferzone an

BIP-Wachstum und Ölpreis

Mit Ausnahme der Wirtschaftskrise 2009 ist die russische Wirtschaft jedes Jahr gewachsen

Mit Ausnahme der Wirtschaftskrise 2009 ist die russische Wirtschaft jedes Jahr gewachsen

Zahl

60 Jahre
Am Wochenende gibt es im ganzen Land Veranstaltungen, bei denen die Bürger ihrem Präsidenten gratulieren können. So lädt etwa die "Junge Garde", die Jugendorganisation der Kreml-Partei "Einiges Russland" Passanten in Tscheljabinsk dazu ein, eine gigantische Postkarte zu unterschreiben.
Die meisten Feiern finden allerdings in Putins Heimatstadt St. Petersburg statt. Neben Kundgebungen und Reden soll hier am Montag auch ein Konzert stattfinden - strikt für VIP-Gäste.

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    21.09.2014, 19:28

    Tausende Russen protestierten gegen Putins Ukraine-Politik: "Nein zum Krieg!"

    In Moskau formiert sich Widerstand gegen die Ukraine-Politik von Präsident Wladimir Putin. Tausende Menschen kamen am Sonntag zu einer Friedenskundgebung.

    21.09.2014, 10:36

    MH17: Hinterbliebene deutscher Opfer wollen gross abkassieren

    Die ukrainische Regierung und der Westen gehen davon aus, dass Flug MH17 von prorussischen Separatisten abgeschossen wurde. Anwälte von Hinterbliebenen bereiten Klagen gegen die Ukraine vor.

    20.09.2014, 22:31

    Karel Schwarzenberg: "Putin wird sich nicht zurückhalten, nachdem er die Ukraine gefressen hat"

    Interview. Karel Schwarzenberg erklärt, was ihn sein Religionslehrer gelehrt hat, warum die Ukraine Militärhilfe benötigt und warum es Wunder gibt – aber nur einmal im Leben.

    20.09.2014, 21:24

    Michail Chodorkowski legt sich mit Putin an - "Offenes Russland" gestartet

    Der ehemals reichste Mann Russlands, Michail Chodorkowski, rief seine Landsleute auf, sich vor den für 2016 geplanten Parlamentswahlen gemeinsam für einen politischen Kurswechsel und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen.

    20.09.2014, 16:22

    Russischer Stahlkonzern Mechel offenbar vor der Pleite

    Eine Insolvenz des Stahlkonzerns Mechel sei wohl kaum noch abzuwenden, sagte der russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew.

      Austrian Airlines
      von
      nach
      Hinflug
      Rückflug
      Personen

    Umfrage

    • Sollen Geschäfte auch am Sonntag aufsperren?
    • Ja
    • Nur in Tourismuszonen
    • Nein
    • Weiss nicht